Landkreise im Vergleich

Wohnen in Baden-Württemberg: So haben sich die Preise für Immobilien und Mieten seit Corona entwickelt

Ein Blick auf die Dächer der Landeshauptstadt Stuttgart
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In der Landeshauptstadt Stuttgart ist Kaufen und Mieten nicht gerade günstig.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Experten vermuteten, dass die Immobilienpreise und Mieten durch die Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg sinken könnten. Die Preisentwicklungen geben ihnen nur zum Teil recht.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg wirkt sich auf die Kaufkraft der Menschen aus. Experten vermuteten daher in der Folge sinkende Immobilienpreise und Mieten.
  • Das Statistische Bundesamt gibt vorläufige Zahlen zur Entwicklung der Immobilienpreise seit der Corona-Pandemie bekannt.
  • Die Mietpreise stagnieren oder sinken sogar in vielen Städten und Landkreisen von Baden-Württemberg. In Stuttgart flacht die Kurve ab.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat negative Auswirkungen auf viele Bereiche des öffentlichen Lebens. Allen voran die vielen Verbote und Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 schränkten den Alltag der Bevölkerung stark ein. Und auch die Finanzmärkte sowie die Wirtschaft haben mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen. Letzteres weckte bei einigen Menschen jedoch Hoffnung auf zumindest eine positive Folge der Corona-Krise: sinkende Mieten sowie Immobilienpreise.

Seit Jahren steigen die Preise für Immobilien vor allem in Ballungsgebieten stark an - bezahlbarer Wohnraum wird knapp. Auch die Mieten kann sich vielerorts in Baden-Württemberg nicht jeder leisten. Bestes Beispiel dafür ist die Landeshauptstadt Stuttgart. Vor Monaten sprachen jedoch bereits einige Experten von einem möglichen Einbruch der Immobilienpreise als Folge des Coronavirus in Baden Württemberg. Das Forschungsinstitut Empirica ging beispielsweise davon aus, dass die Preise mittelfristig um zehn bis 25 Prozent sinken könnten.

Auswirkungen von Corona auf die Preisentwicklung von Immobilien - Zahlen vom Statistischen Bundesamt

Wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, sind derartige Entwicklungen auf dem deutschen Immobilienmarkt jedoch derzeit nicht erkennbar. Aufgrund des großen öffentlichen Interesses ermittelte die Behörde in einer Schnellschätzung die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Immobilienpreise.

Gemäß dieser vorläufigen Schätzung zeigte sich bei der Entwicklung der bundesweiten Preise für Wohnimmobilien im 2. Quartal 2020 ein Anstieg von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das heißt: Auch in Zeiten des Coronavirus in Baden-Württemberg steigen die Immobilienpreise weiter an. Die exakten sowie regionalen Ergebnisse veröffentlicht das Statistische Bundesamt im September.

Baden-Württemberg: In vielen Kreisen stagnieren oder sinken die Mietpreise

Entspannung zeigt sich dagegen vielerorts in Bezug auf die Entwicklung der Mietpreise in Baden-Württemberg - zumindest wenn es nach einer Datenanalyse von Immowelt geht. Das Immobilienportal verglich inserierte Angebote von Wohnungen mit einer Fläche von 40 bis 120 Quadratmetern mit jenen des Vorjahres und stellte fest, dass die Preise häufig sinken oder stagnieren. Nur in wenigen Fällen stiegen sie stark an.

Diese positive Entwicklung hat jedoch nicht ausschließlich mit den Auswirkungen von Covid-19 zu tun. „Bereits vor Corona hat sich angedeutet, dass die Angebotsmieten in vielen Ballungsräumen von Großstädten weniger stark steigen, von einer generellen Trendwende ist aber noch nicht auszugehen“, wird Cai-Nicolas Ziegler von Immowelt in der Pressemitteilung des Immobilienportals zitiert. „Was jedoch auffällt: In einigen Städten ist die Grenze des Bezahlbaren langsam erreicht.“

Auf Anfrage von BW24 stellte Immowelt die Daten aller Land- beziehungsweise Stadtkreise in Baden-Württemberg von 2018 bis 2020 zur Verfügung. Diese zeigen, dass beispielsweise die Mietpreiskurve in Stuttgart allmählich abflacht. Während die Preise im ersten Halbjahr 2019 im Vergleich zu 2018 noch um sieben Prozent anstiegen, hat sich der Wert 2020 im Vergleich zu 2019 mit nur noch drei Prozent mehr als halbiert. Das heißt: Die Mietpreise in der Landeshauptstadt steigen zwar weiterhin, aber nicht mehr so stark.

Anders sieht es in den Landkreisen rund um Stuttgart aus, wo die Preise vergleichsweise stark steigen. Während die Mieten in Ludwigsburg 2019 noch um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr stiegen, sind es 2020 sogar acht Prozent. Auch in Esslingen gibt es einen Anstieg von ein auf sechs Prozent. Besonders auffällig ist die Preisveränderung im Rems-Murr-Kreis. Dort sanken die Mietpreise 2019 im Vergleich zu 2018 sogar noch um drei Prozentpunkte. 2020 sind sie bei elf Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr - das ist der größte Unterschied in Bezug auf die Preisentwicklung von allen Kreisen in Baden-Württemberg. Lediglich im Landkreis Böblingen stagniert die Preisentwicklung.

Mietpreisentwicklung vom Stadtkreis Stuttgart und den umliegenden Landkreisen (1. HJ 2018 bis 2020)

Kreis1. HJ 20181. HJ 20191. HJ 2020Anstieg 2018/2019Anstieg 2019/2020
Stuttgart12,10 €13,00 €13,40 €7 Prozent3 Prozent
Esslingen10,10 €10,20 €10,80 €1 Prozent6 Prozent
Ludwigsburg10,20 €10,40 €11,20 €2 Prozent8 Prozent
Rems-Murr-Kreis9,80 €9,50 €10,50 €- 3 Prozent11 Prozent
Böblingen10,30 €10,80 €11,40 €5 Prozent6 Prozent

Quelle: Datenanalyse Immowelt

Positiv für Mieter ist auch die Preisentwicklung in den Universitätsstädten Heidelberg und Freiburg. In beiden Stadtkreisen sind die Mietpreise 2020 niedriger als im Vergleich zum Vorjahr. Dasselbe gilt für den Landkreis Tübingen. Laut Immowelt hat dies jedoch nicht unbedingt positive Auswirkungen für Studenten, da von den gesunken Preisen hauptsächlich große Wohnungen betroffen sind. Die Zahlen einer Untersuchung des Immobilienportals zeigen, dass „die Preise für kleine Studentenbuden im Allgemeinen eher teurer werden“, wie es in einer Mitteilung heißt.

Mitepreisentwicklung in den Stadt-/ Landkreisen Heidelberg, Freiburg, Tübingen (1. HJ 2018 bis 2020)

Kreis1. HJ 20181. HJ 20191. HJ 2020Anstieg 2018/2019Anstieg 2019/2020
Heidelberg11,30 €12,00 €11,10 €6 Prozent- 8 Prozent
Freiburg11,70 €12,80 €12,009 Prozent- 6 Prozent
Tübingen9,90 €10,90 €10,30 €10 Prozent- 6 Prozent

Quelle: Datenanalyse Immowelt

Während die Mietpreise in den meisten Land- und Stadtkreisen stagnieren oder sogar sinken, steigen sie in manchen wenigen zum Teil stark an. Im Landkreis Tuttlingen etwa wurden die Mietpreise vom ersten Halbjahr 2018 auf das erste Halbjahr 2019 um drei Prozent günstiger, wohingegen sie 2020 im Vorjahresvergleich um neun Prozent teurer wurden.

Mietpreisentwicklung: Landkreise mit dem größten Unterschied beim Preisanstieg im Vergleich zum Vorjahr

Kreis1. HJ 20181. HJ 20191. HJ 2020Anstieg 2018/2019Anstieg 2019/2020
Tuttlingen7,80 €7,60 €8,30 €-3 Prozent9 Prozent
Lörrach10,50 €10,20 €10,90 €-3 Prozent7 Prozent
Alb-Donau-Kreis7,70 €8,00 €9,00 €4 Prozent13 Prozent
Karlsruhe8,50 €8,50 €9,30 €0 Prozent9 Prozent
Ostalbkreis7,70 €8,00 €9,00 €4 Prozent13 Prozent

Quelle: Datenanalyse Immowelt

Am Auffälligsten von allen Land- und Stadtkreisen in Baden-Württemberg ist die Preisentwicklung seit 2018 im Stadtkreis Heilbronn. Dort stiegen die Preise vom ersten Halbjahr 2018 auf das erste Halbjahr 2019 noch um 18 Prozent - von 9,10 Euro auf 10,70 Euro. 2020 gab es dagegen überhaupt keinen Preisanstieg.

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