Studie zur Sicherheit

„No-Go-Areas“: Baden-Württemberger wollen mehr Polizeipräsenz

Eine Polizistin steht in der Innenstadt.
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Laut eine Studie wünschen sich viele Bürger in Baden-Württemberg eine erhöhte Polizeipräsenz in der Öffentlichkeit.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Seit der Corona-Pandemie sind deutlich mehr Polizisten in den Städten Baden-Württembergs unterwegs als davor. Laut einer Studie wünschen sich viele Bürger jedoch noch mehr Präsenz auf den Straßen.

Stuttgart - Die Polizei in Stuttgart und ganz Baden-Württemberg hatte im vergangenen Jahr alle Hände voll zu tun. Durch die Krise aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg wurden bereits im Frühjahr viele Beamte eingesetzt, um in den Städten die Einhaltung der Corona-Maßnahmen zu kontrollieren. Daneben mussten die Polizeikräfte auch bei den Demonstrationen gegen die Corona-Verordnungen und den „Black lives matter“-Demonstrationen mit einer großen Präsenz im Einsatz sein.

Spätestens seit den Ausschreitungen in Stuttgart Ende Juni vergangenen Jahres wurde die Polizeipräsenz in der Landeshauptstadt deutlich erhöht. Durch die strengen Corona-Regeln an Silvester waren in Baden-Württemberg ebenfalls viele Beamte im Einsatz. Die Polizei stockte die Präsenz nochmals auf. Aktuell sind in den großen Städten im Südwesten ebenfalls mehr Polizisten zu sehen als beispielsweise im Jahr 2019. Durch strenge Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus, wie der Ausgangssperre von 20 und 5 Uhr, mussten die Beamten die Präsenz und die Kontrollen deutlich erhöhen. Laut einer Studie wünschen sich viele Bürger Baden-Württembergs dennoch mehr Polizisten auf den Straßen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Baden-Württemberg: Studie über die Sicherheit auf den Straßen - Strobl bekommt schlechtes Zeugnis

Im Rahmen des „BaWü-Check“, in dem die Tageszeitungen in Baden-Württemberg bis zur Landtagswahl im März jeden Monat eine Umfrage in Auftrag geben, führte das Institut für Demoskopie Allensbach zwischen dem 8. und dem 21. Januar eine Umfrage durch. Gefragt wurden in Online-Interviews 1.010 Bürger im Südwesten ab dem Alter von 18 Jahren. Die Umfrage bezog sich in diesem Monat auf die Sicherheit in Baden-Württemberg. Laut den am Donnerstag veröffentlichen Ergebnissen wünschen sich 92 Prozent der Befragten eine höhere Polizeipräsenz auf den Straßen. 94 Prozent fordern eine bessere Ausrüstung für die Polizei. 89 Prozent wollen, dass die Polizei mit mehr Beamten in der Öffentlichkeit präsent ist.

In der Studie wurde ebenfalls die Ablehnung oder Zustimmung von bestimmten Sicherheitsmaßnahmen abgefragt, wie die dpa berichtet. Dabei sprachen sich 82 Prozent der Befragten aus Baden-Württemberg für eine Videoüberwachung an beliebten Plätzen aus. In Stuttgart wäre das möglicherweise am Marienplatz oder am Eckensee denkbar. Zwei Drittel waren sogar der Ansicht, dass eine stärkere Überwachung von Telefonaten, Chats und Internetverkehr bei dringendem Tatverdacht gerechtfertigt ist. Innenminister Thomas Strobl (CDU) erhielt von den Befragten allerdings kein gutes Zeugnis. Nur zwölf Prozent meinen, dass er genug tue, damit die Polizei ausreichend auf die Verbrechensbekämpfung vorbereitet sei. 59 Prozent sind der Meinung, der Minister müsse deutlich mehr tun.

Baden-Württemberg: Bürger fühlen sich laut Studie am eigenen Wohnort sicher

Die Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Tageszeitungen im Südwesten zeigte jedoch auch, dass sich 86 Prozent der Befragten in ihrem eignen Wohnort sicher fühlen. Ein Stadt-Land-Gefälle gebe es allerdings im Bereich der sogenannten „No-go-Areas“, also Gebieten oder Orten an, die sich die Bürger nachts nicht alleine hintrauen. Laut der Befragung kennen 46 Prozent der Stadtbewohner solche Gebiete, auf dem Land sind es nicht mal halb so viele.

Die polarisierende Initiative Querdenken 711 aus Stuttgart veranstaltet landesweit Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen. Die Veranstaltungen wurden dabei immer radikaler und auch in der Bewegung selbst war eine zunehmende Radikalisierung festzustellen. Inzwischen werden die Querdenker sogar vom Verfassungsschutz überwacht. Auch dazu holte die Studie die Meinung der Bevölkerung in Baden-Württemberg ein. Laut den Ergebnissen hält ein Drittel der Befragten die Überwachung für gerechtfertigt. Nur 21 Prozent halten die Maßnahme für übertrieben.

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