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„Periodenurlaub könnte zu Diskriminierung von Frauen führen“ - Stuttgarter Youtuberin äußert sich skeptisch

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Von: Sina Alonso Garcia

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Alicia Joe Video Menstruationsurlaub
Youtuberin Alicia Joe spricht in ihrem aktuellen Video über ein Gesetz in Spanien, laut dem Frauen Periodenurlaub bekommen sollen. © (Fotomontage BW24)

In Spanien sollen Frauen, die unter starken Menstruationsbeschwerden leiden, in Zukunft zusätzlich bis zu fünf freie Tage im Monat bekommen. Die Stuttgarter Youtuberin Alicia Joe sieht die geplante Regelung kritisch.

Stuttgart - Während manche Frauen in der Zeit ihrer Periode keine großen Beschwerden haben, verspüren andere schwere Schmerzen. Die können mitunter so drastisch sein, dass die Betroffenen ihre Arbeit nicht ausführen können wie gewohnt. Spanien versucht derzeit als erstes europäisches Land, diesen Frauen entgegenzukommen. So wurde hier kürzlich ein Gesetzesentwurf eingereicht, der es Frauen leichter machen soll, wegen Regelschmerzen frei zu nehmen. Geplant sind drei bis fünf freie Tage im Monat, die Frauen theoretisch im Monat in Anspruch nehmen könnten, wenn es ihnen aufgrund ihrer Periode schlecht geht.

Zwar wird der Vorstoß aus Spanien von vielen als Durchbruch und Ent-Tabuisierung der Menstruation gefeiert, doch es gibt auch kritische Stimmen. Eine davon: Die Youtuberin Alicia Joe aus Stuttgart. Mit mehr als 419.000 Abonnenten gilt sie auf der Plattform als viel gehörte und gern zitierte Rednerin, die ihre Inhalte ausgiebig recherchiert und gesellschaftskritische Themen auf sachlicher und konstruktiver Ebene vorträgt. Ihre Meinung zum Thema Periodenurlaub: „Ich befürchte, dass dieses Gesetz langfristig zur Diskriminierung von Frauen führen könnte.“

Alicia Joe: „Jede Frau, die ein Unternehmen einstellt, kann sich potenziell 60 Tage im Jahr bezahlt krankschreiben lassen“

Wenn Frauen die Möglichkeit bekommen, sich bis zu fünf Tage im Monat Periodenurlaub zu nehmen, sind das unterm Strich 60 Tage im Jahr. Alicia Joes Befürchtung: „Unternehmen werden Eins und Eins zusammenzählen und sich ausrechnen: Moment mal - jede Frau, die ich jetzt einstelle, kann sich potenziell relativ einfach 60 Tage im Jahr bezahlt krankschreiben lassen.“ Folglich würden Firmen bei gleicher Qualifikation vermutlich eher einen Mann einstellen. Dass aus dieser Intention die Frau abgelehnt wurde, könne im Nachhinein niemand belegen. Sprich: Auch wenn eine Diskriminierung hier nicht nachzuweisen wäre, fände diese hier bereits statt.

„Frauen im gebärfähigen Alter haben ja sowieso schon das Problem, dass viele Arbeitgeber regelrecht Angst haben, dass sie schwanger werden könnten und somit für längere Zeit ausfallen“, so Alicia Joe weiter. Würde so eine Frau im Bewerbungsprozess abgelehnt, könne man das ohnehin hinter fadenscheinigen Argumenten verstecken. Ähnlich wäre es beim Menstruationsurlaub: „Frauen könnten durch den Periodenurlaub auf lange Sicht als weniger konkurrenz- und leistungsfähig angesehen werden.“

Alicia Joe fürchtet „Stigmatisierung der Periode als Frauen Dauerkrankheit“

Wie Alicia Joe befürchtet, könnte ein Periodenurlaub zur „Stigmatisierung der Periode als Frauen-Dauerkrankheit“ führen. „Und Frauen mit einer Dauerkrankheit will man nicht im Unternehmen.“ Auch die Umsetzbarkeit des Gesetzes im Detail sei für sie schwer vorstellbar. Hier sieht sie insbesondere die Diagnostizierbarkeit und Messbarkeit der Schmerzen durch einen Arzt schwer umzusetzen. Zudem bemängelt sie, dass Frauen, die - zum Beispiel als Beamtinnen - einen sicheren Job haben, das Gesetz ausnutzen und den Periodenurlaub als Ausrede nutzen könnten, um sich bezahlt krankschreiben zu lassen.

In ihrer Argumentation lässt Alicia Joe auch Argumente, die für den Periodenurlaub sprechen, nicht außen vor. „Das Gesetz wird sicherlich das Leid vieler Frauen verringern, die sich mit Periodenschmerzen zur Arbeit quälen“, betont sie. Laut Angaben der Spanischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe leide ein Drittel der Frauen unter schmerzhafter Menstruation. Belegen konnte Alicia Joe diese Zahlen innerhalb ihrer Recherche allerdings nicht, da die Studienlage undurchsichtig sei und die Ergebnisse weit auseinandergingen. In einer amerikanischen Studie etwa hätten nur 31 Millionen (19 Prozent) von 164 Millionen Frauen angegeben, innerhalb eines Jahres unter Regelschmerzen oder PMS (Prämenstruelles Syndrom) gelitten zu haben, 133 Millionen Frauen verneinten dies.

Alicia Joe: Bei der Diskussion um den Periodenurlaub gibt es „kein 100 Prozent Richtig oder Falsch“

Für von starken Regelschmerzen betroffene Frauen, insbesondere an Endometriose erkrankte, wäre der Periodenurlaub natürlich ein gutes Zeichen, so Alicia Joe. Es gebe bei diesem Thema „kein 100 Prozent Richtig oder Falsch“, wie sie betont. Ihr Kompromiss-Vorschlag: Betroffene Frauen könnten Gebrauch von der 4-Tage-Woche machen und sich den freien Tag „im Zweifel auf den Tag legen, an dem die Periode am schlimmsten ist“. Zusätzlich würde sie es begrüßen, wenn es Frauen, die an Endometriose oder ähnlichen Krankheiten leiden, einfacher gemacht würde, entsprechende Atteste beim Arzt zu bekommen. „Sofern die Krankheit einmal klinisch bestätigt wurde, wäre es doch gut, wenn man die Krankmeldung im Folgemonat einfach online beantragen kann.“

Mit ihrem Kommentar trifft Alicia Joe einen Nerv. Bereits mehr als 344.000 Nutzer haben ihr Video zum Thema Periodenurlaub gesehen. Mehr als 3.000 haben es bereits kommentiert. Es ist nicht das erste Mal, dass eine ihrer Recherchen für Diskussionen sorgt. So löste ihr Video „Warum Gendersprache scheitern wird“ ein riesiges Echo im Netz aus und auch ihre Beweise für Manipulation und Körperverletzung bei GNTM trafen auf entsetztes Feedback.

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