Antisemiten-Liste des Wiesenthal-Zentrums

Schwere Anschuldigungen: Ausgerechnet Antisemitismus-Beauftragter soll Judenhass verbreiten

Michael Blume, der Antisemitismusbeauftragter der baden-württembergischen Landesregierung, aufgenommen bei einem Gespräch mit Journalisten der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
+
Baden-Württembergs Antisemitismus-Beauftragtem Michael Blume wird Judenfeindlichkeit vorgeworfen.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
    schließen

Schwere Anschuldigungen gegen Michael Blume: Der Antisemitismus-Beauftragte Baden-Württembergs soll judenfeindliche Beitrage weiterverbreitet haben.

Stuttgart - Antisemitismus war leider auch in diesem Jahr wieder ein großes Thema, auch in Baden-Württemberg. Gegner der Corona-Maßnahmen verglichen den Lockdown auf mehreren Veranstaltungen im Land mit der Lage der jüdischen Bevölkerung im Dritten Reich. Wegen Antisemitismus ließ Baden-Württemberg auch Schulbücher überprüfen. Nach einem tödlichen Angriff auf einen Tankstellenmitarbeiter in Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) meldete sich auch Michael Blume (CDU) zu Wort. Baden-Württembergs Antisemitismus-Beauftragter wertete die Tat von Idar-Oberstein als „Terroranschlag“.

Ausgerechnet dieser Antisemitismus-Beauftrage der baden-württembergischen Landesregierung steht nun auf der „Antisemiten“-Liste des Wiesenthal-Zentrums mit Sitz in Los Angeles. Obwohl der Religions- und Politikwissenschaftler der Beauftragte der Regierung gegen Antisemitismus ist, wird ihm von der jüdischen US-Organisation anti-jüdisches und anti-israelisches Verhalten vorgeworfen, berichtet der Südwestrundfunk (SWR). Michael Blume selbst bestritt die Vorwürfe auf seinem Twitter-Account und schrieb, sie würden „nicht einmal einer oberflächlichen Überprüfung“ standhalten.

Baden-Württembergs Antisemitismus-Beauftragter soll anti-jüdische Twitter-Beiträge weiterverbreitet haben

Das Simon Wiesenthal Center (SWC) in Los Angeles führt in seiner am Dienstag (28. Dezember) veröffentlichten Liste der schlimmsten Antisemiten des Jahres keine einzelnen Personen, sondern ganze Länder und Organisationen auf. Deutschland ist aufgrund der Vorwürfe gegenüber Baden-Württembergs Antisemitismus-Beauftragten Michael Blume in den Top 10 der Liste gelandet. In der Begründung für eine Platzierung in der Liste hieß es, Blume habe seit 2019 anti-jüdische, anti-israelische und konspirative Twitter-Accounts gelikt und Beiträge weiterverbreitet, schreibt der SWR. Zudem soll er auch einen Facebook-Beitrag gelikt haben, in dem Zionisten (nationalistische Bewegung und Ideologie, die auf einen jüdischen Nationalstaat in Palästina abzielt) mit Nazis verglichen wurden.

Um welche Twitter- und Facebook-Posts es sich konkret gehandelt habe, teilte die Organisation am Dienstag nicht mit. Laut der Stuttgarter Zeitung wurde jedoch auch kritisiert, dass sich Michael Blume für eine Fortführung der Städtepartnerschaft zwischen Freiburg und der iranischen Stadt Isfahan ausgesprochen habe. Der Iran landete auf der Liste des Wiesenthal-Zentrums auf dem ersten Platz. Michael Blume selbst wies die Anschuldigungen auf seinem Twitter-Account zurück und verwies auf die angesprochenen Facebook-Posts, da er seinen Account bereits im Jahr 2019 deaktiviert habe.

„Brückenbauer zwischen Baden-Württemberg und Israel“: Blume erhält Unterstützung der jüdischen Gemeinde

Nach der Veröffentlichung der Liste des Wiesenthal-Zentrums erhielt Michael Blume Unterstützung der jüdischen Gemeinden in Baden-Württemberg. „Herr Blume leistet sehr gute Arbeit. Das ist eine enorme Rufschädigung“, zeigte sich Barbara Traub, die Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg, laut der Stuttgarter Zeitung entsetzt. Das Wiesenthal-Zentrum habe sich kein einziges Mal an die Gemeinschaft gewandt, dabei könne man die Arbeit Blumes im eigenen Land deutlich besser beurteilen. „Einen Brückenbauer zwischen Baden-Württemberg und Israel auf eine gemeinsame Liste mit Feinden Israels zu setzen, ist ungeheuerlich“, hieß es zudem in einer Stellungnahme der Religionsgemeinschaft.

Die AfD sprach sich dagegen für eine sofortige Kündigung Michael Blumes als Antisemitismus-Beauftragten Baden-Württembergs aus. „Der Kampf gegen Antisemitismus muss sich nach den Erfahrungen von Juden richten. Nicht nach ideologischen Konzepten linker Funktionäre in Deutschland“, sagte der Waiblinger AfD-Bundestagsabgeordnete Jürgen Braun. „Statt linken, islamischen und antiisraelischen Antisemitismus zu bekämpfen, hat Blume diesen sogar noch befeuert.“ Michael Blume ist laut der Stuttgarter Zeitung seit langem im Kreuzfeuer eines Journalisten der „Jerusalem Post“, der nicht nur zum Wiesenthal-Zentrum, sondern auch zu rechten Kreisen in Deutschland enge Kontakte hält.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare