Schlachtbetriebe in Baden-Württemberg

Kretschmann reagiert auf Tierquälerei mit erschreckend harmloser Drohung - er will „solche Bilder nicht mehr sehen“

  • Valentin Betz
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In Baden-Württembergs Schlachthöfen kommt es immer wieder zu Tierquälerei. Ministerpräsident Winfried Kretschmann verurteilt das und hofft auf Besserung der Betriebe.

Stuttgart - Der weltweite Fleischkonsum wird schon lange diskutiert. Neben den Folgen für das Klima stehen dabei meist Aspekte des Tierwohls im Fokus. Nicht jeder kann es mit seinem Gewissen vereinbaren, dass ein Tier für seine Ernährung sterben muss - und schon gar nicht leiden.

Doch auch hierzulande trifft genau das häufig zu. Im September zeigte ein Video schockierende Szenen aus einem Schlachthof in Baden-Württemberg. Die Bilder aus dem Kreis Böblingen sind kein Einzelfall. Auch Aufnahmen im Kreis Waldshut bezeugen eine qualvolle Schlachtung.

Die Organisation Soko Tierschutz deckt immer wieder solche Zustände auf, zuletzt mit Szenen der Tierquälerei in Biberach. Trotz der Beweise geschah bislang seitens der Politik in der Landeshauptstadt Stuttgart wenig. Nach dem Fall in Biberach schritt die Regierung gegen Tierquälerei ein - allerdings mit einer harmlosen Maßnahme. Jetzt hat sich auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu den Bildern aus baden-württembergischen Schlachthöfen geäußert.

Tierquälerei in Schlachthöfen: Agrarminister Peter Hauk steht massiv in der Kritik

Künftig sollen Amtstierärzte, die eigentlich immer beim Schlachtvorgang anwesend sein sollten, alle drei Jahre den Betrieb wechseln, damit zwischen Schlachthof und Veterinär keine persönliche Nähe entstehen kann. Darüber hinaus wurden Schlachthöfe dazu aufgefordert, Kameras zur Vorbeugung von Tierquälerei zu installieren - freiwillig.

Initiiert wurden diese Maßnahmen von Baden-Württembergs Agrarminister Peter Hauk. Nicht erst seitdem fordert beispielsweise die Soko Tierschutz den Rücktritt des Ministers. Kritik am CDU-Politiker kommt auch von der Opposition. Sie wirft Peter Hauk vor, zu wenig gegen die Skandale in Baden-württembergs Schlachthöfen unternommen zu haben.

Winfried Kretschmann verurteilt die Tierquälerei in Schlachthöfen und glaubt an die Wirkung der neuen Maßnahmen dagegen.

Von seinem Chef erhält Peter Hauk indes Rückendeckung. Ministerpräsident Winfried Kretschmann betonte laut Deutscher Presse-Agentur: „Ich werde ihn nicht entlassen“. Winfried Kretschmann verurteilte die Tierquälerei - und hält die neuen Maßnahmen gleichzeitig für ausreichend.

Tierquälerei in Schlachthöfen: Winfried Kretschmann steht hinter Agrarminister - und verurteilt Betriebe

Die Maßnahmen, die Agrarminister Peter Hauk nach dem jüngsten Skandal in Biberach vorgestellt habe, seien schlüssig. „Und sie lassen erwarten, dass wir das Problem jetzt in den Griff bekommen“, erklärte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Allerdings müsse auch geklärt werden, wie es trotz einer 100-prozentigen Kontrolle durch Veterinäre zu Zuständen wie in Biberach und anderen Schlachthöfen kommen konnte.

Auf die Kritik, die Maßnahmen gegen Tierquälerei in Schlachthöfen sei nicht ausreichend, reagierte Winfried Kretschmann allerdings nicht. Vielmehr beließ es der Grünen-Politiker bei einem vagen Appell an die Betriebe in Baden-Württemberg. „Wir erwarten, dass wir solche Bilder nicht mehr zu sehen bekommen“, so Winfried Kretschmann. „Das geht wirklich überhaupt nicht.“

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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