Asiatische Tigermücke

„Tödlichstes Tier der Welt“ breitet sich in Baden-Württemberg aus - es überträgt gefährliche Viren

Die undatierte Aufnahme zeigt eine asiatische Tigermücke.
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Die asiatische Tigermücke wird immer öfter in Baden-Württemberg gesichtet. Wie gefährlich ist das Insekt wirklich?
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Das „tödlichste Tier der Welt“, wie Bill Gates es nannte, wird immer öfter in Baden-Württemberg gesichtet. Und es gibt einiges, was man über die Asiatische Tigermücke wissen sollte.

Stuttgart - Wer an gefährliche Tiere denkt, hat wohl eine zähnefletschende Raubkatze, blutrünstige Haie oder auch exotische Giftschlangen vor Augen. In Baden-Württemberg lauern zwar mehrere giftige Schlangen, das „tödlichste Tier der Welt“ ist aber deutlich unscheinbarer und auch sehr viel kleiner. Zumindest wenn es nach Microsoft-Grüner Bill Gates geht, der bereits vor Jahren vor dem kleinen Tier warnte. Gemeint ist die asiatische Tigermücke. Ein Insekt, das auf den ersten Blick nicht von einer üblichen Stechmücke zu unterscheiden ist. Die Tigermücke ist jedoch besonders gefährlich, denn sie überträgt Krankheiten, die für den Menschen tödlich enden können.

Eigentlich stammt die asiatische Tigermücke, wie der Name bereits vermuten lässt, aus dem asiatischen Raum. Durch den Klimawandel, die immer häufiger werdenden Niederschläge und die vergleichsweise milden Winter, ist das Insekt inzwischen jedoch auch in Deutschland heimisch. In Baden-Württemberg wurde das „tödlichste Tier der Welt“ bereits in mehreren Städten entdeckt. Nach einem Auftauchen in Stuttgart fiel die Tigermücke auch über Heilbronn her. Im Kreis Ludwigsburg wird die Mücke mit Bakterien-Tabletten bekämpft und auch am Bodensee soll sie bereits gesichtet worden sein. Das konnte das Gesundheitsamt in Friedrichshafen auf Anfrage von BW24 jedoch nicht eindeutig bestätigen.

„Tödlichstes Tier der Welt“: Gefährlichkeit der asiatischen Tigermücke

Im Gegensatz zu den in Baden-Württemberg heimischen Giftschlangen, der Kreuzotter und der Aspisviper, stellt die asiatische Tigermücke eine indirekte aber um so größere Gefahr dar. Wie gefährlich der Biss einer Kreuzotter sein kann, zeigte kürzlich ein Vorfall in Österreich. Eine 12-Jährige kämpfte nach dem Biss mit Atemnot.

Das Gift der Schlangen verursacht zwar schmerzhafte Symptome, ist in den meisten Fällen für den Menschen jedoch nicht tödlich. Ein Stich einer Mücke verursacht normalerweise einen starken Juckreiz und Schmerzen um die Einstichstelle. Dem ist mit einer ausreichenden Kühlung jedoch gut beizukommen. Wirklich gefährlich oder sogar tödlich macht die asiatische Tigermücke jedoch ein anderer Aspekt.

Wie gefährlich ist die asiatische Tigermücke?

Die asiatische Tigermücke, die aktuell auch in Baden-Württemberg auf dem Vormarsch ist, gilt als tagaktiv und sehr aggressiv. Da sie potenziell gefährliche Krankheiten übertragen kann, wird die Ausbreitung im Südwesten überwacht, heißt es in einer Pressemitteilung des Regierungspräsidiums in Stuttgart. Zu den Krankheiten, die von der Tigermücke übertragen werden können, gehört das Dengue-Fieber und das Chikungunya-Virus. Laut der Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KNABS) müsste die Tigermücke in der Regel erst mal eine Person stechen, die das Virus bereits im Blut hat, berichtet der Südwestrundfunk (SWR). Dann wird die Mücke zum Überträger der Krankheit.

Eine infizierte asiatische Tigermücke kann eine gefährliche Krankheit jedoch sehr schnell auf den Menschen übertragen. „Im Prinzip reicht ein Stich aus“, sagt Sebastian Lotzkat, Biologe am Naturkundemuseum in Stuttgart auf Nachfrage von BW24. „Die asiatische Tigermücke sticht mit ihren saugenden Mundwerkzeugen und hinterlässt ihren Speichel im Blut.“ Anschließend saugt das Insekt das Blut aus der Einstichstelle. „Die Mücke spuckt quasi in uns rein und überträgt dadurch Krankheiten wie das Dengue-Fieber“, so Lotzkat. Eine vorherige Erkrankung sei nicht notwendig.

Kann man von einem Tigermücken-Stich sterben?

Das Dengue-Fieber ist eine von Stechmücken übertragene virale Erkrankung, die in den Tropengebieten aller Kontinente auftreten kann, schreibt das Robert Koch Institut (RKI). „In Deutschland werden pro Jahr 600-800 Fälle von reise­assoziiertem Dengue-Fieber gemeldet.“ Die meisten Infizierten bemerken von der Erkrankung wenig oder gar nichts. In manchen Fällen können nach mehreren Tagen jedoch schwere Symptome wie starke Bauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen, schnelle Atmung, blutende Schleimhäute, Bluterbrechen, Erschöpfung oder Unruhe auftreten. „In besonders schweren Fällen kann es zu einer Schocksymptomatik kommen.“

In Deutschland ist laut dem RKI bislang kein Todesfall in Zusammenhang mit einer Dengue-Infektion bekannt. Die von der asiatischen Tigermücke übertragene Krankheit kann jedoch durchaus tödlich enden. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich mehr als 20.000 Menschen weltweit an dem Dengue-Fieber - größtenteils Kinder. Auch das Chikungunya-Virus wurde bislang hauptsächlich bei Reiserückkehrern nachgewiesen.

Die asiatische Tigermücke: Der Stich und die Behandlungsmethoden

Wie sieht der Stich einer asiatischen Tigermücke aus?

Grundsätzlich unterscheidet sich ein Stich der asiatischen Tigermücke nicht von dem einer herkömmlichen Stechmücke. Die Einstichstelle kann anfangen zu jucken und die betroffene Stelle schwillt an. Die potenzielle Übertagung einer Krankheit wie dem Dengue-Fieber ist nicht an der Einstichstelle, sondern nur durch die auftretenden Symptome zu bemerken.

Was kann man tun, wenn man von der asiatischen Tigermücke gestochen wurde?

Bei einem Stich der asiatischen Tigermücke sind altbekannte Methoden wie die Kühlung der Einstichstelle hilfreich. Dadurch lässt sich der Juckreiz mildern und die Schwellung nimmt ab. Alternativ kann man den Stich auch mit einem sogenannten Wärmestift behandeln. Besteht der Verdacht, dass durch den Stich eine Krankheit übertragen wurde, sollte man jedoch dringend einen Arzt aufsuchen. Laut dem RKI gibt es gegen das Dengue-Fieber beispielsweise bereits einen in Europa zugelassenen Impfstoff. „Die Zulassung ist jedoch beschränkt auf Personen im Alter von 9 bis 45 Jahren, die in einem Endemiegebiet leben und zuvor bereits eine laborbestätigte Dengue-Infektion durchgemacht haben.“

Asiatische Tigermücke in Baden-Württemberg: Vorkommen und Prävention

Laut der Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart brütet die asiatische Tigermücke in kleinen Wasseransammlungen wie offenen Regentonnen, Eimern, Gießkannen, Blumentöpfen oder Wasserschalen.

Solche Ansammlungen sollten demnach vermieden werden oder entsprechend abgedeckt, beispielsweise mit einem Mückennetz. „Wenn Stechmücken gefunden werden, bei denen der Verdacht besteht, dass es sich um die Asiatische Tigermücke handelt, können diese Funde den zuständigen Gesundheitsämtern gemeldet werden“, schreibt das Regierungspräsidium.

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