Ausschreitungen in Stuttgart

Zerstört und geplündert: Ladenbesitzer in Stuttgart ist fassungslos - „Wir haben Angst“

  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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  • Lisa Schönhaar
    Lisa Schönhaar
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In der Nacht zum Sonntag kam es zu Ausschreitungen in Stuttgart, bei denen Polizisten angegriffen und Läden zerstört wurden.

  • Am vergangenen Wochenende kam es zu schweren Ausschreitungen in Stuttgart.
  • In der Nacht zum Sonntag zogen dutzende Gruppen durch die Innenstadt von Stuttgart, zerstörten Läden und Streifenwagen und griffen Polizisten an.
  • Bei einem Juwelier in Stuttgart wurde die Scheibe eingeschlagen und Ware gestohlen - der Filialleiter sagt, er habe Angst.

Stuttgart – Bei schwerwiegenden Ausschreitungen in Stuttgart in der Nacht zum Sonntag wurden zahlreiche Geschäfte zerstört und Polizeibeamte angegriffen. Hunderte Menschen zogen durch die Innenstadt der Landeshauptstadt Stuttgart und randalierten (BW24* berichtete). Die Polizei teilte mit, dass 40 Geschäfte beschädigt, neun Läden geplündert und mehrere Polizisten verletzt wurden.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann* zeigte sich entsetzt über die Ausschreitungen in Stuttgart und sprach von einem „brutalen Ausbruch von Gewalt“. Auch am heutigen Montag sind die Spuren dieses Gewaltexzesses in der Stuttgarter Innenstadt noch deutlich wahrnehmbar. Eingeschlagene Scheiben von Geschäften sind provisorisch mit Holzplatten überdeckt, die Polizei Stuttgart* ist in der Stadt nach wie vor präsent.

Ausschreitungen in Stuttgart: Die Glasscheibe eines Juweliers in der Innenstadt wurde bei den Krawallen zerstört und Ware wurde gestohlen.

Ausschreitungen in Stuttgart: Juwelier in der Innenstadt zerstört und geplündert, Filialleiter hat Angst

Von den Ausschreitungen im sonst so beschaulichen Stuttgart* ist auch ein Juweliergeschäft in der Marienstraße betroffen. Das Schaufenster des Juweliers wurde zerstört, in dem Geschäft wurde geplündert. „Wir haben Angst“, sagte der Filialleiter gegenüber BW24. „Wir müssen uns absichern und uns Gedanken machen.“ Während er spricht, arbeiten zwei Männer an der provisorischen Pressspanplatte, die das eingeschlagene Fenster verdeckt und die Auslage schützen soll. „Create, don‘t destroy“, hat jemand mit einem schwarzen Filzstift darauf geschrieben. Der Satz - übersetzt: „erschaffe, zerstöre nicht“ - wurde von Unbekannten in der ganzen Stadt auf Holzplatten angebracht, die zerstörte Scheiben ersetzen.

Für die Polizei scheint bislang festzustehen, dass die Ausschreitungen in Stuttgart nicht politisch motiviert waren. Polizeipräsident Frank Lutz sagte auf einer Pressekonferenz, die Täter hätten keinen politischen Hintergrund gehabt, auch nicht aus der linken Szene. Es seien junge Menschen aus der „Party- und Eventszene“ gewesen, die sich in den vergangenen Wochen immer wieder getroffen und sich in den sozialen Medien inszeniert hätten. Anders sieht das Rainer Wendt: Der Chef der Polizeigewerkschaft hat die Ausschreitungen in Stuttgart als Beginn eines neuen Linksterrorismus* bezeichnet.

Der Filialleiter des Juweliers in der Innenstadt ist fassungslos über die Ausschreitungen in Stuttgart. „Ich verstehe nicht, warum gerade unser Geschäft betroffen ist“, sagte er gegenüber BW24. Zudem fühle er sich noch immer unsicher und könne seine Artikel nicht draußen präsentieren. Trotz zerstörter Scheibe und geplünderter Ware hat das Geschäft am heutigen Montag nach den Krawallen in Stuttgart geöffnet - aufgrund der ohnehin wirtschaftlich angespannten Lage wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg*. „Es ist wegen Corona sowieso schon schwierig, und jetzt noch schwieriger“, sagt der Leiter des Juweliergeschäfts.

Ausschreitungen in Stuttgart: Aufarbeitung der Randale hat gerade erst begonnen

Die jüngsten Ausschreitungen in Stuttgart begannen mit einem Routine-Einsatz der Polizei. Gegen Mitternacht hatten Beamte einen 17-Jährigen wegen eines mutmaßlichen Drogendelikts kontrolliert. Daraufhin solidarisierten sich feiernde Menschen mit dem Jugendlichen und griffen die Polizisten an. Etwa 500 Menschen versammelten sich auf dem Schloßplatz und randalierten letztlich in der Innenstadt.

Bereits in den Wochen zuvor kam es zu Gewalt gegen Polizisten. Am Stuttgarter Hauptbahnhof etwa wurde ein 33-Jähriger Nigerianer ohne Fahrschein erwischt*. Als er anschließend von der Polizei kontrolliert wurde, verteidigte eine wütende Menschenmenge den Mann vor den Beamten.

Die Aufarbeitung der Ausschreitungen in Stuttgart vom Wochenende hat gerade erst begonnen. Innenminister Thomas Strobl sagte, eine 40-köpfige Ermittlungsgruppe im Polizeipräsidium solle die Vorfälle in Stuttgart nun aufklären. Außerdem kündigte er eine Sondersitzung des Innenausschusses im Landtag von Baden-Württemberg an, die am Mittwoch stattfinden soll.

Bereits jetzt wird in den sozialen Netzwerken jedoch Kritik laut: Bei der Aufarbeitung der Ausschreitungen in Stuttgart hat die Polizei und die Stadt einen Fehler gemacht* - statt offen und transparent zu kommunizieren, wurde die „Party- und Eventszene“ als Schuldiger benannt. Mutmaßlich, um eine politische Instrumentalisierung der Ausschreitungen in Stuttgart zu verhindern.

*BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Julian Baumann/BW24

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