Wahlkampf in Baden-Württemberg

„Blanker Hohn“: Eisenmann als Ministerpräsidentin? Kampagne sorgt für Shitstorm - „Doofer geht es nicht“

Die Wahlkampagne von Susanne Eisenmann wird im Netz verspottet.
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Die Wahlkampagne von Susanne Eisenmann wird im Netz verspottet.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Baden-Württembergs amtierende Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) fordert Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) heraus - ihre Wahlplakate sorgen jetzt für Spott.

Stuttgart - Die amtierende Kultusministerin von Baden-Württemberg, Susanne Eisenmann (CDU), polarisierte in den letzten Wochen mit ihrer vehementen Forderung, die Schulen so schnell wie möglich wieder zu öffnen. Einige Kritiker warfen ihr deshalb wiederholt vor, nicht ausreichend an das Wohl der Kinder in der Corona-Pandemie zu denken. Die SPD verhöhnte die Kultusministerin mit einer provokanten Karikatur. Nach einem Corona-Ausbruch in einer Kita in Freiburg sind die Pläne, Schulen und Kitas schnell wieder zu öffnen, zunächst auf Eis gelegt. Die Schulen und Kita in BW bleiben bis zum 21. Februar geschlossen.

In rund sechs Wochen wird in Baden-Württemberg der Landtag neu gewählt. Susanne Eisenmann ist die Spitzenkandidatin der CDU und fordert damit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) heraus. Die CDU befindet sich bereits mitten im Wahlkampf und hing Plakate auf - auch in der Landeshauptstadt Stuttgart. Die Wahlplakate trafen allerdings auf Kritik und Spott, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Baden-Württemberg: Wahlkampf der CDU - „Wollen wir nicht alle beschützt werden?“

Kultusministerin Susanne Eisenmann hatte die Wahlplakate am Freitag, dem 29. Januar, vorgestellt. Auf einem steht in Großbuchstaben: „CDU wählen, weil wir Verbrecher von heute mit der Ausrüstung von morgen jagen.“ In den sozialen Netzwerken machten sich User über die Aussage lustig. „Wir Verbrecher von heute“, machten nach Angaben der dpa Nutzer auf Twitter aus dem Wahlslogan. Die Begründung sei gewesen, dass Autofahrer beim Vorbeifahren oftmals nur die erste Zeile eines Plakates lesen könnten.

Ein zweites Plakat führte allerdings zu noch mehr Spott. Darauf abgebildet ist ein Bild der Kultusministerin mit dem Satz: „Wollen wir nicht alle beschützt werden?“

Der Kommunikationsexperte Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim habe der CDU im Vorfeld empfohlen, die Plakate wegen „handwerklicher Fehler“ lieber nicht aufzuhängen, wie die dpa berichtet. Vor allem in den sozialen Medien traf der Wahlslogan auf massive Kritik. Ein Twitter-User tauschte das Bild von Ministerin Eisenmann durch einen Mafia-Paten aus, der Schutzgeld von Geschäftsleuten erpresst. Auch der ehemalige Oberbürgermeister von Stuttgart, Fritz Kuhn (Grüne), meldete sich auf Twitter zu Wort und fragte: „Liebe Frau Eisenmann, hat Eure Werbekampagne etwas gekostet?“ Ein weiterer Nutzer machte sich über den Wahlspruch und das Bild lustig. „Fahre gerade die B117 runter und sehe dieses Wahlplakat“, schrieb er „Respekt! Davor möchte ich auch beschützt werden!“. Ein anderer Twitter-Nutzer urteilt: „Schlimmer geht es nimmer, und doofer auch nicht nicht mehr!“ Ein weiterer Twitter-User kommentiert das Plakat schlicht so: „Der blanke Hohn!“

Baden-Württemberg im Wahlkampf: Eisenmann verteidigt Wahlplakate - Kritik von FDP

Die Kritik an den Wahlplakaten der CDU richteten sich auch gegen das vermeintliche Umdenken der Kultusministerin. „Es passt halt nicht zusammen, erst verbissen Schulöffnungen zu fordern und damit der Kanzlerin von der Fahne zu gehen“, sagte FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke. „Um dann urplötzlich im Wahlkampf zu entdecken, dass man mit safety first und Merkels Sicherheitsdenken die Wahl gewinnen will.“ Ihm zufolge muss sich die Ministerin nicht über den Spott wundern. Bereits bei der letzten großen Wahl in Stuttgart hatte der CDU-Kandidat im Wahlprogramm auf Sicherheit gesetzt. OB Kandidat Nopper wollte Stuttgart ein neues Image verpassen. Frank Nopper (CDU) gewann die Bürgermeisterwahl in Stuttgart letztendlich auch, konnte sein Amt jedoch bislang nicht antreten.

Die CDU setzt nun also auch bei der anstehenden Landtagswahl auf den Werbeslogan der Sicherheit. „Die innere Sicherheit ist eine Kernkompetenz der CDU und treibt viele Menschen um. Denn nur wer sich sicher fühlt, kann sich auch wohlfühlen“, sagte Susanne Eisenmann laut der dpa. Die CDU in Baden-Württemberg will nach eigenen Angaben etwa 1.500 Großflächenplakate in drei Wellen mit jeweils sechs Motiven aufstellen. Die Kultusministerin steht nach wie vor hinter den gewählten Motiven und Sprüchen. „Ich freue mich, dass über mehrere unserer vorgestellten Plakatmotive gesprochen und auch intensiv diskutiert wird. Das ist Sinn einer Kampagne“, sagte Eisenmann am Sonntag in Stuttgart. „Dass eine Botschaft auf Plakaten im Netz bewusst missverstanden wird, sehen wir gelassen.“

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