Lieferengpässe im Südwesten

Benzin-Drama in Baden-Württemberg: Geht Tankstellen der Sprit aus?

ADAC: Dieselpreis an deutschen Tankstellen auf Rekordhoch
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Die Benzinpreise in Deutschland bringen Autofahrer dazu, in Nachbarländern wie Luxemburg zu tanken. Vielerorts ist der Sprit inzwischen sogar ausverkauft.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Zuerst sind die Benzinpreise in Baden-Württemberg explodiert. Nun geht das Sprit-Drama in die nächste Runde: Erste Tankstellen klagen über Lieferengpässe und Ausverkauf.

Stuttgart - In Baden-Württemberg ist die Fahrt zur nächsten Tankstelle aktuell mit großen Sorgen verbunden. Wer seinen Verbrenner an die Zapfsäule fährt, braucht jetzt starke Nerven und einen gut gefüllten Geldbeutel. An deutschen Grenzen führt der explodierende Benzinpreis schon zu Tanktourismus in die Nachbarländer.

Dabei muss sich jeder glücklich schätzen, der sein Fahrzeug überhaupt volltanken kann. Wie der SWR berichtet, ist zuletzt Tankstellen in mehreren Regionen Baden-Württembergs der Sprit komplett ausgegangen. Die Gründe dafür sind offenbar vielschichtig.

Leere Tankstellen in Baden-Württemberg: Gleich mehrere Regionen betroffen

Dem SWR wurde demnach von zahlreichen Nutzern von Tankstellen ohne verfügbaren Sprit berichtet. Hinweise darauf kamen unter anderem aus Stuttgart, Freiburg, Böblingen, Nürtingen und Metzingen. Der Schwarzwälder Bote hatte eine ähnliche Situation in Deißlingen und Villingen-Schwenningen geschildert. In Kirchheim unter Teck meldete ein Tankstellenpächter dem SWR, Diesel, Super und Autogas seien ausverkauft gewesen.

Gänzlich ohne Sprit waren viele Tankstellen aber wohl nicht. Mitunter könnte auch nur an einzelnen Zapfsäulen der Kraftstoff ausgegangen sein. Hauptlieferant für die Tankstellen in Baden-Württemberg ist die Mineralölraffinerie Oberrhein (MiRO) in Karlsruhe. Deren Schilderungen widersprechen allerdings den Hinweisen von Tanklastfahrern, die der SWR erhalten hat.

Sprit-Drama an Tankstellen: Raffinerie und Tanklastfahrer widersprechen sich

Denn die MiRO erklärte gegenüber dem SWR, der Umfang von Tanklastzügen sei in der vergangenen Woche normal gewesen. 1.200 bis 1.300 Tanklastzüge verlassen die Raffinerie täglich. Lediglich Wartezeiten aufgrund des langen Wochenendes und der Herbstferien räumte das Unternehmen ein.

Seitens der Tanklastfahrer klingt die Lage allerdings anders. Auch sie klagten gegenüber dem SWR über Wartezeiten, die seit Wochen bestünden. Diese würden angeblich durch mehrere Anlagen verursacht, die nicht in Betrieb seien. Eine Sprecherin der MiRO dementierte hingegen, dass es defekte Anlagen gebe. Zu einer zusätzlichen Verschärfung der Situation an den Tankstellen trug mit Sicherheit auch ein Schiffstransporter bei, der im Rhein bei Karlsruhe stecken blieb. Der hatte nicht nur Benzin geladen, sondern blockierte auch den übrigen Schiffsverkehr auf dem Fluss.

Auch der Mineralölwirtschaftsverband führt die Lieferengpässe für Benzin in Baden-Württemberg auf die Schifffahrt zurück, die durch den ebenfalls niedrigen Wasserpegel beeinträchtigt ist. Der Verband empfiehlt deshalb, nicht erst zu tanken, wenn die Reserve schon fast leer ist. Dass der Sprit an einer Tankstelle tatsächlich komplett ausverkauft ist, sei aber trotz der aktuellen Probleme die absolute Ausnahme.

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