Kaum Zustimmung für Koalition

Umfrage: Baden-Württemberger stellen eigener Regierung vernichtendes Urteil aus

Die Mitglieder der Landesregierung und die Politischen Staatssekretäre vor dem Neuen Schloss in Stuttgart
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Politik in Baden-Württemberg: Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist bekannt und beliebt, dahinter verblassen in der Bevölkerung viele Namen.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Die Politik in Baden-Württemberg wird bereits zum zweiten Mal von einer grün-schwarzen Koalition gelenkt. Während einzelne Politiker gut abschneiden, bekommt die Regierung ein eher schlechtes Zeugnis.

Stuttgart - Die Politik in Baden-Württemberg wird seit dem 12. Mai 2021 erneut von einer grün-schwarzen Koalition bestimmt. An der Spitze der Landesregierung steht bei der zweiten Auflage des Bündnisses erneut Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Dass die Partei des Politikers mit der CDU zusammenarbeitet, kam in Baden-Württemberg nicht durchweg gut an.

Diesen Eindruck hat eine Umfrage unter den Tageszeitungen in Baden-Württemberg jetzt bestätigt, deren Ergebnisse unter anderem auch die Stuttgarter Zeitung veröffentlicht hat. Während die Zufriedenheit mit einigen Ministern noch ein gutes Bild der Regierung zeichnet, sind viele mit der Arbeit und Kooperation der grün-schwarzen Koalition alles andere als glücklich. Nur rund ein Drittel aller Bürger im Südwesten stünden demnach hinter ihrer Landesregierung.

Umfrage zur Politik in Baden-Württemberg: Einige Minister beliebt - viele aber ziemlich unbekannt

Weiterhin bleibt das Gesicht der Politik in Baden-Württemberg und der Landesregierung „Landesvater“ und Ministerpräsident Winfried Kretschmann. 92 Prozent gaben bei der Umfrage der Tageszeitungen an, von Winfried Kretschmann bereits gehört oder gelesen zu haben. Doch der Grünen-Politiker ist nicht nur bekannt, sondern auch beliebt. Laut Stuttgarter Zeitung haben 72 Prozent der Befragten eine gute Meinung von ihm.

Hinter der Spitze der Politik in Baden-Württemberg nimmt allerdings sowohl die Bekanntheit als auch die Beliebtheit der Minister der grün-schwarzen Landesregierung rapide ab. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass in der zweiten Auflage des Bündnisses Ministerien neu vergeben wurden. Entsprechend kennen nur 13 Prozent den neuen grünen Finanzminister Danyal Bayaz. Ähnlich unbekannt ist mit 10 Prozent auch noch Kultusministerin Theresa Schopper, die das Amt von CDU-Vorgängerin Susanne Eisenmann übernommen hat. Nur einer einstelligen Anzahl der Befragten sind indes die neuen Ministerinnen Thekla Walker (Grüne), Nicole Razavi und Marion Gentges (beide CDU) bekannt. Sie stehen seit Mai 2021 an der Spitze von Umweltministerium, Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen sowie dem Justizministerium.

Aber auch nach zwei Amtszeiten sind einige Ministerien und deren Leitung eher unbekannt. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer ist beispielsweise nur 15 Prozent der Befragten ein Begriff. Je bekannter die Minister sind, desto höher ist gleichzeitig deren Beliebtheit. Innenminister Thomas Strobl lobten in der Umfrage 59 Prozent, Verkehrsminister Winfried Hermann bekam eine Zustimmung von 58 Prozent.

Politik in Baden-Württemberg: Befragte zeigen sich wenig von grün-schwarzer Koalition überzeugt

Während in der Umfrage einige Politiker aus der Landesregierung Baden-Württembergs zwar sowohl bekannt als auch beliebt sind, schneidet die Koalition insgesamt aber sehr schlecht ab. Ministerpräsident Winfried Kretschmann führt bereits zum dritten Mal eine Koalition in Baden-Württemberg an. 2011 bis 2016 noch gemeinsam mit der SPD, danach mit der CDU. Dass dieses Bündnis nun wieder aufgelegt wurde, finden nur 35 Prozent der Befragten gut.

Selbst die Anhänger der Grünen sind keine Fans der Koalition mit der CDU. Nur 47 Prozent stimmen der neuen Landesregierung laut der Umfrage zur Politik in Baden-Württemberg zu. Bei den Anhängern der CDU ergibt sich hingegen ein differenziertes Bild. Bei deren Anhängern herrscht eine Unterstützung von 72 Prozent. 31 Prozent würden anstatt der grün-schwarzen Regierung lieber eine Koalition aus Grünen, SPD und FDP sehen. Besonders erschreckend ist allerdings die Anzahl derer, die sich enthalten. 34 Prozent ist es demnach egal, wer die Politik in Baden-Württemberg bestimmt.

In der Umfrage zur Politik in Baden-Württemberg wurde auch nach verschiedenen Themen gefragt, die von der Landesregierung angepackt werden sollen oder schon geplant sind. Gerade erst hatte der Landesrechnungshof Baden-Württembergs Regierung vor neuen Schulden gewarnt. Auch 61 Prozent der Befragten wollen nicht, dass die Schuldenbremse in Baden-Württemberg infrage gestellt wird. Anders sieht es beispielsweise bei greifbareren Themen wie der Hundehaltung aus. 57 Prozent der Befragten befürworten den von der Landesregierung geplanten „Hundeführerschein“.

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