Nationalmannschaft

Bayern-Aus beeinflusst Löw: Mehr Zeit für Müller-Comeback

Joachim Löw
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Bundestrainer Joachim Löw kann nun vor der EM früher mit den Bayern-Profis planen.

Natürlich hätte sich auch Bundestrainer Löw über weitere Erfolge der Bayern in der Königsklasse gefreut. Das Aus der Münchner beeinflusst nun seine EM-Pläne - was sich noch als positiv erweisen könnte.

Berlin (dpa) - Der bittere K.o. des FC Bayern in der Champions League wirkt sich auch auf die Fußball-Nationalmannschaft aus - und auf ein mögliches DFB-Comeback von Thomas Müller.

Der Münchner Weltmeister von 2014 könnte bei einer Rückkehr in den Kader von Joachim Löw nun die komplette Vorbereitung des DFB-Kaders auf die Europameisterschaft mitbestreiten - ein weiteres Argument für eine Rückholaktion. Am 25. Mai versammelt der Bundestrainer sein Aufgebot zum Trainingslager im österreichischen Seefeld.

Bei einem Einzug ins Champions-League-Finale am 29. Mai in Istanbul hätten die Münchner Profis die erste Phase der Turnier-Vorbereitung komplett verpasst. Das trifft auch auf den Dortmunder Mats Hummels zu. «Es ist wichtig für uns, dass wir dann mal 14 Tage am Stück zusammen sind. Das wird uns helfen», hat Löw deutlich gemacht.

Vor dem EM-Start am 11. Juni stehen für das zuletzt in der WM-Qualifikation gegen Nordmazedonien enttäuschende DFB-Team noch zwei Testspiele an: am 2. Juni gegen Dänemark und am 7. Juni gegen Lettland. Für Müller sowie Hummels und Rückkehrer-Außenseiter Jérôme Boateng (FC Bayern) wäre die Vorbereitung zur Wiedereingliederung besonders wertvoll. Löw hatte das Trio im März 2019 mit Hinweis auf den Neuaufbau als Nationalspieler aussortiert.

Vor dem Königsklassen-K.o. bei Paris Saint-Germain hatte der 31 Jahre alte Müller auf die Frage zum Thema DFB-Comeback und dem Zeitpunkt, wann er es wissen müsse, gesagt: «Dieses Thema hat mindestens bis Ende April beziehungsweise für den Mai locker Zeit.» Aktuell habe er «ganz andere Dinge im Kopf», ergänzte der 100-malige Nationalspieler mit Verweis auf die Ziele mit dem FC Bayern. Nach dem knappen Viertelfinal-Aus in der Königsklasse und dem frühzeitigen Ausscheiden im DFB-Pokal wollen die Münchner zumindest den Meistertitel sichern.

Müller hätte «großen Spaß», im Sommer mit der Nationalelf nach dem EM-Titel zu jagen, hat der Routinier selbst schon betont. Die historischen Blamagen der Löw-Mannschaft in Spanien (0:6) und gegen Nordmazedonien (1:2) haben die Rufe nach einer Rückkehr vor allem von Müller und Hummels nochmals vermehrt und verstärkt.

Der Bundestrainer wollte sich bisher nicht festlegen. «Wir werden alles noch mal analysieren. Was war? Was braucht die Mannschaft. Und dann werden wir Entscheidungen treffen», hatte Löw zuletzt beim Hinspiel der Bayern gegen Paris Saint-Germain bei Sky erklärt, aber auch verraten: «Manche Dinge habe ich schon im Kopf. Was ist für das Turnier das Beste für diese Mannschaft, um erfolgreich zu sein?»

Der 61-Jährige will am 18. oder 19. Mai die 20 Feldspieler und drei Torhüter für seine letzte Mission als Bundestrainer benennen. Nach der EM gibt Löw seinen Job nach 17 Jahren bei der Nationalmannschaft auf - ein Jahr vor Vertragsende. Rücksichten etwa auf perspektivische Aspekte auch in personellen Fragen will er nicht mehr nehmen.

Ein großer Bayern-Block bei der EM, dem sehr gut acht Spieler angehören könnten, wäre schon in der Hammer-Vorrundengruppe mit Frankreich, Portugal und Ungarn als eingespieltes Gerüst wichtig. Und Löw konnte sich zuletzt auch persönlich in der Münchner Arena davon überzeugen, dass die erfolgshungrige Bayern-Generation um Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Serge Gnabry und Leroy Sané dem Antreiber Müller noch immer total folgt. «Und wenn wir etwas Zeit haben, dann werden wir da schon auch Konstanz reinbringen und die richtigen Dinge anpacken», sagte Löw. Die Zeit gibt es jetzt auch für und mit Müller.

© dpa-infocom, dpa:210414-99-199061/3

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