Grundversorger muss einspringen

Gasanbieter kündigt tausenden Kunden mitten in der Heizperiode die Lieferung

Ein Heizkörper und ein Thermostat neben der Kündigung eines Gasanbieters
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Zum 2. Dezember, mitten in der Heizperiode, kündigte ein Energieversorger vielen Kunden in Baden-Württemberg die Gaslieferung.
  • Julian Baumann
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Aufgrund der hohen Preise kündigt ein Gasanbieter vielen Kunden mitten in der Heizperiode die Lieferung. Auch in Baden-Württemberg ist eine vierstellige Kundenzahl betroffen.

Stuttgart - Das Wetter in Deutschland ist inzwischen zumindest temperaturtechnisch richtig winterlich. Die Temperaturen sind niedrig und die Tage kurz. Deshalb müssen die Menschen in ganz Deutschland ihre Wohnungen und Häuser beheizen und auch die Beleuchtung muss bereits am Nachmittag eingeschalten werden. Durch mehrere Faktoren, nicht zuletzt auch durch die anhaltende Corona-Pandemie, sind die Rohstoffpreise in der Bundesrepublik in den vergangenen Monaten exponentiell gestiegen. Aufgrund des Benzin-Dramas in Baden-Württemberg ging ersten Tankstellen der Sprit aus und auch Stromanbieter in Baden-Württemberg kündigten aufgrund der Preisexplosion ihren Kunden - ohne Vorwarnung.

Neben Strom und Benzin ist auch der Gaspreis extrem angestiegen. So stark, dass vor allem Billiganbieter ihre Preise nicht mehr aufrechterhalten können und den Kunden kündigen müssen. Mitten in der aktuellen Heizperiode kündigte der Gasanbieter gas.de beziehungsweise Grünstrom Energie vielen Kunden die Lieferung. Auch in Baden-Württemberg sind tausende Haushalte von einer solchen Kündigung betroffen, wie ein Sprecher des Grundversorgers EnBW mit Hauptsitz in Karlsruhe auf Anfrage von BW24 sagte. Frieren müssen die Menschen bei den aktuellen Temperaturen dennoch nicht.

Baden-Württemberg: Gaskunden erhalten in Heizungsperiode Kündigung eines Anbieters

Gerade bei den aktuellen Temperaturen war es für viele Kunden von gas.de/Grünwelt Energie sicherlich ein Schock, als sie ein Schreiben erhielten, in dem erklärt wurde, dass der Anbieter die Gaslieferung zum 2. Dezember eingestellt habe. Betroffen sind laut Angaben des Südwestrundfunks (SWR) allein in Rheinland-Pfalz rund 4.500 Haushalte, auch in den Flutgebieten der Katastrophe vom Juli. Doch auch in Baden-Württemberg erhielten tausende Kunden der gas.de Versorgungsgesellschaft mbH mit Sitz im nordrhein-westfälischen Neuss ein solches Schreiben.

„Leider machen es uns die fortlaufenden Entwicklungen auf den Rohstoffmärkten unmöglich, Ihre Versorgung mit Gas fortzusetzen“, heißt es in dem Schreiben von gas.de, das BW24 vorliegt. „Wir sehen uns daher leider gezwungen, die Lieferung mit Gas kurzfristig einzustellen.“ Gegen die Kündigung können Gaskunden nichts unternehmen, da in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Unternehmens eine monatliche Kündigungsfrist angegeben ist, wie der SWR berichtet. Der Gaslieferant ist aber nicht insolvent, sondern kann die vereinbarten, niedrigen Preise aufgrund der stark gestiegenen Gaspreise auf dem Markt nicht mehr aufrechterhalten.

EnBW übernimmt Grundversorgung in Baden-Württemberg

Die Gaskunden, die ein solches Schreiben von gas.de erhalten haben, müssen im aktuellen Winter jedoch nicht frieren. In Deutschland ist eine Versorgung mit Gas gesetzlich geregelt; in solchen Fällen übernimmt automatisch der Grundversorger, was für die Verbraucher jedoch deutlich höhere Kosten bedeutet. In Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart übernimmt die EnBW die Grundversorgung. „Wie viele Haushalte genau betroffen sind, kann ich Ihnen nicht sagen“, erklärt ein Sprecher der EnBW auf Anfrage von BW24. „Aber die Zahl der Kunden in Baden-Württemberg, die von gas.de zurück in die Grundversorgung mussten, liegt im vierstelligen Bereich.“

Demnach ist trotz der Kündigung durch gas.de eine lückenlose Gaslieferung für die betroffenen Haushalte in Baden-Württemberg und dem restlichen Einzugsgebiet der EnBW gewährleistet. „Niemand steht im Winter plötzlich ohne Gas da“, macht der EnBW-Sprecher deutlich. Die Kunden müssen dem Grundversorger nun den aktuellen Zählerstand mitteilen und auch eventuelle Daueraufträge oder Einzugsermächtigungen für gas.de kündigen. Im Gegenzug sollte dem Grundversorger, in Baden-Württemberg also der EnBW, eine Einzugsermächtigung für die Kostenabrechnung ausgestellt werden.

Gasversorgung in Baden-Württemberg: „Marktlage ist sehr unstetig“

Im Gegensatz zu den niedrigen Preisen von Anbietern wie gas.de, müssen die Kunden beim Grundversorger deutlich tiefer in die Taschen greifen. Im Gegenzug haben große Anbieter wie die EnBW aber auch eine langfristige Beschaffungsstrategie, die eine lückenlose Lieferung auch bei den extrem hohen Preisen gewährleistet, erklärt der Sprecher gegenüber BW24. „Natürlich haben die Kunden die Möglichkeit, bei den einschlägigen Vergleichsportalen nach günstigen Anbietern zu suchen“, so der Sprecher. „Die Marktlage ist aber sehr unstetig, deshalb ist es schwer zu sagen, was für den einzelnen Kunden der beste Weg ist.“

Die sogenannte Notversorgung greift im Falle einer Kündigung des bisherigen Gaslieferanten automatisch und wird vom größten Anbieter der jeweiligen Region, dem Grundversorger, übernommen. Diese Ersatzversorgung hat laut der Bundesnetzagentur eine Laufzeit von maximal drei Monaten, in dieser Zeit können Kunden jederzeit einen neuen Anbieter mit der Gaslieferung beauftragen. Obwohl die Preise bei den Grundversorgern deutlich höher sind, empfehlen Verbraucherschützer derzeit nicht unbedingt nach dem billigsten Anbieter zu suchen, da diese langfristig keine stabilen Preise gewährleisten können, schreibt der SWR.

Ob auch andere Billigversorger aufgrund der explodierenden Gaspreise die Versorgung ihrer Kunden eingestellt haben, konnte die EnBW auf Anfrage von BW24 nicht sagen. „Wir können weder für die Branche, noch für andere Anbieter sprechen“, so der Sprecher. Laut dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) kündigt ein Anbieter in Niedersachsen derzeit ebenfalls tausenden Privatkunden die Gasversorgung.

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