1. bw24
  2. Stuttgart

Stuttgart fördert künftige Erzieher mit 1,8 Millionen Euro

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Nadja Pohr

Kommentare

Kinder spielen mit einer Erzieherin
Stuttgart will angehende Erzieher (Symbolbild) mit Stipendien nicht nur finanziell unterstützen, sondern diese damit gleichzeitig auch an die Stadt binden. © IMAGO/epd

Um Auszubildenden im Erziehungsbereich einen Anreiz für den Beruf zu schaffen, verteilt Stuttgart ab September Stipendien. 1,8 Millionen Euro stellt die Stadt bereit.

Stuttgart - Die Politik in Stuttgart will dem Fachkräftemangel in Kitas entgegenwirken und ist auf der Suche nach neuen Lösungen. Der Bedarf an Betreuungsplätzen ist in Baden-Württemberg seit mehreren Jahren nicht zu decken. „Wir werden auch mit tollen Angeboten die Menschen und den Nachwuchs mindestens die nächsten zehn Jahre nicht finden, um Bedarfe und Rechtsansprüche befriedigen zu können“, alarmierte Martin Agster, Personalrat des Stuttgarter Jugendamts, vor kurzem.

Nach wochenlangen Streiks der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst haben sich die Gewerkschaft Verdi und die kommunalen Arbeitgeber nun darauf verständigt, den Erziehern monatlich 130 Euro mehr zu zahlen und ihnen zwei zusätzlich Urlaubstage zu ermöglichen. Die Landeshauptstadt Stuttgart versucht darüber hinaus, dem Beruf noch auf anderen Wegen Attraktivität zu verleihen.

Stuttgart fördert Erzieher in der Ausbildung mit Stipendien

Ab September fördert die Stadt Stuttgart Fachschülerinnen und Fachschüler, die auf klassischem Weg Erzieherinnen oder Erzieher werden wollen, mit einem Stipendium, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Dafür werde der Gemeinderat 1,8 Millionen Euro zur Verfügung stellen, mit denen 450 Stipendien parallel finanziert werden sollen. „Mit dem Stipendium können wir angehende Erzieherinnen und Erzieher mit 200 Euro pro Monat unterstützen“, sagte Isabel Fezer, Bürgermeisterin für Jugend und Bildung.

Mit den Stipendien will man dem akuten Fachkräftemangel in der Branche entgegenwirken. Neben ohnehin fehlendem Personal in Stuttgart seien laut einem Jahresbericht der Stadt Verzögerungen beim Ausbau und Angebotsumstellungen sowie die Abkehr vieler Schüler in den ersten beiden Ausbildungsjahren der Grund für die fehlenden Kita-Plätze in der Region. Die ersten beiden Jahre in der klassischen Ausbildung zum Erzieher sind unbezahlt.

Mit dem Geld will die Stadt die angehenden Erzieher nicht nur finanziell unterstützen, sondern sie gleichzeitig auch an den Standort binden. Im Gegenzug für das Stipendium verpflichten sich die Azubis, die vorgeschriebenen Praktika und das Anerkennungspraktikum in einer Einrichtung innerhalb Stuttgarts zu absolvieren. Wer außerdem nicht für mindestens dieselbe Anzahl von Ausbildungsmonaten ein Arbeitsverhältnis in Stuttgart eingeht, für den werden Rückzahlungsforderungen fällig, heißt es im Beschluss des Gemeinderats.

Stuttgart wird mit Stipendien für Erzieher zum Vorreiter in Baden-Württemberg

Mit ihrem Konzept wird die Stadt Stuttgart zum Vorreiter in Baden-Württemberg. Dass die Lösung für den Fachkräftemangel in der Bezahlung der Ausbildung liegt, wissen jedoch auch viele User auf Facebook. „Wer will heute noch eine Ausbildung von 4 Jahren anfangen, für die man keinen Cent bekommt?“, argumentiert ein Nutzer. Steigende Lebenshaltungskosten kommen hierbei erschwerend hinzu, berichtet eine Userin. Die Ausbildung zu stärken und attraktiv zu machen, sei ein Schritt in die richtige Richtung, schreibt die Community.

Jeder angehende Auszubildende kann sich für ein Stipendium bewerben. Sind die Mittel erschöpft, pausiert die Vergabe der Stipendien zunächst. Hinzu kommt außerdem, dass zusätzlich auch das Aufstiegs-BAföG beantragt werden kann. Eine Kombination der beiden Fördermöglichkeiten bietet im besten Fall mehr als 1.000 Euro monatlich. „So entsteht eine Win-win-Situation, in der mehr junge Menschen für eine Ausbildung zur pädagogischen Fachkraft begeistert und zukünftige Fachkräfte für das Stadtgebiet gewonnen werden können“, zeigt sich Bürgermeisterin Fezer zuversichtlich.

Auch interessant

Kommentare