Erstes Gerichtsurteil

Polizei fasst 16-Jährigen nach Ausschreitungen in Stuttgart - und entdeckt zufällig seine widerwärtige Vorliebe

Fotomontage: Im Hintergrund ein beschädigtes Schaufenster eines Bekleidungsgeschäfts nach den schweren Ausschreitungen im Juni in Stuttgart, davor: Hände, die ein Mobiltelefon halten, dessen Bildschirm verpixelt ist.
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Nach der Krawallnacht in Stuttgart fand die Polizei auf dem Handy eines Verdächtigen kinderpornografisches Material.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Nach den Ausschreitungen in Stuttgart ermittelte die Polizei unter Hochdruck. Sie durchsuchte auch das Handy eines 16-Jährigen und machte dabei eine schreckliche Entdeckung.

Stuttgart - Genau vier Monate ist es nun her, als die Ereignisse rund um die Ausschreitungen in der sonst so friedlichen Landeshauptstadt von Baden-Württemberg national und auch international für Aufsehen sorgten. Mehrere hundert vor allem junge Männer waren in der Nacht vom 20. und 21. Juni durch die Innenstadt von Stuttgart gezogen. Dort plünderten und zerstörten sie Geschäfte von fassungslosen Ladenbesitzern und richteten Sachschäden in Millionenhöhe an.

Auch Polizisten wurden dabei verletzt, die nach der Krawall-Nacht rührende Botschaften der Bürger erhielten. Monate lang ermittelten die Beamten im Anschluss nach den Verantwortlichen der Ausschreitungen. Jetzt stehen die ersten mutmaßlichen Täter vor Gericht - die Verhandlung eines Jugendlichen aus Stuttgart fand am Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Urteil: ein Jahr Jugendstrafe auf Bewährung.

Ausschreitungen in Stuttgart: Tatverdächtiger hatte kinderpornografisches Material auf dem Handy

Zur Aufklärung der Ausschreitungen in Stuttgart betrieb die Polizei intensive Ermittlungsarbeiten und wertete unter anderem zahllose Fotos, Handy-Videos und Hinweise von Zeugen aus. Etwa hundert mutmaßlichen Tätern kamen die Beamten bis heute auf die Spur. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung wurde unter anderem ein 16-Jähriger Stuttgarter identifiziert und anschließend in Untersuchungshaft genommen.

Der Jugendliche wurde nun vom Jugendschöffegericht wegen Unterschlagung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verurteilt. Eine weitere Tat legte man ihm ebenfalls zur Last. Denn: Nach seiner Verhaftung hatten die Polizeibeamten das Mobiltelefon des Jugendlichen nach Beweisen für seine Beteiligung an der Krawallnacht in Stuttgart durchsucht - und dabei eine schreckliche Entdeckung gemacht. Auf dem Handy des 16-Jährigen befand sich kinderpornografisches Material, wofür er sich ebenfalls vor Gericht verantworten musste.

Stuttgart: 16-Jähriger wird nach Krawallnacht für Besitz von kinderpornografischem Material verurteilt

Bislang konnten 100 Tatverdächtige zur Krawallnacht in Stuttgart ermittelt werden. Von diesen befinden sich derzeit 18 in Untersuchungshaft, wie die Staatsanwaltschaft und die Polizei Stuttgart in einer gemeinsamen Mitteilung vergangenen Montag bekanntgaben.

94 Personen stehen unter Verdacht, sich unmittelbar an den Ausschreitungen in der Landeshauptstadt beteiligt zu haben. Weitere sechs mutmaßliche Täter sollen geplünderte Gegenstände bei sich gehabt oder zum Verkauf angeboten haben. Der ersten öffentlichen Prozess findet am 10. November vor dem Jugendschöffegericht statt - angeklagt ist ein junger Mann, der während der Ausschreitungen in Stuttgart die Heckscheibe eines Polizeiautos eingeschlagen haben soll.

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