Nachteil für den Westen?

„Akute Gefahr“: Baden-Württemberg fordert EU wegen E-Auto zum Handeln auf

Ein Mercedes EQS, die erste vollelektrische Limousine der Daimler AG.
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Die Daimler AG stellte mit dem EQS die erste vollelektrische Limousine des Stuttgarter Konzerns vor.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Die Autoindustrie befindet sich im Wandel. Auch die Daimler AG setzt stark auf das E-Auto. Baden-Württemberg fordert die EU deshalb zum Handeln auf.

Stuttgart - In der deutschen und europäischen Autoindustrie ist ein deutlicher Wandel zu bemerken. Das stellt auch wirtschaftlich starke Regionen in Baden-Württemberg und Bayern vor große Herausforderungen. Die Wirtschaftsminister der süddeutschen Bundesländer fordern nun von der EU Hilfen, um die Transformation zum E-Auto besser abfedern zu können, berichtet das Nachrichtenmagazin Welt. Dabei gibt es jedoch auch Widerstand.

Mit der Daimler AG hat einer der größten und wichtigsten Autobauer der Welt seinen Hauptsitz in Baden-Württemberg. Der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart hat vor einigen Monaten mit dem EQS die E-Auto-Hoffnung des schwäbischen Autobauers vorgestellt. Die Transformation hat jedoch auch bei Daimler deutliche Folgen für die Mitarbeiter. Die EU fordert bereits ein Verbrenner-Aus bis zum Jahr 2030, Daimler-Chef Ola Källenius bereitet das Unternehmen auf den Extremfall vor.

Die Daimler AG ist jedoch auch Hauptabnehmer für mehrere Automobilzulieferer im Land, die ebenfalls von der Transformation betroffen sind. Baden-Württemberg befürchtet, dass gerade kleinere Unternehmen im Automobilsegment den technischen Anschluss verlieren und fordert deshalb eine Abänderung der EU-Beihilferegelungen, berichtet Welt.

Baden-Württemberg: Auch Unternehmen in strukturstarken Regionen sollen Hilfe bekommen

Die Daimler AG hatte im vergangenen Jahr gleich mit mehreren Problemen zu kämpfen. Neben der Corona-Krise und den Altlasten forderte auch die Transformation zahlreiche Arbeitsplätze. Der Stuttgarter Konzern rüstet die Standorte derzeit von der Produktion von Verbrenner-Modellen auf E-Autos um. Dadurch entfallen viele Tätigkeiten, die für die Herstellung elektrischer Fahrzeuge nicht mehr benötigt werden. Ein internes Jobforum sollte Mitarbeiter auffangen, deren Tätigkeiten dadurch wegfallen und ihnen gemäß ihrer Qualifikationen neue Aufgaben zuteilen. Das Forum ließ Mitarbeiter jedoch verzweifeln, es sei „ein Albtraum aus dem man nicht mehr erwacht“.

Die Struktur-starken Regionen in Baden-Württemberg und Bayern sollen laut den Wirtschaftsministern der Länder ebenfalls Hilfen bekommen, um die Unternehmen nicht zu schwächen. „Aufgrund der Fördervorteile in sogenannten Low-cost-Ländern – innerhalb und außerhalb der EU – droht eine akute Gefahr, dass immer mehr Unternehmen Produktion und Innovationen in diese Länder verlagern“, sagte Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) der Welt am Sonntag. „Es ist daher aus meiner Sicht dringend erforderlich, dass die Standortnachteile, die derzeit Unternehmen aus Struktur-starken Regionen belasten, schnell und wirkungsvoll mit geeigneten Fördermaßnahmen ausgeglichen werden.“

Forderung aus Baden-Württemberg und Bayern - Widerspruch aus Brandenburg

Neben Baden-Württemberg fordert auch das Nachbarbundesland Bayern eine Abänderung der derzeitigen EU-Beihilferegelungen. In der bayrischen Landeshauptstadt München sitzt mit BMW einer der größten Autokonzerne der Welt. „Brüssel muss seine Beihilferegeln und Klimavorgaben so gestalten, dass Struktur-starke Regionen und Branchen nicht geschwächt werden“, sagte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) der Welt am Sonntag. „Das gilt insbesondere auch für die Automobilarbeitsplätze in Deutschland.“

Gegen die Forderung von Baden-Württemberg und Bayern nach Brüssel regt sich jedoch Widerstand aus Brandenburg. In dem eigentlich Struktur-schwächeren Bundesland errichtet beispielsweise der E-Auto-Pionier Tesla aktuell eine Gigafabrik. Die östlichen Bundesländer seien wirtschaftlich jedoch noch immer deutlich schwächer als der Westen, sagte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD).

„Ich kann nachvollziehen, dass man im Süden Deutschlands das Gefühl hat, womöglich zu den Verlierern des Strukturwandels in der Autoindustrie zu gehören“, so Steinbach weiter. Er halte jedoch nichts von einer Abänderung der EU-Beihilferegelungen. „Ein Teil der Autobauer hat sich dort zu lange darauf verlassen, am Verbrenner festhalten zu können.“

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