So geht es jetzt weiter

Astrazeneca in Baden-Württemberg: Das müssen Impfberechtigte wissen

Einer Frau mit Maske wird in den Sportanlagen des Sadus-Pavillons der Universität Sevilla eine Corona-Impfung verabreicht.
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Das Impfen in Deutschland geht noch immer nur langsam voran.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Aufgrund von Nebenwirkungen wird der Astrazeneca-Impfstoff in der Regel nur noch für Menschen über 60 verwendet. Was bedeutet das für Impfberechtigte?

Stuttgart - Bei der Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg kommt Astrazeneca regulär nur noch für Menschen über 60 zum Einsatz. Wegen seltenen Fällen von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen hatte die Ständige Impfkommission (Stiko) den Stopp für Jüngere empfohlen. Doch was passiert, wenn man bereits mit Astrazeneca geimpft wurde und der zweite Impftermin noch bevorsteht? Was müssen Bürger bei der Impfung in Baden-Württemberg mit Astrazeneca beachten? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Ich habe einen Astrazeneca-Impfertmin - wie geht es weiter?

Über 60-JährigeDie Impfung dieser Gruppe mit Astrazeneca geht regulär weiter. Termine finden wie gebucht statt.
Unter 60-JährigeDas Gesundheitsministerium Baden-Württemberg empfiehlt: In Impfzentren, in denen eine Umbuchung auf einen anderen Impfstoff möglich ist, soll diese direkt vor Ort vorgenommen werden (egal, ob Erst- oder Zweitimpfung). Funktioniert die Umbuchung auf einen anderen Impfstoff nicht, kann nach ärztlichem Ermessen freiwillig auch mit Astrazeneca geimpft werden. Andernfalls werden Daten für eine Warteliste erfasst.

Vorsicht: Wer seinen Impftermin mit Astrazeneca wieder absagen möchte, sollte dies nicht über den Impfterminservice des Landes im Internet tun. Hier besteht die Gefahr, aus dem System gelöscht zu werden. Das Sozialministerium empfiehlt daher, den Termin wahrzunehmen und vor Ort abzusagen.

Astrazeneca wird in Baden-Württemberg nun vorrangig für alle Impfberechtigten über 60 Jahren eingesetzt. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat sich bereits mit Astrazeneca impfen lassen.

Kann ich einen anderen Impfstoff als Astrazeneca bekommen?

Über 60-JährigeVon der Einschränkung des Astrazeneca-Impfstoffes sind Bürger über 60 Jahre nicht betroffen. Natürlich können auch sie von der Impfung zurücktreten.
Unter 60-JährigeBundesgesundheitsminister Jens Spahn schrieb bei Twitter, dass Menschen unter 60, die eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben, eine Zweitimpfung von Biontech oder Moderna erhalten können. Die Ständige Impfkommission (Stiko) prüft derzeit aber noch, ob für die Zweitimpfung auch ein anderer Impfstoff möglich ist. Auf eigenes Risiko und nach ärztlicher Beratung können unter 60-Jährige auch die zweite Impfung mit Astrazeneca erhalten.

Menschen unter 60, die bereits mit Astrazeneca geimpft wurden, können sich unter sorgfältiger Absprache mit einem Arzt auch ein zweites Mal mit Astrazeneca impfen lassen. Alternativ können die Betroffenen auf die Empfehlung der Stiko warten, die bis Ende April vorliegen soll - dann wird klar sein, ob laut deren Einschätzung eine Zweitimpfung mit einem anderen Impfstoff wie Biontech oder Moderna möglich ist.

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums wurden in Deutschland bereits rund 2,3 Millionen Menschen mit Astrazeneca geimpft. Gestartet war die Impfung Anfang Februar 2021. Das Impfintervall - also die Zeit zwischen der ersten und der zweiten Impfung - beträgt rund drei Monate. Die meisten Zweitimpfungen werden also erst ab Mai vorgenommen.

Was passiert, wenn es keinen alternativen Impfstoff zu Astrazeneca gibt?

Wenn in Baden-Württemberg nicht genug alternativer Impfstoff zu Astrazeneca verfügbar ist, sollen Bürger laut der Landesregierung auf eine Warteliste gesetzt werden. „Es kann leider nicht ausgeschlossen werden, dass es zu Beginn der Umstellung noch zu Unregelmäßigkeiten kommt“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Welche Symptome einer Astrazeneca-Impfung gibt es?

Bis Ende März wurden deutschlandweit 31 Fälle einer Sinusvenentrhombose nach Astrazeneca-Impfung gemeldet. In 19 Fällen wurde zusätzlich eine Thrombozytopenie gemeldet. In neun Fällen endete dies tödlich. Die Mehrzahl der schweren Fälle trat zwischen sieben und 14 Tagen nach der Impfung und überwiegend bei Frauen unter 60 Jahren auf. So betrafen alle Meldungen Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren. „Allerdings haben bisher auch insgesamt relativ viele jüngere Frauen den Impfstoff erhalten“, meint das Bundesgesundheitsministerium. Die zwei betroffenen Männer waren 36 und 57 Jahre alt.

Das Bundesgesundheitsministerium verweist explizit darauf, dass Impfreaktionen von Nebenwirkungen unterschieden werden müssen. Wer also im Anschluss an die Impfung noch circa einen Tag lang eine Impfreaktion hat, der braucht sich erstmal keine Sorgen zu machen. „Solche Impfreaktionen sind Zeichen einer Immunreaktion des Körpers und deshalb unbedenklich“, erklärt das Gesundheitsministerium. „Wer mit vier bis 16 Tagen Abstand zur Impfung allerdings Nebenwirkungen feststellt, sollte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.“

Was, wenn die Umbuchung auf einen anderen Impfstoff im Impfzentrum nicht funktioniert?

Wenn eine Umbuchung auf einen Ersatz-Impfstoff nicht möglich ist, können sich Impfberechtigte unter 60 in Baden-Württemberg nach „ärztlichem Ermessen“ auch freiwillig mit Astrazeneca impfen lassen. Dazu müssen die Betroffenen nicht erst zu ihrem Hausarzt: Im Impfzentrum wird vor Ort eine sogenannte „Risikoanalyse“ des Einzelnen vorgenommen. Wer dennoch nicht mehr mit Astrazeneca geimpft werden möchte, kommt auf eine Warteliste. Fest steht: Kein bereits geimpfter Bürger soll das Impfzentrum ohne einen Zweittermin verlassen.

Ich stehe auf einer Warteliste - wie werde ich informiert?

Wer auf einer Warteliste für Astrazeneca steht, wird laut dem Sozialministerium Baden-Württemberg per E-Mail informiert, sofern man diese angegeben hat. Andernfalls wird man telefonisch mit einem neuen Terminvorschlag für eine Impfung mit einem anderen Impfstoff als Astrazeneca informiert.

Wegen der knappen Impfstoffmengen hinkt der Südwesten im Ländervergleich in Deutschland aktuell hinterher - was zu einem regelrechten Impf-Debakel in Baden-Württemberg führt. Nur ein Bruchteil aller Berechtigten erhalten überhaupt einen Termin.

Rücken automatisch Über-60-Jährige für Astrazeneca nach?

Obwohl Astrazeneca in Baden-Württemberg für Menschen über 60 Jahren freigegeben ist, bedeutet das nicht, dass sie automatisch impfberechtigt sind und nachrücken. So sind laut dem Land Baden-Württemberg weiterhin nur Menschen aus der Prioritätsstufe eins oder zwei impfberechtigt. Das heißt: Über 60-Jährige erhalten nur einen Impftermin, wenn ein besonders Risiko durch Vorerkrankungen oder einen Beruf besteht. In den Prio-Gruppen eins und zwei befinden sich hingegen Personen, die das 70. Lebensjahr vollendet haben, sowie Personen, die in stationären Einrichtungen der Pflege älterer Menschen tätig sind.

Das Terminvergabe-System soll nun so umgestellt werden, dass impfberechtigte Menschen unter 60 Jahren keine Astrazeneca-Termine mehr angeboten bekommen. Zudem soll der Astrazeneca-Impfstoff ab April nur noch an niedergelassene Arztpraxen geliefert werden. Die Impfzentren sollen dann nur noch notwendige Dosen für die Zweitimpfung erhalten. Aktuell starten in Baden-Württemberg Hausärzte mit der Corona-Impfung.

Wieso heißt Astrazeneca jetzt Vaxzevria?

Astrazeneca vermarktet seinen Impfstoff in Zukunft unter dem Namen Vaxzevria, wie das Unternehmen der Deutschen Presseagentur (dpa) mitteilte. „Die Umstellung auf einen dauerhaften Markennamen ist üblich und wurde seit vielen Monaten geplant“, heißt es von Seiten des Unternehmens. Dass der neue Markenname ein neues Image bringen oder Verbraucher täuschen soll, streitet die Firma ab. Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach stellt sich gegen diesen Verdacht: „Es ist definitiv kein Versuch, das Risiko zu vernebeln. Das ist abwegig“, sagte der Gesundheitsexperte dem ZDF.

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