Laut NABU

Baden-Württemberg: 30 Millionen Euro jährlich für Artenschutz am Windrad

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Um die Vögel zu schützen, müssen viele Windparks Auflagen erfüllen. Laut NABU kosten die Artenhilfsprogramme jährlich rund 30 Millionen Euro.

Schätzungen des Naturschutzbundes Deutschland zufolge kostet es jährlich 30 Millionen Euro, um Tiere vor Windkrafträdern zu schützen.

Stuttgart (dpa/lsw) - Um den deutlichen Ausbau der Windkraft und den Artenschutz in Einklang zu bringen, muss das Land nach Berechnungen von Umweltschützern tiefer in die Tasche greifen als bislang gedacht. Es koste Jahr für Jahr rund 30 Millionen Euro, um Artenhilfsprogramme für windenergiesensible Vögel und Fledermäuse umzusetzen, schätzte der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Deutschland, Johannes Enssle, am Montag in Stuttgart. Jeder zweite Euro sollte nach seinen Vorstellungen aus Bundesmitteln stammen, die andere Hälfte aus dem Landeshaushalt.

Die Windkraft könne nur ausgebaut werden, wenn auch seltene Tiere und die Natur stärker geschützt würden. Die Kosten für Personal, Artenhilfsprogramme und ein Artenmonitoring - eine Art Bestandserfassung - hatten Nabu und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Anfang des Jahres noch auf 15 bis 20 Millionen Euro jährlich geschätzt.

Rotoren der Windräder werden zur Gefahr für Fledermäuse

Nach Nabu-Angaben gehören in Baden-Württemberg 18 der 23 heimischen Fledermausarten zu den sogenannten windenergiesensiblen Arten, deren Bestände größtenteils stark gefährdet sind. Fledermäuse besäßen zwar eine hochsensible Echoortung. Sie könnten aber die Rotoren kaum orten und kollidierten mit den Windrädern, sagte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz (AGF), Ingrid Kaipf, die mit dem Nabu am Montag ein «Schutzkonzept für Fledermäuse in Baden-Württemberg» vorgelegt hat.

Vom Freiburger Institut für angewandte Tierökologie (FrInaT) erarbeitet, basiert das Konzept auf Modellberechnungen und Artnachweisen. Karten zeigen, an welchen Standorten aus Sicht der Naturschützer mit einem besonders hohen Konfliktpotenzial zu rechnen ist. Erneut forderten AGF und Nabu auch, Sommer- und Winterquartiere etwa in Dachstühlen, Kirchtürmen und Brücken zu sichern. Außerdem müssten Windräder abgeschaltet werden, wenn Fledermäuse überdurchschnittlich aktiv seien.

Naturschützer kritisieren schon lange, dass Windräder nicht auf Kosten von Natur- und Artenschutz gebaut werden dürfen. Die grün-schwarze Landesregierung rund um Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) möchte jedoch bei der Windkraft aufholen. Ende letzten Jahres wurden Flächen für 90 weitere Windräder freigegeben.

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