Rassistische Tonspur

Brisante YouTube-Aufnahme: Polizist äußert sich bei den Ausschreitungen in Stuttgart über Täter: „Kanaken“

Polizeieinheiten sammeln sich in Stuttgart, um gegen Randalierer vorzugehen, die in der Innenstadt Geschäfte zerstört und Polizisten angegriffen haben.
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Randalierer in Stuttgart: Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei haben gewalttätige Gruppen die Innenstadt verwüstet und Beamte verletzt.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Ausschreitungen in Stuttgart schockierten die Bevölkerung der Landeshauptstadt. Im Netz verbreitete sich eine rassistische Tonspur. Darauf ist vermutlich ein Polizist zu hören - die Polizei ermittelt in den eigenen Reihen.

  • Die Ausschreitungen in Stuttgart zeigten eine nie dagewesene Gewalt gegen die Polizei. Seitdem kursieren im Netz verschiedene Theorien zu den Tätern
  • Auf der Videoplattform Youtube war eine Tonspur abrufbar. Darauf hört man vermutlich einen Polizisten, der sich in rassistischer Weise zu den Krawallen in der Nacht auf Sonntag äußert
  • Die Staatsanwaltschaft nahm sich der Sache an, die Polizei ermittelt in den eigenen Reihen. Dem Beamten steht ein Gespräch mit Polizeipräsident Frank Lutz bevor

Stuttgart - Die Ausschreitungen in Stuttgart in der Nacht zum Sonntag schockierten ganz Deutschland. Noch nie gab es in der Landeshauptstadt eine derartige Gewalt gegen Polizeibeamte. Die Randalierer verletzten insgesamt 19 Polizisten. Neben den körperlichen Verletzungen ist auch eine psychische Folge bei den in der Krawall-Nacht im Einsatz gewesenen Beamten zu befürchten. Viele Polizisten seien verunsichert, erklärte Polizeipräsident Franz Lutz auf einer Pressekonferenz.

Dass die Ausschreitungen in Stuttgart bei einigen Polizisten Wut ausgelöst hat, ist nachvollziehbar. Eine Tonspur, die auf Youtube verbreitet wurde, sorgt jedoch wegen eines bestimmten Wortes für Aufregung. Zu hören ist, wie sich ein Mann in rassistischer Weise über die Täter der Krawalle äußert. Es handelt sich vermutlich um einen Polizisten. Der Landeschef der Polizeigewerkschaft berichtete jüngst, dass die Polizei in Stuttgart seit Wochen Probleme mit jungen Männern mit MIgrationshintergrund gehabt habe, die auf Gründflächen Drogen und Alkohol konsumierten und sich Polizeibeamten gegenüber „respektlos und aggressiv“ verhalten hätten.

Nach Ausschreitungen in Stuttgart: Tonspur mit rassistischen Äußerungen im Netz aufgetaucht

Die Tonspur, die sich nach den Ausschreitungen in Stuttgart auf der Plattform Youtube verbreitete, ist inzwischen nicht mehr abrufbar. In der Tonaufnahme gibt ein mutmaßlicher Polizist eine Art Lagebericht an Kollegen weiter, die zu dem Zeitpunkt nicht in der Landeshauptstadt waren. „Krawalle wie in Amerika“ nennt der Mann die Lage in der Innenstadt. Außerdem warnte er die Kollegen: „Bleibt bloß daheim, ich kann‘s euch sagen“. Zu hören ist, dass der Mann sehr schockiert über die Krawalle ist. „Es ist ein Wunder, dass es noch keine toten Kollegen gibt. Also das ist Krieg“.

Für Aufregung sorgte jedoch vor allem ein Wort. Der mutmaßliche Polizist nennt die Täter der Ausschreitungen in Stuttgart „Kanaken“. Das Wort bezeichnet ursprünglich die Ureinwohner der Südseeinseln, besonders Neukaledoniens, wird jedoch umgangssprachlich sehr abwertend für Angehörige einer anderen Ethnie verwendet. Die Polizei bestätigte die Echtheit der Tonaufnahme, die vermutlich per Whatsapp versendet wurde. „Es gibt keinen Grund, davon auszugehen, dass es nicht echt ist“, sagte Stefan Keilbach, der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Stuttgart den Stuttgarter Nachrichten.

Rassistische Tonspur: Polizist aus Stuttgart bereits identifiziert

Die Polizei konnte die Stimme des Beamten, der in rassistischer Weise über die Täter der Ausschreitungen in Stuttgart spricht, bereits identifizieren. Sie untersucht noch, ob durch die Äußerung ein Fehlverhalten des Polizisten vorliegt. „Unabhängig vom Ausgang der Überprüfung ist es ganz sicher nicht unser Stil und nicht in Ordnung, so über Menschen mit Migrationshintergrund zu sprechen“, sagte Keilbach den Stuttgarter Nachrichten.

Das Polizeipräsidium war bei der Pressekonferenz Sonntagnachmittag bemüht, die Krawalle nicht mit einem möglichen Migrationshintergrund der Täter in Verbindung zu bringen, sprach von einer „Party- und Eventszene“, in der die Ausschreitungen in Stuttgart ihren Anfang genommen hätten. Für diese verklausulierte Wortwahl wurden die Verantwortlichen unter anderem auf Twitter hart kritisiert.

Die Polizei Stuttgart hat ein Hinweistelefon eingerichtet. Sie sucht nach Zeugen der Ausschreitungen in Stuttgart in der Nacht zum Sonntag.

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