Lage spitzt sich weiter zu

Corona in Baden-Württemberg: Angst vor dem nächsten Lockdown

Einzelne Personen laufen über die ansonsten leere Königsstraße in Stuttgart
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In der Corona-Krise gab es im Südwesten bereits zwei Lockdowns. Droht nun ein erneuter Stillstand?
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Die Lage aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg spitzt sich weiter zu. Das Erreichen der Alarmstufe steht kurz bevor - kommt ein weiterer Lockdown?

Stuttgart - Die Zahl der Corona-Fälle in Baden-Württemberg nimmt seit einigen Wochen wieder rasant zu. Aktuell weist der Südwesten die höchste 7-Tage-Inzidenz seit Beginn der Pandemie auf und die Zahl steigt täglich weiter an. Seit einiger Zeit ist die Inzidenz allerdings kein Indikator mehr für die Einschätzung der Lage, stattdessen liegt der Fokus auf den Krankenhäusern im Land. Dort ist die Lage ebenfalls erschreckend, im Enzkreis und in Pforzheim sind laut einem Chefarzt nicht mal mehr Betten für Herzinfarkt-Patienten frei.

Seit dem Beginn der Corona-Krise in Deutschland wurde bereits zweimal nahezu alles vollständig heruntergefahren. Der zweite Lockdown dauerte ganze acht Monate und brachte Händler, Dienstleister, Künstler und Gastronomen an den Rand der Existenz. Um ein solches Szenario in Zukunft zu vermeiden, wurde in Baden-Württemberg ein Stufenplan erarbeitet, der auf den Auslastungen der Intensivstationen basiert. Die Warnstufe, die zweite Stufe nach der Basisstufe, trat erst vor wenigen Tagen, am 7. November in Kraft und bedeutete deutliche Einschränkungen für Ungeimpfte. Die nächste, oberste Stufe könnte jedoch bereits in wenigen Tagen eintreten. Droht nun doch ein weiterer Lockdown?

Coronavirus in Baden-Württemberg: Alarmstufe steht bevor - Lockdown für Ungeimpfte

Ein weiterer Lockdown ist einigen Experten zufolge basierend auf den steigenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg wohl unumgänglich. Diese Maßnahme trifft im Gegensatz zu den bisherigen landesweiten Shutdowns allerdings wohl nicht die Gesamtbevölkerung. Die sogenannte „Alarmstufe“ tritt in Baden-Württemberg ein, wenn die 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz die Zahl von 12 erreicht hat oder überschreitet, oder wenn die Auslastung der Intensivbetten mit COVID-19-Patienten 390 erreicht oder überschreitet. Aktuell steht Baden-Württemberg unmittelbar vor dieser Stufe, die den 2G-Hammer bedeuten würde, wie die Schwäbische Post* berichtet.

Mit dem Eintreten der Alarmstufe würde in Baden-Württemberg die 2G-Regelung in vielen Bereichen gelten. Das bedeutet, dass nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt zu Gastronomie-Betrieben, Bars, Geschäften und Co. erhalten wurden. Auch in der Mercedes-Benz Arena in der Landeshauptstadt Stuttgart soll nur noch 2G gelten. Eine Maßnahme, die überfällig ist, kommentierte unser Autor. Für Menschen, die sich weiterhin gegen eine Corona-Schutzimpfung entscheiden, bedeutet die Alarmstufe mit der 2G-Regelung demnach einen weiteren Lockdown. Zudem kritisierte die SPD, dass die Landesregierung mit der Abschaffung der Maskenpflicht an Schulen weitere Schulschließungen und damit ebenfalls einen Lockdown riskiere, berichtet der SWR.

Corona-Lage im Südwesten: Ist ein Lockdown durch den langsamen Impf-Fortschritt unvermeidbar?

Durch die aktuelle Lage auf den Intensivstationen im Südwesten zeigt sich ein besonders erschreckendes Bild. Eine Intensivschwester aus Stuttgart berichtete, dass immer mehr junge Menschen intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Sie fühle sich, als müsse sie „die Dummheit der Menschen pflegen“, da viele nicht geimpft sind. Die zentralen Impfzentren im Land sind jedoch bereits seit einiger Zeit geschlossen und eine Wiedereröffnung steht bislang noch zur Debatte.

Sowohl die Erst- und Zweitimpfungen, als auch die Booster-Impfungen könnten demnach nicht schnell genug vorankommen, um die rollende vierte Corona-Welle noch aufzuhalten, vermutet eine Impfärztin aus Koblenz. „Ich bin skeptisch, ob wir das ohne Lockdown hinkriegen“, erklärte sie. Die Regierung setzt zwar inzwischen auf eine „Kein-Lockdown“-Politik, eine solche Maßnahme könnte jedoch die letzte Reißleine für die immer weiter eskalierende Situation sein.

Wenn die Impfquote deutschlandweit nicht verbessert werde, „werden wir schon vor Weihnachten mit erhöhten Einschränkungen rechnen müssen“, erklärte ein Virologe gegenüber Focus Online. „Falls ein Lockdown kommt, dann sollte er zunächst auf Ungeimpfte, die ein Impfangebot erhalten hatten, beschränkt bleiben.“ Ein anderer Virologe vermutet in einem Focus-Gastbeitrag dagegen, dass die Regierung das „L-Wort“ nicht in den Mund nehmen, die Einschränkungen jedoch einzeln verkünden wird. *Schwäbische Post ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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