Amtsgericht verkündet Urteil

Stuttgarter Krawallnacht: Angeklagter überraschend hart bestraft -„Urteil wird zur Abschreckung beitragen“

Der Angeklagte (r) im ersten öffentlichen Prozess um die Stuttgarter Krawallnacht sitzt neben seinem Rechtsanwalt Marc Reschke in einem Saal des Amtsgerichts Stuttgart.
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Ausschreitungen in Stuttgart: Erster Angeklagter zu überraschend harter Strafe verurteilt.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Ausschreitungen in Stuttgart Ende Juni erschütterten ganz Deutschland. Rund fünf Monate später wurde nun ein Angeklagter im ersten öffentlichen Prozess vom Amtsgericht zu einer überraschend harten Strafe verurteilt.

Update vom 12. November, 12:00 Uhr: Nach den Urteilsverkündungen in den beiden ersten öffentlichen Prozessen zu den Ausschreitungen in Stuttgart sind die Lager geteilter Meinung. Der Anwalt des verurteilten 18-Jährigen (siehe Erstmeldung) bezeichnet das Urteil als „politisch“ und kündigte an, Berufung einlegen zu wollen, wie die Stuttgarter Nachrichten (StN) am Donnerstag berichteten. Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagte nach der Urteilsverkündung: „Der Rechtsstaat zeigt Zähne. Das möchte sich der Mob hinter die Ohren schreiben, dass Randale und Gewalt bei uns kein Spaß sind“, wie die StN weiter berichten.

Nach den Urteilen zu den Ausschreitungen in Stuttgart fordert die Polizeigewerkschaft sogar noch eine härtere Strafe. Man könne nicht nachvollziehen, dass die 18 und 19 Jahre alten Männer Jugendstrafen erhielten, sagte der Vorsitzende Jürgen Kirstein nach Angaben der StN. Auch in den sozialen Medien stieß die Urteilsverkündung auf gemischte Meinungen. „Wer über die Stränge schlägt, muss mit Strafen rechnen“, schrieb ein Nutzer auf Facebook. Ein anderer User forderte dagegen „noch zwei Jahre extra mit Entschädigung der Opfer“.

Erstmeldung: Stuttgart - Ende Juni eskalierte eine Kontrolle der Polizei Stuttgart am Eckensee in der Landeshauptstadt Stuttgart. Anschließend zogen Dutzende meist Jugendliche plündernd und randalierend durch die Innenstadt. In der Krawallnacht wurden mehrere Läden im Zentrum der Schwaben-Metropole zerstört und ausgeraubt.

Die Ausschreitungen im sonst so friedlichen Stuttgart erschütterten nicht nur die Bevölkerung in Baden-Württemberg, sondern in ganz Deutschland. Auch internationale Medien wie die BBC berichteten von der Randale. Rund fünf Monate später stand an diesem Dienstag zum ersten Mal ein Angeklagter öffentlich vor Gericht.

Vor dem Amtsgericht fand am Dienstag der erste öffentliche Prozess zu den Ausschreitungen in Stuttgart vom Juni statt. Ein 18-Jähriger aus Gaildorf (Kreis Schwäbisch Hall) wurde wegen seiner Teilnahme an dem nächtlichen Gewaltausbruch zu einer ungewöhnlich harten Strafe verurteilt, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Dienstag berichtete.

Ausschreitungen in Stuttgart: Angeklagter zu Gefängnisstrafe verurteilt

Laut Angaben der dpa habe der 18-jährige Deutsche im Vorfeld der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht eingeräumt, während der Ausschreitungen in Stuttgart die Heckscheibe eines Polizeiautos eingeschlagen und zwei Seitenscheiben zertrümmert zu haben. Das Amtsgericht in Stuttgart verurteilte ihn wegen schweren Landfriedensbruchs zu einer Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren, die der junge Mann im Gefängnis verbringen muss. Das Urteil liege deutlich über den Forderungen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung, die sich für eine Bewährungsstrafe ausgesprochen hatten, wie die dpa berichtet.

Nach dem ersten öffentlichen Prozess zu den Ausschreitungen in Stuttgart kündigte der Anwalt des Verurteilten umgehend an, in Berufung gehen zu wollen. „Das Urteil ist nicht akzeptabel, mein Mandant ist entsetzt“, sagte er nach Angaben der dpa. Die Tat sei zwar „eine große Dummheit“ gewesen, das Urteil halte er jedoch für zu hoch. Das Urteil müsse als Richtschnur für die kommenden Verfahren zu der Krawallnacht in der Landeshauptstadt gesehen werden.

Ausschreitungen in Stuttgart: Amtsgericht erwartet bis zu 100 Prozesse

Mit dem Urteil im ersten Prozess zu den Ausschreitungen in Stuttgart habe man keinesfalls ein Exempel statuieren wollen, betonte Gerichtssprecherin Monika Rudolph nach Angaben der dpa. Am Nachmittag fand am Amtsgericht ein weiterer Prozess statt. Ein 19-Jähriger aus Geislingen wurde ebenfalls wegen seiner Teilnahme an der Krawallnacht zu einer Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, wie die dpa am Dienstag Abend mitteilte.

Insgesamt erwartet das Gericht nach Informationen der dpa bis zu 100 Prozesse. Bislang nahm die Polizei Stuttgart und die Ermittlungsgruppe „Eckensee“ rund 100 Tatverdächtige fest, die in der Nacht im Juni bei den Krawallen beteiligt gewesen sein sollen. Auf einem Handyvideo war auch die Tat des nun verurteilten 18-Jährigen deutlich zu sehen.

Vor dem Amtsgericht Stuttgart sagte der 18-Jährige aus, er habe sich in der Juni-Nacht von der aufgeheizten Menge mitreißen lassen. „Ich habe das gar nicht durchdacht“, zitiert ihn die dpa. Erst Tage nach den Ausschreitungen in Stuttgart war der Auszubildende mitten in der Nacht in der Stuttgarter Innenstadt von einem Polizeibeamten in Zivil erkannt worden. Die Polizeigewerkschaft begrüßt das Urteil. „Dieses Urteil ist ein klares und deutliches Signal und wird zur Abschreckung beitragen“, sagte der Landesvorsitzende Ralf Kusterer der dpa. „Wer Straftaten begeht, muss dafür die Härte des Gesetzes spüren“. Die Höhe der Strafe sei wesentlich zur Vermeidung von Gewalt und Kriminalität, so Kusterer.

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