Impfstoff blieb reihenweise liegen

Astrazeneca für alle freigegeben - Ärzte wollen „Impfturbo zünden“

  • Sina Alonso Garcia
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Gute Nachricht für alle Jüngeren, die sich gerne impfen lassen wollen: Bund und Länder haben die Priorisierung für den Astrazeneca-Impfstoff aufgehoben. So gehen Impfwillige jetzt vor.

Stuttgart - Die meisten Jüngeren stehen in der Warteschlange um Corona-Impfstoffe weit hinten. Angesichts der neuesten Entscheidung von Bund und Ländern dürften sie jedoch aufhorchen: Am Donnerstag wurde der Impfstoff Astrazeneca für alle in Deutschland freigegeben. Auch Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) hatte den Vorstoß von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) unterstützt, die Priorisierung für dieses Vakzin aufzuheben.

Bei den Impfungen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg könnte es jetzt entscheidend vorangehen. Zwischenzeitlich war Astrazeneca zum Ladenhüter geworden, weil viele Impfberechtigte Vorbehalte hegten. Trotz seiner hohen Wirksamkeit ist das Präparat des britisch-schwedischen Pharmakonzerns in Verruf geraten, da bei jüngeren Geimpften in seltenen Fällen Blutgerinnsel auftraten - vor allem bei Frauen. Daher war der Impfstoff bis jetzt nur für die über-60-Jährigen zugelassen.

Astrazeneca: Jetzt Zulassung für alle - Impfstoff blieb zuvor reihenweise liegen

Das Image-Problem von Astrazeneca bekamen in den vergangenen Wochen vor allem die Hausärzte zu spüren. Reihenweise blieb der Impfstoff in den Arztpraxen liegen. Eine Pforzheimer Ärztin war darüber so verärgert, dass sie Konsequenzen zog. So verimpfte sie kurzerhand 1.000 Impfdosen auf einem Edeka-Parkplatz in Pforzheim an Freiwillige. Die Aktion war ein voller Erfolg, schon innerhalb kurzer Zeit war der Impfstoff vergriffen.

Durch die Aufhebung der Priorisierung bei Astrazeneca sollen offenbar Vorräte des Vakzins abgebaut werden, die sich wegen der großen Skepsis in der Bevölkerung angestaut hatten. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts und des Bundesgesundheitsministeriums wurden in Deutschland bislang 9,3 Millionen Astrazeneca-Dosen ausgeliefert und etwa 6,3 Millionen Dosen verimpft. Zwar empfiehlt die Ständigen Impfkommission (STIKO) den Einsatz von Astrazeneca weiterhin für über 60-Jährige. Dennoch können sich auch Jüngere nach individueller Beratung durch ihren Arzt mit Astrazeneca impfen lassen.

Astrazeneca-Zulassung für alle: So gehen Impfwillige jetzt vor - Zweitimpfung schon früher

Impfwillige können sich ab sofort bei ihrem Hausarzt melden und sich vor der Impfung aufklären lassen. Im Anschluss wird eine Einwilligungserklärung unterzeichnet. Übrigens: Auch die Dauer zwischen der ersten und zweiten Impfung mit Astrazeneca kann deutlich verringert werden. Gesundheitsminister Jens Spahn zufolge muss diese jetzt nicht mehr erst nach zwölf Wochen erfolgen. Die Ärzte können die zweite Spritze jetzt auch schon früher verabreichen. Gemäß Zulassung soll die Zweitimpfung nach vier bis zwölf Wochen erfolgen.

Der baden-württembergische Hausärzteverband begrüßte die Aufhebung der Priorisierung - sie sei „ein erster Schritt, der nun auch für die anderen Impfstoffe erfolgen muss“, heißt es in einer Pressemitteilung. Für die anderen in Deutschland zugelassenen Impfstoffe gilt weiterhin noch die Impfreihenfolge. Aktuell sind bei der Corona-Impfung Menschen aus Prio 3 an der Reihe. Die Bundesregierung kündigte an, die Priorisierung für andere Vakzine voraussichtlich im Juni aufzuheben. Neben den Impfstoffen von Biontech-Pfizer, Moderna, Johnson & Johnson könnte sich in Deutschland dann auch der Tübinger Impfstoff Curevac einreihen, der momentan in den Startlöchern steht.

Nach Astrazeneca-Zulassung für alle: Manfred Lucha fordert noch mehr Impfstoff für Baden-Württemberg

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha forderte derweil noch mehr Impfstoffe für die Impfzentren im Südwesten, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet. In einem Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn appellierte er, die für Baden-Württemberg bereitgestellte Impfstoffmenge zu erhöhen. Die Impfstofflieferungen des Bundes hielten „nicht so mit, wie wir das brauchen“, so Lucha.

Auch der baden-württembergische Hausärzteverband plädierte für mehr Impfstoff: „Damit wir nun den Impfturbo zünden können, brauchen wir von allen Impfstoffen genügend Dosen für die Praxen, mehr Flexibilität und vor allem mehr Vertrauen und Unterstützung durch die Politik“, sagte der erste Vorsitzende Berthold Dietsche.

Rubriklistenbild: © Markus Scholz/dpa

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