Heldenmut im Alltag

Stuttgarterin für Preis von „Aktenzeichen XY ungelöst“ nominiert - sie verhinderte eine Kindesentführung

Stuttgarterin Sarah Jacoby bei „Aktenzeichen XY ungelöst“
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Sarah Jacoby wurde zur Heldin: Sie rettete eine 8-Jährige aus den Fängen eines Entführers.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Dank ihres beherzten Einsatzes verhinderte die Stuttgarterin Sarah Jacoby Schlimmes. Für ihren Heldenmut ist sie nun für den „XY-Preis“ nominiert worden.

Stuttgart - Nicht wegschauen, sondern hinsehen - das gelingt nicht jedem. Viel zu oft hört man von Fällen, in denen keine Hilfe geleistet wurde. Eine Frau wird in einer vollen S-Bahn belästigt, doch niemand greift ein. Einem älteren Herren wird das Portemonnaie aus der Jackentasche gestohlen, aber niemand verfolgt den Dieb. Vorkommnisse, wie sie tagtäglich auch in Baden-Württemberg passieren.

Stuttgarterin für Preis nominiert - mit ihrem Einsatz rettete sie eine 8-Jährige vor einer Entführung

Sarah Jacoby aus Stuttgart hat nicht weggesehen. Sie folgte ihren Instinkten und schritt ein, als niemand sonst bereit war, etwas zu tun. Und damit hat sie womöglich einem kleinen Schulmädchen das Leben gerettet. Die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ nominierte die Stuttgarterin nun für den „XY-Preis“, mit dem Menschen ausgezeichnet werden, die „ihren Mitmenschen in gefährlichen Situationen zu Hilfe geeilt sind“, wie Moderator Rudi Cerne sagt.

Sarah Jacoby renovierte 2020 ihre Wohnung. Sie unterbrach das Streichen, um ein paar Einkäufe zu erledigen. Auf dem Weg zum Supermarkt machte die Stuttgarterin eine merkwürdige Beobachtung. Ein Mann zog ein Schulmädchen an der Hand hinter sich her. Das Kind weinte, wollte nicht mit dem Mann mitgehen. „Ich hatte es eher so aus dem Augenwinkel gesehen“, erzählt Sarah Jacoby in einem Beitrag von „Aktenzeichen XY ungelöst“. Zwar seien weinende Kinder kein seltener Anblick, doch etwas ließ die Baden-Württembergerin stutzen. „Es hat irgendwie nicht gepasst. Wahrscheinlich, weil der Typ nicht wirklich aussah wie ein liebender Vater“, erinnert sie sich.

Sarah Jacoby befreite Mädchen aus den Fängen eines Mannes

Sarah Jacoby beobachtete die Situation und ging sicher, dass der Mann nicht bewaffnet war, ehe sie ihn ansprach. Auf ihre Frage, ob er der Vater des Mädchens sei, reagierte der Mann ausweichend, erfand eine fadenscheinige Ausrede. Er sei vom Gesundheitsamt und müsse das Mädchen wegbringen. Doch die 8-Jährige beteuerte gegenüber Sarah Jacoby, den Mann nicht zu kennen. Die Frau schritt ein, zog das Mädchen instinktiv zu sich. Der Mann floh.

„Das Kind war total froh, dass jemand da war, der gesagt hat ‚stopp‘“, erzählt Sarah Jacoby. „Da ist dann, glaube ich, ganz viel an Tränen und Angst aus dem Kind herausgebrochen.“ Ein Held ist auch der Bietigheimer Joschka Hackl. Seit eineinhalb Jahren organisiert er die ehrenamtliche Suche nach der vermissten Scarlett.

Stuttgarterin wird zur Heldin - Familie des Mädchens steht noch immer mit ihr in Kontakt

Eine junge Frau eilte Sarah Jacoby zu Hilfe und rief die Polizei. Ein anderer Passant nahm sofort die Verfolgung des Täters auf, verlor ihn jedoch kurze Zeit später aus den Augen. Die Polizei suchte die Umgebung ab. Da der Mann plötzlich verschwunden war, gingen sie davon aus, dass er in einem der umliegenden Häuser sein könnte. Mittels der Personenbeschreibung und Befragung durch die Polizei gelang es den Beamten, den Täter ausfindig zu machen - in seiner Wohnung ganz in der Nähe.

Wenig später traf auch der Vater des Mädchens am Ort des Geschehens ein. „Aus der Situation heraus ist eine nette Freundschaft entstanden“, erzählt Sarah Jacoby. Sie und die Familie des Mädchens haben noch immer regelmäßigen Kontakt, treffen sich hin und wieder. „Ich glaube, das wird auch ein Leben lang so bleiben.“

Der Täter kam wegen versuchter Entführung und wegen eines möglichen geplanten Missbrauchs vor Gericht. Dort wurde seine verminderte Schuldfähigkeit festgestellt. Das Gericht verurteilte ihn zu einem Jahr und drei Monaten, die er zurzeit in der Psychiatrie absitzt.

Die Verleihung des „XY-Preises“ des ZDF findet im Herbst 2022 statt. Auch wenn es für Sarah Jacoby nicht zum Gewinn reichen sollte: Das Wissen, dass sie durch ihren Einsatz ein kleines Mädchen vor Schlimmerem bewahren konnte, ist viel mehr wert.

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