Streit um Schulöffnungen

„Dummheit, Sorglosigkeit und Chaos“: Eltern wütend, weil Schulen ohne klares Konzept öffnen

  • Valentin Betz
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Vom Lockdown wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg sind auch die Schulen hart getroffen worden. Jetzt sollen viele Schüler wieder zurück in den Präsenzunterricht.

Update, 17.59 Uhr: Grundschüler und die Schüler der fünften und sechsten Klassen sind wieder in den Schulalltag gestartet. Entgegen dem Wunsch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann muss in den Schulen in Baden-Württemberg jedoch kein verpflichtender Abstand zwischen den Schülern eingehalten werden. Kultusministerin Susanne Eisenmann hat sich durchgesetzt und ein „Abstandsgebot“ verhindert.

Doch nach der desaströsen Wahlniederlage von Susanne Eisenmann und ihrer Partei, der CDU, bei der gestrigen Landtagswahl in Baden-Württemberg gibt es nun weiter heftige Kritik obendrauf: Nicht nur Lehrer, sondern auch Eltern sind entsetzt darüber, wie die Schulöffnungen in Baden-Württemberg ablaufen. „Kind kommt gerade ausgekühlt & frierend vom ersten Schultag zurück“, schreibt ein Twitter-Nutzer und beschwert sich öffentlich über das Kultusministerium Baden-Württemberg. Es gebe keinen Wechselunterricht, keinen Abstand und keine Tests.

Das alles habe das Kultusministerium anders versprochen.- Ebenfalls in seinem Tweet schreibt der gleiche Nutzer zu den aktuellen Schulöffnungen im Land: „Es regieren Dummheit, Sorglosigkeit und Chaos“.

Erstmeldung vom 15. März, 10.03 Uhr: Stuttgart - Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg gibt es an den Schulen im Land schon seit geraumer Zeit keinen durchgehenden Präsenzunterricht mehr. Auch die Lockdown-Lockerungen in Baden-Württemberg am 8. März betrafen zunächst größtenteils nur den Handel.

Doch der eingeschränkte Unterricht wirkt sich oft auch auf den Lernfortschritt der Schüler aus. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann erwog deshalb sogar verkürzte Sommerferien im Südwesten. Zuletzt führte die Diskussion um Schulöffnungen sogar zu einem Streit zwischen Winfried Kretschmann und Kultusministerin Susanne Eisenmann.

Inzwischen steht fest: Nach wochenlangem Corona-Lockdown kehren zumindest Grundschüler und die Schüler der 5. und 6. Klasse nun wieder voll in den Präsenzunterricht zurück.

Schulen in Baden-Württemberg wieder offen: Eisenmann setzt sich gegen Kretschmann durch

Die Grundschüler waren zuletzt im Wechsel unterrichtet worden. Eine Hälfte blieb zu Hause im Fernunterricht, die andere durfte die Schule besuchen. Während für die Schüler der 5. und 6. Klasse eine Maskenpflicht gilt, sind die Grundschüler von dieser Regelung befreit. Mit Ausnahme der Abschlussklassen bleiben aber darüber hinaus alle Klassen bis nach den Osterferien in Baden-Württemberg weiterhin beim Fernunterricht.

Dabei konnte sich im Streit mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann Kultusministerin Susanne Eisenmann durchsetzen, denn es gilt wie von ihr gefordert bei den neuerlichen Öffnungen „kein förmliches Abstandsgebot“. Schulen sollen lediglich dafür sorgen, dass die Schüler beim Präsenzunterricht den Abstand von eineinhalb Metern wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg einhalten.

Öffnung der Schulen in Baden-Württemberg: Lehrer üben Kritik an Eisenmann

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann war darüber hinaus schon zuvor gegen einen Wechsel aus Präsenz- und Fernunterricht gewesen, da dieser einen weiteren organisatorischen Aufwand bedeutet hätte, wie sie sagst.

Der Philologenverband, der für die Lehrer in Baden-Württemberg eintritt, ist allerdings nur wenig von dem nun beschlossenen, unverbindlichen Mindestabstand an Schulen begeistert. Verbandschef Ralf Scholl fordert laut der Deutschen Presseagentur einen Wechselunterricht, wenn der Mindestabstand in den Unterrichtsräumen nicht eingehalten werden könne.

Rubriklistenbild: © Gregor Fischer

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