Folgen der Corona-Pandemie

Fatale Kettenreaktion: Krise der Autoindustrie zieht auch Immobilienbranche in die Tiefe

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
    schließen

Die Corona-Krise traf die Autoindustrie besonders hart. Die Zulieferer wurden dadurch bereits in Mitleidenschaft gezogen. Als nächstes könnte die Immobilienbranche folgen.

Stuttgart - Die Corona-Pandemie hat die Fahrzeugindustrie auf der ganzen Welt getroffen. Auch deutsche Konzerne wie die Daimler AG mussten aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg Verluste hinnehmen. Das Schlimmste könnte den Fahrzeugherstellern allerdings noch bevorstehen. Zuletzt warnten Fachleute 2021 vor einem großen Erwachen für Daimler, BMW &Co. Werkschließungen und Stellenabbau seien dann unausweichlich.

Doch die Krise der Autoindustrie lässt andere Branchen nicht einfach unberührt. Ganz besonders bekommen das die Auto-Zulieferer zu spüren, die ebenso wie die Fahrzeughersteller auch wegen des Strukturwandels hin zur Elektromobilität leiden. Jüngstes Beispiel war der Daimler-Zulieferer Mahle, der weltweit 7.600 Entlassungen ankündigte. Wie es scheint, setzt die Krise der Fahrzeughersteller aber eine weitaus größere Kettenreaktion in Gang, von der auch weniger verwandte Branchen betroffen sein könnten. Denn auch Vertreter der Immobilienbranche machen sich inzwischen Sorgen um die Zukunft.

Corona-Krise der Autoindustrie: Immobilienbranche könnte nächstes Jahr folgen

Wie die dpa berichtet, wurde das Geschäft von Immobilienunternehmen von der Corona-Krise bislang kaum negativ beeinflusst. Doch besonders die bevorstehenden Entlassungen in der Automobilindustrie geben Vertretern der Immobilienbranche offenbar zu denken. „Wenn die Automobilindustrie und deren Zulieferfirmen wie angekündigt Tausende Mitarbeiter entlassen und die Kurzarbeit sich für viele andere Beschäftigte bis ins nächste Jahr hinzieht, ist zu befürchten, dass weniger Wohnungen und Häuser gebaut und gekauft werden“, warnte der Geschäftsführer des Landesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Baden-Württemberg (BFW), Gerald Lipka, laut dpa.

Das nächste Opfer der Corona-Krise: Weil es der Autoindustrie schlecht geht, könnte auch die Immobilienbranche bald leiden. (Symbolbild)

Besonders die besorgniserregende Entwicklung wichtiger Unternehmen wie Daimler oder Bosch verheißt nach Ansicht von Gerald Lipka für den Immobilienmarkt in Stuttgart und Baden-Württemberg nichts Gutes. „Wenn nach den Branchen Einzelhandel, Hotellerie und Gastronomie nun auch das Rückgrat der baden-württembergischen Wirtschaft, die Automobilindustrie, schwächelt, wird die Immobilienwirtschaft auf Dauer nicht immun bleiben“, so Gerald Lipka zur dpa.

Drohende Krise der Immobilienbranche: Landesverband sieht auch Kommunen in der Verantwortung

Die Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg und die damit zusammenhängende Krise der Wirtschaft ist laut Gerald Lipka allerdings nicht alleine für mögliche Schwierigkeiten der Immobilienbranche verantwortlich. Der Geschäftsführer des BFW stellt vor allem Forderungen an die Kommunen. Sie sollen mehr Baugrundstücke für Bauträger und Projektentwickler bereitstellen und besonders die Baupreise dämpfen. „Die Kommunen tragen mit immer mehr Auflagen zur Kostensteigerung bei, die letztlich der Mieter oder Eigentümer zahlt.“

Laut dpa sind die bundesweit im BFW organisierten Unternehmen für mehr als 50 Prozent der neuen Wohnungen in Deutschland und 30 Prozent der Gewerbeimmobilien verantwortlich. Aktuell macht sich die Corona-Pandemie noch kaum bemerkbar. In Baden-Württemberg haben sich Preise für Immobilien und Mieten seit Corona sehr unterschiedlich entwickelt. Im ersten Halbjahr war die Zahl der erteilten Baugenehmigungen im Südwesten im Vorjahresvergleich sogar um 8 Prozent auf 20.479 Wohneinheiten gestiegen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Marijan Murat/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare