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„Ein Trauerspiel“: „Spielwaren Kurtz“-Nachfolger gibt endgültig auf

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Von: Nadja Pohr

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Das Traditionsgeschäft „Spielwaren Kurtz“ in Stuttgart
Ende 2021 musste das Traditionsgeschäft „Spielwaren Kurtz“ in Stuttgart schließen. Mit „Spielwaren Reiterle“ versuchte man im März 2022 einen Neustart - vergeblich, wie sich nun zeigt. (Archivfoto) © IMAGO/imagebroker

Nachdem „Spielwaren Kurtz“ Ende 2021 schließen musste, eröffnete der Laden nur wenige Monate später überraschenderweise als „Spielwaren Reiterle“ wieder in der Stuttgarter Innenstadt. Nun verkündete der Inhaber jedoch das erneute Aus des Traditionsgeschäfts.

Stuttgart - Die Einzelhändler in Deutschlands Innenstädten schlittern von einer Herausforderung in die nächste. Erst sorgte die Corona-Pandemie für Einbußen bei Umsatz und Kundschaft - großer Profiteur war letztlich nur der Online-Handel. Nun ist es die Inflation, die die Kauflaune der Bürger in den Keller treibt.

Das Traditionsgeschäft „Spielwaren Kurtz“ im Zentrum der Landeshauptstadt Stuttgart bekam 2021 die Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg zu spüren und musste sich schließlich geschlagen geben. Nach 188 Jahren musste der Spielwarenhändler schließen. Für viele Stuttgarter war das ein Schock. Im März 2022 folgte jedoch die große Überraschung: Spielwaren Kurtz eröffnete wieder in der Innenstadt. Nun muss Geschäftsführer Bernd Stocker allerdings wieder eine Hiobsbotschaft verkünden.

„Es geht nicht mehr“: Nachfolger des Stuttgarter Traditionsgeschäfts „Spielwaren Kurtz“ gibt endgültig auf

Nach etwa zehn Monaten ist für „Spielwaren Reiterle“, dem Nachfolger des einstigen Traditionsgeschäfts, auch wieder Schluss. Inhaber Bernd Stocker hat die Notbremse gezogen. „Es geht nicht mehr“, sagt er gegenüber der Stuttgarter Zeitung (StZ). Für das Spielwarengeschäft in der Innenstadt habe es keine Perspektive mehr gegeben. Nun gibt er also endgültig auf. „Aufgrund der aktuellen und aus unserer Sicht nachhaltig schwierigen Einzelhandelssituation in Stuttgart müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir das Traditionshaus Spielwaren Reiterle, vormals Kurtz, zum Monatsende schließen müssen“, gibt das Unternehmen bekannt.

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Mit der schwierigen Einzelhandelssituation in Stuttgart spricht Stocker wohl von der fehlenden Attraktivität der schwäbischen Metropole. Erst kürzlich verfassten die Industrie- und Handelskammer (IHK), die City Initiative Stuttgart, der Gastro-Verband Dehoga und der Handelsverband einen gemeinsamen Brief, nachdem aufgrund einer Demo Wasserwerfer der Polizei auf dem Marktplatz bereitgestanden hatten. Darüber hinaus würde „eine fehlende und reibungslose Anbindung des Umlands mit dem öffentlichen Nahverkehr“ zu einem weiteren Rückgang der Kundschaft in der Innenstadt führen.

Diese Aspekte, aber auch weitere Probleme des Einzelhandels, wie das veränderte Konsumverhalten der Menschen oder Ukraine-Krieg, Energiekrise und Inflation, trieben das Traditionsgeschäft in das Ende. Laut Stuttgarts Citymanager Sven Hahn müsse aber vor allem die Infrastruktur in der Stadt verbessert werden. Werde den Besuchern die Anreise erschwert, wird die Liste der Ladenschließlungen in Stuttgart noch länger werden, vermutet Hahn.

„Ein Trauerspiel“: Stuttgarter bedauern Schließung des Traditionsgeschäfts

Im Netz ist die Trauer über die Schließung vom „Spielwaren Kurtz“-Nachfolger groß. „Nein, nicht schon wieder“, „Schade, war ein Teil meiner Kindheit“, oder „Ein Trauerspiel ohnegleichen“, heißt es beispielsweise auf Facebook. „Spielwaren Kurtz war ein Traditionsgeschäft, mit dem ich nur positive Erinnerungen verknüpfe“, bedauert ein weiterer Nutzer. „Ein Spielzeugladen, der in Stuttgarts teuerster Lage pünktlich vor dem Weihnachtsgeschäft schließt. Das darf man betriebswirtschaftlich zumindest überraschend finden“, meint ein User.

Andere Facebook-Nutzer kommentieren jedoch, dass sie das Aus haben kommen sehen und zeigen sich nicht überrascht darüber. „Meiner Meinung nach war das schon bei der Schließung des ohnehin schon verkleinerten Kurtz vorherzusehen“, schreibt ein User. „Ist ja kein Wunder. Spielzeug funktioniert nicht mehr wie früher“, äußert ein anderer. „Ich persönlich habe immer gerne regional eingekauft und fand es auch wichtig, Fachgeschäfte zu unterstützen. ABER: Wenn dasselbe Produkt im Internet oftmals nur die Hälfte kostet, bestelle ich halt doch lieber online“, schreibt eine Userin ehrlich.

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