Polizei warnt vor Betrügern

Neue Trickmasche an Bankautomaten im Südwesten: „Shouldersurfing“

Ein Bankkunde hebt am 08.11.2011 in Hamburg mit seiner Girokarte Bargeld von einem Geldautomaten ab.
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Betrüger versuchen in Baden-Württemberg mit einer neuen Masche Geld zu erbeuten. Die Polizei warnt.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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In Baden-Württemberg warnt die Polizei immer wieder vor Betrügern, die Bürger um Geld und Wertsachen bringen. Nun ist eine neue Masche im Umlauf, das sogenannte „Shouldersurfing“.

Stuttgart - Auch in Baden-Württemberg gelingt es Betrügern immer wieder mit perfiden Maschen Geld von Bürgern oder Unternehmen zu ergaunern. Beispielsweise erschlichen sich Betrüger 3 Millionen Euro an Corona-Hilfen, die eigentlich für Unternehmen gedacht waren, die besonders unter dem Coronavirus in Baden-Württemberg zu leiden hatten. In den vergangenen Monaten warnte die Polizei Stuttgart und auch die Präsidien in Ludwigsburg und Reutlingen vor einer ganzen Serie an Betrugswellen in der Region. In vielen Fällen geben sich die Betrüger als Mitarbeiter von Unternehmen wie Vodafone oder Telekom aus und fragen nach privaten Zugangsdaten.

In der Landeshauptstadt Stuttgart und anderen Städten im Südwesten erhalten Bürger, oftmals aus der älteren Bevölkerungsschicht, immer wieder Anrufe von vermeintlichen Polizeibeamten. Die Betrüger sagen ihnen, ihr Geld sei zu Hause oder auf dem Konto nicht mehr sicher. Anschließend werden die Bürger dazu aufgefordert, ihre Wertsachen und Bargeld einem angeblichen Polizeibeamten auszuhändigen. „Die echte Polizei fragt Sie niemals nach Geld oder Wertsachen und würde diese auch niemals in Verwahrung nehmen“, schrieb beispielsweise die Pressestelle der Polizei Reutlingen zu dieser Masche. Laut einer Mitteilung des Polizeipräsidiums Stuttgart kommt es aktuell zu einer neuen Trickmasche, dem sogenannten „Shouldersurfing“.

Neue Betrugsmasche in Baden-Württemberg: Täter nutzen natürlichen Reflex aus

An den Bankautomaten der Banken in Baden-Württemberg und ganz Deutschland empfiehlt ein Hinweisschild dazu, bei der Eingabe der Geheimzahl das Nummernfeld möglichst abzudecken. Damit soll vermieden werden, dass andere Menschen die Eingabe der Zahl sehen. Eine neue Betrugsmasche hebelt jedoch sogar diese Vorsichtsmaßnahme aus. Vor wenigen Tagen ging ein 74-Jähriger in Stuttgart in einen Bank-Vorraum, um am Automaten Geld abzuheben, heißt es im Polizeibericht. Als der Mann das Geld aus dem Ausgabefach nahm, hielt ihm ein Unbekannter plötzlich eine rote Bankkarte vor das Gesicht, ohne ein Wort zu sprechen. Der 74-Jährige drehte sich aus Reflex zu dem Mann um.

Als der Senior in der Bankfiliale in Stuttgart sich wieder zum Automaten umgedreht hatte, war seine EC-Karte nicht mehr in dem Kartenschlitz. Laut der Polizei Stuttgart habe ein zweiter Täter die kurze Ablenkung genutzt, um die Karte aus dem Schlitz zu ziehen. Der 79-Jährige wählte daraufhin die Nummer des Sperrnotrufs, doch die unbekannten Täter hatten in dieser Zeit bereits über 1.000 Euro vom Konto des Mannes abgehoben. Die Polizei geht davon aus, dass die Betrüger die Eingabe der Geheimzahl mitlesen, indem sie dem Kunden über die Schulter schauen. Deshalb wird die Trickmasche „Shouldersurfing“ (Schulter-Surfen) genannt.

„Shouldersurfing“ in Baden-Württemberg: Polizei mahnt zur äußersten Vorsicht

Der geschilderte Fall des 79-Jährigen in Stuttgart war kein Einzelfall. Im Polizeibericht heißt es, die noch unbekannten Täter wären mit derselben Masche wenig später erneut erfolgreich gewesen. Auch in diesem Fall erbeuteten die Betrüger mehrere Hundert Euro vom Konto eines Bankkunden. Die oftmals älteren Geschädigten bemerken den Verlust der Karte oft erst spät oder gehen zunächst davon aus, der Automat habe die Karte eingezogen.

Die Empfehlung des Polizeipräsidiums Stuttgart im Wortlaut:

Beobachten Sie bereits vor dem Geldabheben am Automaten Ihr Umfeld genau. Achten Sie auch auf die äußere Beschaffenheit des Geldautomaten, melden Sie auffällige Veränderungen am Geldautomaten sofort der Polizei. Begeben Sie sich niemals gedankenlos zum Geldabheben an den Automaten.

Achten Sie bei der Eingabe der PIN am Geldausgabeautomaten oder im Handel am Kassenautomaten darauf, dass niemand den Vorgang beobachten kann; bitten Sie aufdringliche Personen oder angebliche Helfer höflich aber bestimmt auf Distanz zu bleiben. Verdecken Sie die PIN-Eingabe, indem Sie die Hand oder Geldbörse als Sichtschutz dicht über die Tastatur halten. Dies erschwert ein Ausspähen erheblich.

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