Umland immer beliebter

In Baden-Württembergs Großstädten zeigt sich eine völlig andere Entwicklung als im Rest Deutschlands

  • Valentin Betz
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Wer in Baden-Württembergs Großstädten lebt, zahlt viel Geld für Miete. Viele haben davon offenbar die Nase voll - und ziehen aufs Land.

Stuttgart - Großstädte in Baden-Württemberg versprechen Jobs und ein umfangreiches Freizeitangebot. Doch der Preis dafür ist hoch. Die Wohnungen und Immobilien in Stuttgart spielen inzwischen in einer eigenen Liga. Das Coronavirus hatte die Lage zuletzt etwas entschärft. Die Preise fürs Wohnen in Baden-Württemberg sanken in einigen Städten sogar.

Für die Landeshauptstadt Stuttgart scheint das allerdings nicht zu gelten. Eine Karte zeigte für Stuttgart sogar einen verheerenden Trend. Denn die teuren Preise scheinen auch auf das Umland abzufärben. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum in Stuttgart die meisten Einkommensmillionäre wohnen.

Trotz der Preisentwicklung im städtischen Umland hat das Statistische Landesamt nun festgestellt, dass besonders die Einwohner der Großstädte in Baden-Württemberg offenbar genug von den teuren Mieten haben. Mit einer Ausnahme haben alle Städte im ersten Halbjahr Einwohner verloren.

Großstädte in Baden-Württemberg entwickeln sich entgegen dem Trend in Deutschland

Wie das Statistische Landesamt berichtet, sank die Einwohnerzahl aller Stadtkreise in Baden-Württemberg im 1. Halbjahr 2020. Einzige Ausnahme ist Baden-Baden. Am stärksten sind davon Karlsruhe, Heidelberg, Mannheim, Freiburg und auch Stuttgart betroffen. Alle verloren mehr als 1.000 Einwohner. In Stuttgart gab es in den letzten Jahren sogar eine regelrechte Auswanderungsbewegung.

Damit entwickeln sich die Großstädte in Baden-Württemberg anders als im Rest von Deutschland. Dort verzeichneten die Großstädte besonders hohe Zuwächse, zum Beispiel Leipzig mit 12,9 Prozent und Berlin mit 8 Prozent mehr Einwohnern. Grund dafür sind vor allem die Zuzüge aus dem Ausland, aber auch die jüngere Bevölkerung.

Großstädte in Baden-Württemberg verlieren Einwohner. Immer mehr Menschen zieht es offenbar zurück aufs Land (Symbolbild).

„Junge Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren zieht es in die Metropolen. In den Jahren 2013 bis 2018 zogen im Saldo 1,2 Millionen Menschen in die kreisfreien Großstädte“, erklärte der Präsident des Statistischen Bundesamtes. Allerdings gibt es auch bundesweit Großstadtmuffel. „Bei den Menschen ab 40 Jahren sieht die Entwicklung anders aus: Unter dem Strich zogen im Saldo 120 000 Menschen dieser Altersgruppe aus den Großstädten weg.“

Einwohnerschwund in Baden-Württembergs Großstädten: Zwei Faktoren maßgeblich verantwortlich

Für die Großstadtflucht in Baden-Württemberg hat das Statistische Landesamt zwei wesentliche Gründe identifiziert. Zum einen sind die Wohnungskosten in den Städten zu hoch, zum anderen herrscht eine chronische Wohnungsknappheit - was sich zusätzlich auf die Preise auswirkt. In Mannheim kann man inzwischen sogar eine Wohnung im Wasserturm mieten.

Allerdings gibt es in diesem Jahr auch einen dritten Faktor, der sich auf die Bevölkerungsentwicklung ausgewirkt hat. Durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Beschränkungen sank auch die Freizügigkeit und die Möglichkeiten in Großstädten. Für viele offenbar Grund genug, der Stadt wieder den Rücken zu kehren.

Im Übrigen trifft das auch auf die Ballungsräume zu. Auch sie verloren 8.900 Einwohner, während der ländliche Raum 6.500 Personen begrüßen durfte. Bis 2017 hatten sich die Ballungsräume in Baden-Württemberg deutlich dynamischer entwickelt, als der ländliche Raum.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Patrick Seeger/dpa

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