Gerettete Tiere im Tierheim Stuttgart

Animal Hoarding in Stuttgart: 144 Tiere gerettet - Tierheim erreichen „bis zu 100 Anfragen pro Tag“

Katzen in einem Käfig.
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Animal Hoarding: 50 Katzen mussten im Tierheim Stuttgart untergebracht werden (Symbolbild).
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
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Im Januar musste das Tierheim Stuttgart 50 Katzen und 94 Vögel aufnehmen, die in einer kleinen Wohnung hausten. Nun ist das Heim in Verhandlung mit der Besitzerin, um die Tiere endlich zu vermitteln.

Stuttgart - Egal ob Hund, Katze, Vogel oder Nager, die Liebe eines Tieres ist etwas Besonderes. So ist es nicht überraschend, dass viele Deutsche einen tierischen Begleiter haben und sich liebevoll um diesen kümmern. Aber wann wird die Haltung für Mensch und Tier unzumutbar? Erst Ende Dezember wurde das Ordnungsamt der Landeshauptstadt Stuttgart auf einen Fall aufmerksam, bei dem es letztendlich eingreifen musste: Bei einem schweren Fall von Animal Hoarding fand man 50 Katzen und 94 Vögel in einer 100-Quadratmeter-Wohnung.

Die Tiere wurden von einer Frau gehalten, die offenbar mit der Betreuung der Katzen und Vögel überfordert war. In der Wohnung befanden sich Katzen im Alter von wenigen Tagen bis 20 Jahren. Außerdem flogen Nymphensittiche, Wellensittiche und Zebrafinken umher. Die Tiere hatten sich unkontrolliert vermehrt. In solchen Fällen spricht man von Animal Hoarding, also das „Sammeln von Tieren“.

Tierheim Stuttgart: 144 Tiere wurden insgesamt aus der Wohnung gerettet

Die insgesamt 144 Tiere wurden im Januar dem Tierheim Stuttgart übergeben. Dort ist man leider vertraut mit dem Thema Animal Hoarding. „Wir haben jährlich mindestens zwei bis drei Fälle“, erzählt die Leiterin des Tierheims, Marion Wünn, gegenüber BW24. Viele der Tiere, die im Januar gerettet wurden, waren krank und von Parasiten befallen. Sie mussten erst einmal tierärztlich behandelt und konnten deswegen nicht gleich vermittelt werden. Einige der Vögel seien leider gestorben, sagt Wünn.

Doch sie hat auch gute Nachrichten: „Den meisten Tieren geht es gut, viele konnten schon in ihr neues Zuhause umziehen.“ Ein paar der jungen Katzen seien noch in tierärztlicher Behandlung: „Wir hoffen, dass wir diese ab Ende nächster Woche auch in die Vermittlung nehmen können.“ Einige der Katzen seien bei der Beschlagnahmung schwanger gewesen. Die Kitten kamen daher teilweise im Tierheim zu Welt.

Bisher war die Vermittlung der Tiere aus dem Animal Hoarding in Stuttgart nicht leicht. „Leider hat die Frau immer noch nicht auf alle Tiere verzichtet, was die Vermittlung schwierig macht“, sagt Tierheimleiterin Marion Wünn. „Ein Tierhalteverbot wurde von Amtswegen ausgesprochen. Soweit ich weiß hat die Frau Widerspruch eingelegt, was natürlich für die Tiere bedeutet, noch länger im Tierheim bleiben zu müssen.“ Sie hoffe auf ein Einsehen zugunsten der Samtpfoten und der Vögel. Erst, wenn die Freigabe des Amtes dem Tierheim vorliege, können alle Tiere vermittelt werden. Wann dies der Fall ist, ist noch ungewiss.

Das Tierheim Stuttgart konnte sich vor Anfragen für die beschlagnahmten Tiere kaum retten

Dabei bekommt das Tierheim Stuttgart viele Anfragen für die beschlagnahmten Tiere. „Wir konnten uns vor Anfragen kaum retten“, sagt Marion Wünn. „Natürlich wählen wir genau aus, wohin wir unsere Schützlinge vermitteln.“ Seitdem das Coronavirus in Baden-Württemberg und dem Rest von Deutschland kursiert, sind die Anfragen enorm gestiegen: „Wir bekommen bis zu 100 Anfragen am Tag. Aber, weil wir auch hier genau auswählen, bleiben meist nur drei bis fünf ernstzunehmende Interessenten übrig.“

Nicht nur in den Tierheimen wird seit der Pandemie durch das Coronavirus in Baden-Württemberg vermehrt Interesse an Haustieren gezeigt. Da viele Berufstätige von zu Hause aus arbeiten, haben sie mehr Zeit und können sich gut vorstellen, einen tierischen Begleiter in die Familie zu holen. Leider informieren sich viele Menschen aber an den falschen Stellen. So hat im vergangenen Jahr illegale Welpenhandel stark zugenommen. „Wir finden das schrecklich“, sagt Marion Wünn. „Diese Tiervermehrer oder Züchter kümmert es nicht, wohin ihr Tier verkauft wird.“ Ihnen gehe es in erster Linie um das schnell verdiente Geld. „Das Wohlergehen der Tiere nach dem Verkauf ist ihnen egal“, so Wünn. Sie befürchte, dass nach der Pandemie viele dieser unüberlegt angeschafften Tiere in den Tierheimen laden.

Tierheim Stuttgart: Das passende Tier zu finden, ist wie die Suche nach einem Partner

Adoptiert jemand ein Tier aus dem Tierheim Stuttgart, wird vorab das neue Zuhause geprüft. „Wir stehen den neuen Tierhaltern auch nach der Vermittlung noch mit Rat und Tat zur Verfügung. In den Tierheimen kauft man ‚nicht die Katze im Sack‘. Wir klären über die Vorgeschichten der Tiere auf und geben Ratschläge zur artgerechten Tierhaltung“, erklärt Marion Wünn. Zudem sind die Tiere aus Tierheimen in der Regel vorab medizinisch gut versorgt und betreut worden. Tierschützer kennen meist das Verhalten der zu vermittelnden Tiere und können so besser einschätzen, ob Tier und Halter auch zusammenpassen. „Unser Ziel ist es alle Tiere dauerhaft in ihr neues Zuhause zu vermitteln. Auch das unterscheidet uns von den gewerblichen Verkäufern. Wer Tiere liebt, sollte also immer zuerst in einem Tierheim schauen.“

Manchmal dauere es länger, bis das „passende Deckelchen zum Töpfchen“ gefunden wurde, sagt Wünn. Sie vergleicht die Anschaffung eines Tieres mit der Partnersuche: „Man muss warten, bis alles gut zusammenpasst. Wer nimmt schon jeden Ersten, der grade so ums Eck kommt. Es soll ja schließlich eine glückliche Verbindung fürs Leben sein.“ Deswegen geben die meisten Menschen alles für ihre Tiere: Beispielsweise die Besitzer der Hündin „Dobby“, die in Stuttgart entlaufen ist - sie haben für ihren vermissten Hund eine Internetseite eingerichtet.

Für das Tierheim in Stuttgart ist jeder Fall von Animal Hoarding ein neuer Kraftakt. Die Tiere müssen jedes Mal komplett untersucht, meist geimpft und kastriert werden. Wer helfen möchte, kann unter Angabe des Stichworts „Animal Hoarding“ an das Tierheim Stuttgart spenden.

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