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Hitzlsperger: Kritik an Spielern wegen Katar, aber auch Verständnis

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Thomas Hitzlsperger
Der ehemalige Fußball-Profi Thomas Hitzlsperger bedauert, dass die Nationalspieler nicht klar Position zur Fußball-WM und zu dessen umstrittenen Gastgeber Katar Position beziehen.  © Marijan Murat/dpa

Es geht um das Verhalten aktueller Profis in der Katar-Frage. Thomas Hitzlsperger weiß: Das Umfeld will meist vermeiden, dass die Stars anecken.

Berlin (dpa/red) - Der ehemalige Fußball-Profi Thomas Hitzlsperger bedauert, dass die Nationalspieler nicht klar Position zur Fußball-WM und zu dessen umstrittenen Gastgeber Katar Position beziehen. Zugleich zeigte er in einem Interview mit der „Zeit“ auch Verständnis für die Zurückhaltung seiner früheren Berufskollegen. Für die ARD-Reportage „Katar - warum nur?“ hatte der 40-Jährige unter anderen mit National-Torwart Manuel Neuer und Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan über die WM und Katar gesprochen.

„Das sind hochanständige Jungs, im privaten Gespräch offen und zugänglich. Sobald die Kamera läuft, lassen sie Vorsicht walten, zum Beispiel mit Statements wie: ‚Ja, wir sind für die Einhaltung der Menschenrechte‘“, sagte Hitzlsperger. „Die Diskussionen rund um diese WM strengen sie sichtlich an, daher bleiben am Ende oftmals nur Allgemeinsätze.“

Er hatte auch im Rahmen einer Informationsveranstaltung des DFB-Teams zu den Spielern gesprochen. „Ich war per Video zugeschaltet. Eine Reaktion habe ich leider nicht bemerkt“, berichtete der frühere Vorstandschef des VfB Stuttgart.

Hitzlsperger kritisiert Nationalspieler: „Es geht darum, die Karriere nicht zu gefährden“

„Sie werden das schon zur Kenntnis genommen haben, aber am Ende sind Spieler umgeben von ihrem engen Beraterumfeld. Dort wird oftmals bestimmt, was sie wann sagen, welche Botschaften sie senden“, meinte er weiter. „Und – das weiß ich aus meiner eigenen Profizeit – dieses Umfeld ist an einer solchen Positionierung nur selten interessiert.“ Es gehe darum, „möglichst nicht anzuecken, um die Karriere und alles, was damit verbunden sein könnte, nicht zu gefährden“. 

Kritik übte Hitzlsperger am Fußball-Weltverband. Die Umstände, unter denen diese WM stattfinde, seien skandalös. „Die FIFA ist das Grundproblem. Sie hat Katar bestellt, sie hat Katar bekommen und wundert sich nun über die Kritik“, sagte er. „Und sie hat es sich richtig was kosten lassen. Wenn im Rahmen der FIFA-PR berühmte Ex-Fußballer wie David Beckham für Honorare in Millionenhöhe zusammen mit FIFA-Chef Gianni Infantino durch die Welt reisen, um den Leuten zu erklären, wie toll das alles war und ist in Katar, dann ist das obszön.“

Hitzlsperger wird während der WM vom 20. November bis 18. Dezember als ARD-Experte neben Nationaltorhüterin Almuth Schult und 2014-Weltmeister Sami Khedira die Spiele und das Geschehen in dem Emirat von Deutschland aus analysieren. Seine Reportage läuft am kommenden Montag (20.15 Uhr) im Ersten im Rahmen eines Thementages. 

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