Randale in Stuttgart

„Gewaltorgie“: Winfried Kretschmann macht Tätern der Ausschreitungen klare Ansage

  • Julian Baumann
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Die Ausschreitungen in Stuttgart von Sonntag Nacht hätte so wohl niemand in der ansonsten friedlichen Landeshauptstadt erwartet. Auch am Montag sind die Zerstörungen und Beschädigungen noch deutlich zu sehen. Winfried Kretschmann verurteilt das Verhalten der Randalierer mit klaren Worten.

  • Die Ausschreitungen in Stuttgart von Sonntag Nacht zeigen ein nie dagewesenes Gewalt- und Zerstörungspotential in der sonst friedlichen Landeshauptstadt.
  • Auch am Montag sind die Zerstörungen noch deutlich zu sehen. Viele Geschäfte räumen noch auf, andere haben komplett geschlossen.
  • Ministerpräsident Winfried Kretschmann war gegen Mittag persönlich mit Oberbürgermeister Fritz Kuhn vor Ort in der Königstraße. Er verurteilte das Geschehene mit klaren Worten.

Stuttgart - Die Ausschreitungen in Stuttgart von Sonntag Nacht zeigten eine in diesem Ausmaß nie dagewesene Zerstörungswut. Die Königstraße im Herzen der schwäbischen Landeshauptstadt ist deutlich von den Folgen der Gewalt-Nacht gezeichnet.

Auch am Montag Morgen sieht man noch Glasscherben, zersplitterte Scheiben und Mitarbeiter von Geschäften beim Aufräumen des entstandenen Chaos. Viele fragen sich, warum die Gewalt in der ansonsten so friedlichen Stadt Stuttgart derart eskalierte. So fühlen sich auch viele der Ladenbesitzer, die direkt von der Zerstörung betroffen sind. Ministerpräsident Winfried Kretschmann war am Montag gegen 13:00 Uhr persönlich in der Königstraße. „Wir werden so etwas nicht dulden“, sagte er den sich schnell versammelnden Pressevertretern und Schaulustigen.

Ausschreitungen in Stuttgart: Kretschmann, Kuhn und Seehofer besuchen den Ort des Geschehens.

Ausschreitung in Stuttgart: Kretschmann, Kuhn und Seehofer am Ort des Geschehens

Die Ausschreitungen in Stuttgart sorgten auch über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus für Aufsehen. Auch internationale Medien wie die BBC berichteten über die Gewalt-Nacht. Sie ordneten die Situation allerdings anders ein als die deutsche Polizei. Nach einer Pressekonferenz mit Polizeipräsident Frank Lutz, Vizepräsident Thomas Berger und Oberbürgermeister Fritz Kuhn besuchte auch der Ministerpräsident Winfried Kretschmann den Ort des Geschehens. Mit OB Kuhn, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und weiteren Politikern schritt Kretschmann durch die Königstraße, um sich selbst ein Bild zu machen. Eine große Zahl an Polizisten schirmte die Politiker vor Schaulustigen ab.

Ausschreitungen in Stuttgart waren „Gewaltorgie" ohne Anlass: Kretschmann mit einer klaren Ansage

In Bezug auf die Ausschreitungen in Stuttgart kündigte Kretschmann eine harte Antwort an. Am Ort des Geschehens in der Königstraße sprach der Ministerpräsident von einer „Gewaltorgie“, die ohne Anlass entstanden sei. Die soziale Demokratie müsse sich als wehrhaft erweisen.

Die Polizei und die Stadt Stuttgart sorgten mit ihrer Wortwahl in der Pressekonferenz am Sonntag für Irritation. Die „Event- und Partyszene“ stecke hinter den Ausschreitungen in Stuttgart, sagten Frank Lutz und OB Kuhn am Sonntag. Wie es von feiernden jungen Menschen zu solch einer Gewalt und Zerstörungswut kam, erklärt das jedoch nicht.

Am Montag in der Königstraße widersprach der Oberbürgermeister seinen Erläuterungen zu den Ausschreitungen in Stuttgart in der Pressekonferenz. Er fand deutlichere Worte bezüglich der Täter. „Kriminelle, die bereit sind, schwere Straftaten zu begehen“, nannte der OB die Verantwortlichen. Die Ausschreitungen gegen die Polizei seien bewusst inszeniert gewesen. Die Beschreibung der Täter als Teil der „Partyszene" halte er für unglücklich. Damit revidierte der OB seine eigenen Aussagen vom Vortag.

Ausschreitungen in Stuttgart: Die Bevölkerung ist fassungslos über die Randale und Gewalt in der Innenstadt

Ausschreitungen in Stuttgart: „Create don`t destroy“

Die Ausschreitungen in Stuttgart bezeichnete Polizeipräsident Lutz in der Pressekonferenz als einen „traurigen Tag für Stuttgart“ und eine „nie dagewesene Situation“. Das zeigte sich am Montag im Herzen der Stadt. Viele Passanten blieben vor den zerstörten Schaufenstern stehen. Manche zückten ihre Handys und machten Bilder, andere schüttelten nur fassungslos den Kopf. So kennen die Stuttgarter ihre Stadt nicht.

Die eingeschlagenen Fensterscheiben und Werbetafeln sind mit Holzplatten verdeckt. Auf vielen dieser Platten steht „Create don‘t destroy“ (Erschaffe, zerstöre nicht). Auf Anfrage von BW24 sagte eine Gruppe von Personen, die über einem betroffenen Geschäft arbeitet, dass diese Beschriftungen schon seit Sonntag Abend dort seien. Das Schriftbild sieht auf den Holzplatten nahezu identisch aus.

Nach den Ausschreitungen in Stuttgart von Sonntag Nacht halten die Aufräumarbeiten an. Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg ist die Wirtschaft in einer schwierigen Situation. „Die Lage ist wegen Corona sowieso schon schwierig und jetzt noch schwieriger“, sagte der Filialleiter eines Stuttgarter Juweliers auf Anfrage von BW24. Frank Lutz sagte am Sonntag in der Pressekonferenz, man werde alles tun, dass so etwas nicht mehr passiert und „Delikte im Ansatz verhindern“. Trotzdem haben viele Ladenbesitzer und Bewohner der Stadt Angst vor erneuten Ausschreitungen.

Nach den Ausschreitungen in Stuttgart diskutieren Stadt und Polizei über ein Alkoholverbot in Baden-Württemberg. Die Sicherheitspartnerschaft machte am Dienstag einen ersten Schritt, um die Innenstadt sicherer zu machen. Viele Kommunen und Gemeinden befürchten, das Verbot so nicht umsetzen zu können.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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