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Kurze Turnanzüge sind problematisch: Spanner, Tamponbändchen, nackter Po

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Von: Sina Alonso Garcia

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Turnen: Weltcup, 44. Internationales Turnier der Meister, Finale Frauen: Turnerin Kim Bui aus Deutschland turnt am Stufenbarren.
Während ihrer Kür zeigen Turnerinnen häufig mehr Haut, als ihnen recht ist (Symbolbild). © Monika Skolimowska/dpa

Eigentlich sollten sich Turnerinnen beim Wettkampf nur auf ihre Übung konzentrieren können. Stattdessen zuppeln sie oft an ihren kurzen Anzügen - aus Angst, dass er verrutschen könnte. Vereine sollten umdenken und den Sportlerinnen lange Anzüge ermöglichen, findet unsere Autorin.

Stuttgart - 2021 haben es die Turnerinnen der Nationalmannschaft vorgemacht - nun ist mit dem KSV Hoheneck (Kreis Ludwigsburg) erstmals eine Vereinsmannschaft in Deutschland nachgezogen: Ende Mai 2022 präsentierte sich der KSV zum ersten Mal in langen Anzügen und setzte damit ein wichtiges Zeichen gegen Sexismus im Sport. „Der Turnsport lebt von Spagaten und gespreizten Beinen“, sagte KSV-Trainerin Uta Ziegler im Gespräch mit BW24. „In den kurzen Anzügen, die ja ähnlich sind wie Badeanzüge, fühlen sich die Mädchen einfach nicht wohl.“ Immer wieder habe der Verein die Presse gebeten, unvorteilhafte Bilder zu löschen oder zurückzuhalten. „Es waren Sachen zu sehen, die nicht an die Öffentlichkeit gehören“, so Ziegler. Auch gegenüber op-online.de berichteten Turnerinnen von unangenehmen Situationen mit Spannern, Tamponbändchen und nacktem Po. Ich finde: Das muss aufhören!

Was mich an der Sache besonders stört: Wenn ein Anzug bei einer Übung verrutscht, dürfen die Sportlerinnen ihn nicht wieder zurechtziehen - falls sie es doch tun, gibt es Punkteabzug. Einerseits verstehe ich, dass Bewegungen, die von der eigentlichen Kür abweichen, negativ gewertet werden. Andererseits verstehe ich jede Turnerin, die lieber Punkteabzug riskiert, als ihren blanken Hintern dem gesamten Publikum in der Sporthalle zu zeigen, wo womöglich noch zahlreiche Bekannte sitzen. Nicht zu vergessen Fotografen, die an allen Ecken und Enden lauern.

Kurze Anzüge im Turnen: Vereinsmannschaften sollten Sportlerinnen die Wahl lassen

Dass sich Profisportlerinnen aus der ganzen Welt in den vergangenen Jahren vermehrt gegen die bestehende Kleiderordnung zur Wehr setzen, ist nachvollziehbar und richtig. Ich finde: Auch Vereinsmannschaften sollten jetzt diesen Schritt gehen und über eine mögliche Finanzierung von längeren Anzügen zumindest nachdenken. Das heißt nicht, dass die Sportlerinnen, wenn sie möchten, nicht auch in kurzer Montur turnen können. Es wäre schön, wenn lediglich die Möglichkeit bestünde, auf Wunsch ein langes Dress auszuwählen.

„Ich kann eigentlich gar nicht glauben, dass wir der einzige Verein in der Bundesliga sind, der die langbeinigen Anzüge umgesetzt hat“, sagt KSV-Hoheneck-Trainerin Uta Ziegler. Tatsächlich gibt es in der gesamten schwäbischen Turnliga - der größten Liga in Deutschland - keinen einzigen Verein außer Hoheneck, der in langer Montur turnt. „Klar mussten sie sich an den neuen Anzug erstmal gewöhnen - er ist etwas wärmer als der kurze Anzug. Gleichzeitig ist der Stoff aber auch sehr dünn - und das Wohlbefinden der Mädels vor und nach der Übung wiegt schwerer als jedes Argument für einen kurzen Anzug“, so Ziegler.

Kurze Anzüge im Turnen: Wer die Debatte nicht kapiert, hat von Sexismus nichts verstanden

Bei einem so präzisen Sport wie dem Turnen, bei dem jede Abweichung einer Figur zu Punkteabzug führt, sollte man es den Sportlerinnen nicht unnötig schwer machen. Vielleicht wurde das Konzept des kurzen Anzugs so lange nicht hinterfragt, weil man es schlichtweg als gegeben angesehen hat. Das Beispiel Hoheneck sowie das der deutschen Nationalmannschaft zeigt aber, dass es genauso gut möglich ist, seine Übung in langer Montur zu absolvieren. Wer jetzt ernsthaft sagt, die Turnerinnen sollen sich nicht so anstellen und sich direkt eine „Sportburka“ überstülpen - tatsächlich finden sich in sozialen Medien Kommentare in diese Richtung - hat von Sexismus nicht den blassesten Schimmer und ist Teil des Problems.

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