Neue MS-Studie

Bahnbrechende Entdeckung: Infektion mit weit verbreiteten Viren triggert die Entwicklung von Multipler Sklerose

Schwindel und Gangunsicherheiten sind Symptome der Nervenkrankheit MS.
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Schwindel und Gangunsicherheiten sind Symptome der Nervenkrankheit MS.
  • Juliane Gutmann
    VonJuliane Gutmann
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Eine neue US-Studie hat einen Zusammenhang zwischen der Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus und MS nachgewiesen. Was das bedeutet, erfahren Sie hier.

Sehstörungen, Schwindel, Kribbeln auf der Haut, Unsicherheit beim Gehen bis hin zu Depressionen und Lähmungen: Multiple Sklerose* ist eine Nervenkrankheit, die meist bereits im frühen Erwachsenenalter beginnt. Es entstehen Entzündungsherde im Gehirn, die das zentrale Nervensystem beeinträchtigen. Dieses hat verschiedene wichtige Aufgaben, kontrolliert etwa das Zusammenspiel von Körperhaltung und Bewegung, steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus, ermöglicht sprechen und lässt uns Erinnerungen und Erfahrungen im Gedächtnis speichern.

All diese Funktionen können bei MS-Patienten so weit eingeschränkt sein, dass sie ihren Alltag nicht mehr alleine meistern können. In Deutschland leben dem Bundesverband Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (dmsg) zufolge mehr als 252.000 MS-Erkrankte. Jährlich werde die Krankheit bei mehr als 15.000 Menschen neu diagnostiziert. Frauen sind der dmsg zufolge doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Die Ursachen für eine MS-Erkrankung sind nicht endgültig geklärt. Wie das Portal Neurologen und Psychiater im Netz informiert, spielen erbliche Faktoren wie auch äußere Einflüsse (etwa Virusinfektionen, Rauchen und Vitamin-D-Zufuhr) eine Rolle. US-Forscher haben jetzt untersucht, wie sich die Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus, die Pfeiffersches Drüsenfieber zur Folge haben kann, auf die Entstehung von MS auswirkt.

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Virusinfekt als Auslöser von Multipler Sklerose

Ein wesentliches Studienergebnis: Das Risiko, an Multipler Sklerose zu erkranken, war nach einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) um das 32-fache erhöht. Die US-Forscher, die ihre Studie auf dem Fachportal Science veröffentlicht hatten, gehen noch weiter. Ihnen zufolge deuten die Studienergebnisse auf „EBV als Hauptursache für MS hin“.

Die groß angelegte Studie umfasste eine Teilnehmerzahl von rund 10 Millionen jungen Erwachsenen im aktiven Dienst des US-Militärs. Während des 20-jährigen Studienzeitraums dokumentierten die Forschenden 955 MS-Fälle, bei denen sie mithilfe von Blutproben bestimmen konnten, ob und wann diese eine EBV-Infektion hatten. Wie der Spiegel weiter berichtete, wurden die Daten der MS-Patienten mit einer Vergleichsgruppe bestehend aus möglichst ähnlichen Militärangehörigen ohne Multiple Sklerose verglichen.

„Die Stärke des Papers liegt in der sehr großen Zahl von über zehn Millionen beobachteten Menschen und in der Länge der Studie von etwa 20 Jahren. Damit ist sie die bis jetzt überzeugendste Studie auf dem Gebiet und zeigt eindeutig, dass sich MS ohne EBV-Infektion beinahe nicht entwickeln würde“, zitiert der Spiegel Henri-Jacques Delecluse vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), der an der Studie nicht beteiligt war.

Behandlung von MS: Impfung möglich?

Die Studienergebnisse könnten die MS-Therapie enorm voranbringen. So wird etwa eine Impfung gegen Epstein-Barr-Viren diskutiert, die allerdings noch nicht auf dem Markt ist. Vielversprechender als eine Impfung erscheine Delecluse zufolge, die EBV-infizierten B-Zellen zu beseitigen, informiert der Spiegel. (jg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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