Gewalt gegen Journalisten

Angriff auf Fernsehteam bei Corona-Demo in Stuttgart

Corona-Demonstranten ziehen bei Regen durch die Stuttgarter Innenstadt
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Bei der Corona-Demo in Stuttgart am 13. März kam es zu einem Angriff auf ein Fernsehteam
  • Sabrina Hoffmann
    vonSabrina Hoffmann
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Bei einer Corona-Demo am Samstag in Stuttgart wurde ein Fernsehteam des SWR angegriffen. Weitere Pressevertreter waren verbalen Attacken und „Lügenpresse“-Sprechchören ausgesetzt.

Stuttgart - Schon seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 gehen Tausende Menschen gegen die Maßnahmen auf die Straße. Als Wiege der Corona-Demos gilt Stuttgart. In der Landeshauptstadt gründete Michael Ballweg die Protest-Initiative Querdenken. Die ersten Großdemos gegen die Corona-Maßnahmen in Deutschland fanden auf dem Cannstatter Wasen statt.

Die Stimmung bei den Corona-Demos in Stuttgart und anderen Teilen Deutschlands ist aufgeheizt. Schließlich dauert der zweite Lockdown nun schon vier Monate an. Lockerungen gibt es nur vereinzelt. Ein Großteil des öffentlichen Lebens ist weiterhin stillgelegt. Die Gegner der Corona-Maßnahmen fordern immer vehementer ein Ende des Lockdowns ein.

Angriff auf Fernsehteam des SWR bei Corona-Demo in Stuttgart - „Lügenpresse“-Sprechchöre

Nun wurde sogar ein Fernsehteam des Südwestrundfunk (SWR) nach dem Ende einer Corona-Demo in Stuttgart angegriffen worden. Wie ein Sprecher der Polizei Stuttgart am Abend sagte, ist das Team am Samstag mit einem Gegenstand beworfen worden. Verletzt worden sei niemand. Ein Sprecher des SWR bestätigte den Vorfall.

Die Polizei habe den Angriff gesehen und sei auf den Mann zugegangen, so der Sprecher des SWR. Eine Anzeige des Teams sei deshalb nicht erfolgt. Inwiefern sich der Demo-Teilnehmer wegen des Angriffs verantworten muss, konnte der Polizeisprecher zunächst nicht sagen. Das Fernsehteam sei zudem wiederholt verbal angegangen worden.

Auch andere Medienvertreter, die ihre Zelte zur Berichterstattung über die Landtagswahl vor dem Landtag aufgestellt hatten, seien von den Teilnehmern der Demo verbal angegriffen und in Sprechchören als „Lügenpresse“ bezeichnet worden, berichtete die Polizei. Angriffe auf Polizeibeamte haben es auch gegeben. „Natürlich herrschte entsprechend aggressionsgeladene Stimmung“, sagte ein Polizeisprecher dem SWR. „Die Polizei ist leider auch immer wieder der Prellbock für diese Maßnahmen.“

Bei Corona-Demos in Stuttgart kam es schon einmal zu folgenschwerer Gewalt

Es ist nach Corona-Demos in Stuttgart schon einmal zu einem Angriff gekommen. Im Mai 2020 wurden drei Teilnehmer der Demo gegen die Coronamaßnahmen am Cannstatter Wasen attackiert und niedergeschlagen. Eines der Opfer, ein 54-jähriger, gehörte zu einer rechten Gewerkschaft und schwebte nach dem Angriff in Lebensgefahr. Die Täter gehörten der linksautonomen Szene an.

Am vergangenen Samstag hatten sich in Stuttgart viele hundert Menschen unter dem Motto „Es reicht“ versammelt, um gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Aus Kreisen im Umfeld der Kundgebung war von bis zu 1500 Teilnehmern die Rede. Ein Polizeisprecher wollte lediglich eine Teilnehmerzahl von „weit über den ursprünglich angemeldeten 750 Teilnehmern“ bestätigen.

Nachdem der Veranstalter die Versammlung wegen des schlechten Wetters schon gegen 14 Uhr für beendet erklärt habe, hätten sich die Protestierenden in verschiedene Aufzüge geteilt und seien durch die Innenstadt gelaufen. Dabei kam es auch zu den Angriffen auf Pressevertreter. (sho/dpa)

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