Schriftzüge auf Fußwegen

Abrechnung mit „inkompetenten Rauchern“ sorgt in Stuttgart für Aufsehen

Ein Mann zündet sich eine Zigarette an
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Ein Stuttgarter Verein rechnet mit „inkompetenten Rauchern“ ab.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Hat Stuttgart ein Kippenproblem? Eine Initiative gegen weggeworfene Zigarettenfilter findet das jedenfalls - und macht jetzt deshalb mit Schriftzügen in der Stadt darauf aufmerksam.

Stuttgart - Der Filter einer Zigarette ist gerade einmal wenige Millimeter lang. Unachtsam nach dem Rauchen auf die Straße geworfen, können die Plastikreste der Umwelt aber ziemlich schaden. Auch in der Landeshauptstadt Stuttgart finden sich bei genauerem Hinsehen immer wieder die kleinen Stummel auf dem Asphalt, selbst in unmittelbarer Nähe zu Aschenbechern. Geht es nach einer Initiative, ist die Umweltverschmutzung durch Kippen in der Schwabenmetropole zu groß.

Aus diesem Grund prangen derzeit an mehreren Orten in der Stadt Schriftzüge auf dem Boden, die auf die Verschmutzung durch die Filter hinweisen. „Kippenfilter sind aus Plastik #stopptdiekippenflut“ ist auf den Gehwegen zu lesen. Verantwortlich für die Aktion ist der Verein CleanUP Network aus Stuttgart: „Wir wollen damit unbewusst inkompetente Raucher erreichen und ihnen die Probleme durch weggeworfene Kippen aufzeigen“, sagt Thomas Venugopal, der Gründer des Vereins, im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung.

Stuttgart: Die Schriftzüge soll auf die Schädlichkeit der Zigarettenfilter hingewiesen werden

Mit den Schriftzügen soll auf die Schädlichkeit von weggeworfenen Kippen hingewiesen werden, so Thomas Venugopal weiter. Im Internet erreiche der Verein lediglich die Leute, die sich bereits mit Umweltschutz beschäftigten. „Aus diesem Grund versuchen wir, durch die Schriftzüge auch offline Aufmerksamkeit zu sammeln“, so Venugopal.

Sein Verein, der sich gegen die Umweltverschmutzung durch Müll einsetzt, hat über 50 Schriftzüge in der Stadt verstreut und will die Zahl in der kommenden Woche noch weiter steigern. Auch jenseits der Stadtgrenzen finden sich die Schriftzüge. Verteilt wurden die dafür nötigen Schablonen an 50 weitere Initiativen im Deutschland, welche die Aktion bundesweit umsetzen sollen.

In Stuttgart wurde das Bußgeld für die Entsorgung von Kippen auf dem Boden erhöht

Obwohl das Bußgeld für das Entsorgen von Kippen auf dem Boden erst 2019 erhöht wurde und mittlerweile 103,50 Euro kostet - umgerechnet rund 14 Zigarettenschachteln - hat sich die Zahl derer, die mit dem entsprechenden Bußgeld verwarnt wurden, seither mehr als verdoppelt. Nach Angaben der Stadt seien vom Amt für Umweltschutz 2019 gegen 136 Personen und 2020 gegen 357 Personen ein Verfahren eingeleitet worden. Tatsächlich werden aber weitaus mehr Kippen auf der Straße entsorgt, als es die Zahl der verwarnten Personen widerspiegeln könnte. „Die Anzahl ist kaum zu glauben, bei so viele Kippen wie wir bei unseren Clean Ups immer finden“, sagt Thomas Venugopal.

Die Zigarettenfilter sind nicht das einzige Müllproblem, das die Landeshauptstadt hat. So wurde beispielsweise Anfang des Jahres wegen Corona in Stuttgart das Altpapier nicht mehr abgeholt. Auf der anderen Seite wirkt sich die Corona-Situation durchaus auch positiv auf das Müllaufkommen aus. So sparte laut den Berechnungen eines Experten Deutschland aufgrund des ausgefallenen Silvester-Feuerwerks rund 3.500 Tonnen Müll.

In den Zigarettenfiltern steckt Mikroplastik, was schädlich für die Umwelt ist

Wie auch die Knallkörper zu Neujahr, die viel Feinstaub verursachen, sind auch die meist orangefarbenen Stummel der Zigaretten, die auf der Straße landen, gefährlich für die Umwelt. Grund dafür ist das Celluloseacetat, das die Filter beinhalten. Mit reiner „Cellulose“, der Pflanzenfaser, ist das nicht zu verwechseln - sonst wäre es ein biologischer Stoff. Celluloseacetat ist ein chemisch verändertes Produkt, das sich mit der Zeit zu Mikroplastik verändert und so umweltschädigend wird.

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