Trend begünstigt Unerwartetes

Etwas Seltsames passiert mit den Geburten in Baden-Württemberg

Ein frisch geborenes Baby wird gewogen.
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Bei neugeborenen Kindern macht sich in Baden-Württemberg ein ungewöhnlicher Trend bemerkbar.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Seit Jahren steigt in Baden-Württemberg der Anteil der Frauen, die mit über 35 Jahren ein Kind bekommen - das hat jedoch ungeahnte Folgen.

Stuttgart - 2019 kamen in Baden-Württemberg 109.342 Kinder zur Welt - das teilte das Statistische Landesamt in Stuttgart in einem Bericht mit. Erst jüngst gab die Behörde ein erstaunliches Detail über die Bevölkerung im Südwesten bekannt, das ebenfalls etwas mit der Geburtenrate zu tun hat.

Und auch anhand der Zahl der Kinder, die im vergangenen Jahr geboren wurden, zeigt sich eine interessante Entwicklung. Denn: 1.989 der 107.353 Frauen, die 2019 Mutter wurden, brachten Zwillinge zur Welt. Das ist die zweithöchste Zahl seit der Gründung von Baden-Württemberg 1952 - nur 2016 erblickten sechs Zwillingspaare mehr das Licht der Welt im Südwesten.

Baden-Württemberg: Starker Anstieg von Zwillingsgeburten in den vergangenen Jahren

Diese Zahlen sind insofern bemerkenswert, als dass sich in den vergangenen Jahren ein eindeutiger Trend zu vermehrten Zwillingsgeburten in Baden-Württemberg erkennen lässt. Seit 1980 hat sich ihr Anteil mit 1,9 Prozent aller Geburten „annähernd verdoppelt“, wie es in dem Bericht des Statistischen Landesamts in Stuttgart heißt.

Das bedeutet: Jede 54ste Frau, die 2019 im Südwesten Mutter geworden ist, konnte sich gleich über doppeltes Kinderglück freuen (oder ärgern). Für den stetigen Anstieg der Zwillingsgeburten in den vergangenen 40 Jahren nennt das Statistische Landesamt zwei Gründe. Erstens: Die Chance auf Mehrlinge steigt mit dem Alter der werdenden Mütter.

Es ist bereits bekannt, dass Frauen ab 35 Jahren überdurchschnittlich oft Mehrlinge zur Welt bringen. Studien zeigen, dass dafür das Hormon FSH verantwortlich ist, das vom Körper ab einem bestimmten Alter vermehrt produziert wird. Dieses kann die Häufigkeit von multiplen Eisprüngen erhöhen - soll heißen: Es werden mehr als eine Eizelle aus dem Eierstock freigesetzt.

Trend in Baden-Württemberg: Alter der Frauen beeinflusst Chance, Zwillinge zu bekommen

Das bestätigt auch der Blick auf die Zwillingsgeburten in Baden-Württemberg: Ihre Zahl stieg ab einem Alter von 35 Jahren der werdenden Mütter auf 2,4 Prozent an - in dieser Altersklasse brachte also jede 42ste Frau Zwillinge zur Welt. Mit dem Trend zur späteren Mutterschaft, erhöhte sich in den vergangenen Jahren somit auch die Wahrscheinlichkeit von Mehrlingsgeburten. Während im Jahr 2000 noch 17 Prozent der Frauen, die ein Kind gebaren, älter als 35 Jahre waren, stieg der Wert bis 2019 auf 26 Prozent an.

Das Statistische Landesamt begründet die erhöhte Zahl von Zwillingsgeburten jedoch noch mit einem weiteren Faktor, und zwar mit der modernen Reproduktionsmedizin. Diese kommt vor allem bei Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch zum Einsatz. Um die Erfolgschancen bei einer In-vitro-Befruchtung (IVF) und der Intracytoplasmischen Spermieninjektion (ICSI) zu erhöhen, werden im Labor oft mehrere Eizellen befruchtet - was letztlich auch die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft steigert.

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