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„Armes Schwein“: Stuttgart-21-Chef hat Mitleid mit Lokführer, der Bahnchaos auf Neubaustrecke verursachte

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Von: Nadja Pohr

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Nur einen Tag nachdem die Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm eröffnet wurde, kam es zu einem Bahnchaos durch den Fehler eines Lokführers. Der Projektchef von Stuttgart 21 sprach ihm dafür sein Mitleid aus und äußerte auch Kritik.

Stuttgart - Bis das Milliardenprojekt Stuttgart 21 in der Landeshauptstadt fertiggestellt ist, wird es noch einige Jahre dauern. Am Freitag (9. Dezember) konnte die Deutsche Bahn jedoch einen ersten Meilenstein feiern, denn die Schnellstrecke zwischen Wendlingen und Ulm - die ein Teil des Bahnprojekts ist - ist nach vielen Jahren endlich betriebsbereit. Am Sonntag wurde die Strecke offiziell in den Fahrplan aufgenommen.

Eine Viertelstunde werden Reisende zwischen Stuttgart und München künftig sparen und durch die neue Haltestelle auf der Schwäbischen Alb haben viele Menschen überhaupt erst einen unmittelbaren Zugang zum Schienennetz bekommen. Doch nur einen Tag nach der feierlichen Eröffnung gab es am Montagmorgen (12. Dezember) bereits Verzögerungen. Wie die Bahn mitteilte, sei der Grund für die Panne der Fehler eines Lokführers gewesen. Der Chef von Stuttgart 21 drückte dem Verantwortlichen sein Mitgefühl aus.

„Armes Schwein“: Stuttgart-21-Chef zeigt Mitleid für Lokführer und kritisiert Medien

Olaf Drescher, Chef der Bahnprojektgesellschaft Stuttgart-Ulm, ist nicht nur für das Großprojekt Stuttgart 21, sondern auch für die Neubaustrecke Richtung Ulm verantwortlich. Die Panne am Montag, die durch das Fehlverhalten eines Lokführers ausgelöst wurde, bewertete er bei einem Vortrag bei der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft (DVWG) eher weniger kritisch. Drescher sprach vielmehr sein Mitleid für den Bahnmitarbeiter aus. „Das arme Schwein wurde nun in ganz Deutschland durchgereicht“, sagte der Projektchef und kritisierte damit, wie mit dem Vorfall in den Medien umgegangen wurde.

Ein ICE fährt auf der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm
Nur einen Tag nach der feierlichen Eröffnung gab es am Montagmorgen bereits Verzögerungen auf der Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm. © IMAGO/Walter G. Allgöwer

Drescher ärgert sich über die Berichtserstattung, die den Lokführer als den „Vollidiot“ dargestellt habe, wie die Stuttgarter Zeitung (StZ) berichtet. „Wegen einer Fehlhandlung gibt’s einen Riesenalarm im Blätterwald“, sagte er. Über die 99 Prozent, in denen es klappt, berichte niemand. „Das ist Deutschland, das ist Medienpolitik“, so der Projektchef.

Für die Fahrt über die vier Milliarden Euro teure Strecke haben die Lokführer neue Komponenten trainieren und lernen müssen, erklärte Drescher. Mit einem vierstufigen Verfahren müssen sie den Zug für die Fahrt anmelden. Bei dem Vorfall am Montag sei die Anmeldung nicht richtig erfolgt und wurde deshalb vom System angehalten.

„Schuld haben immer die anderen“: Netz kritisiert Deutsche Bahn für Öffentlichkeitsarbeit

In den sozialen Medien gab es durchaus Spott für das Bahn-Chaos auf der Neubaustrecke. Einige User im Netz verteidigen den Lokführer aber auch und sehen den Fehler in der Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Bahn. „Warum hier der Lokführer überhaupt bloßgestellt wird, verstehe ich nicht. Ein vernünftiges Unternehmen hätte in der Pressemitteilung nicht die Schuld auf dem Lokführer abgeladen“, kritisiert ein Facebook-Nutzer. Ein weiterer bezeichnet das Verhalten der Bahn als „schäbig“. „Die Kommunikation der DB zum Vorfall auf jeden Fall dilettantisch“ oder „Schuld haben immer die anderen“, kommentieren weitere.

Die User mutmaßen, dass sie ihre Mitarbeiter wohl nicht ausreichend geschult hätten, sonst „wäre es wahrscheinlich nicht passiert“. „Wenn eine angebliche Fehlbedienung zu so einem Fehlverhalten des gesamten Systems führt, ist nicht die Bedienung schuld, sondern das Gesamtsystem zu fragil“, schreibt ein anderer. Eine Bahnsprecherin teilte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit, dass es sich um einen Einzelfall handelte. Die Lokführer seien daraufhin noch einmal sensibilisiert worden.

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