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Praxistest V60 Cross Country: Was kann der Naturbursche von Volvo?

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Von: Rudolf Bögel

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Volvo V60 Cross Country Gelände Front Dreck
Quer durchs Land über Stock und Stein - der Cross Country von Volvo verfügt über rudimentäre Geländefähigkeiten. © Volvo

Der V60 Cross Country zählt zu den Naturburschen unter den Volvo-Modellen. Kernig ist auch der Diesel, der noch im Angebot ist. Doch kann er sein Verbrauchs-Versprechen halten?

BMW-Touring zu teuer, VW-Variant zu langweilig? Trotzdem soll es ein Kombi sein – aber keiner von der Stange? Dann kommt Volvo* ins Spiel. Die Schweden mischen in diesem Segment gerade mal etwas mehr als ein Jahrzehnt mit – bieten bei den Mittelklassekombis mit dem V60 jedoch eine echte Alternative. Die Schweden-Zigarre auf vier Rädern gibt es auch als Cross-Variante für Jäger, Förster oder Menschen, die weitab vom Schuss wohnen und häufig auf Feld- und Waldwegen unterwegs sind. Oder schlicht für Kunden, die das rustikale Äußere (eigener Kühlergrill, breitere Radhäuser) und die größere Bodenfreiheit von insgesamt 21 Zentimetern (und damit um sechs Zentimeter mehr als beim herkömmlichen Modell) schätzen. Allrad ist beim Cross Serie, nämliches gilt für das Achtgang-Automatik-Getriebe, das sowohl Benziner als auch Diesel antreibt.

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Volvo V60 Cross Country: Jedes PS mehr kostet 10 Euro

Beide Maschinen sind Vierzylinder, beide haben einen Hubraum von knapp zwei Litern und beide werden von einer E-Maschine unterstützt, die beim Fahren den kleinen Akku an Bord auflädt. Der Benziner hat 250 PS, der Diesel nur 197, weshalb der eine den Spurt von 0 auf Tempo 100 in 6,8 Sekunden bewältigt, der Selbstzünder braucht dazu 8,2 Sekunden. In beiden Fällen boostert die 14-PS-E-Maschine mit. Welches Aggregat man von den beiden wählt – ist zumindest vom Preis her fast egal. Der Benziner kostet in der Grundausstattung 500 Euro mehr, das sind für jede Pferdestärke rund zehn Euro. Weniger Leistung - dafür spricht für den Diesel der Verbrauch, der soll sich zumindest auf dem Papier um die sechs Liter bewegen, beim Benziner sind es knapp acht Liter. Wir sind gespannt

Volvo V60 Cross Country Cockpit
Im Inneren des Kombis herrscht ruhige Nüchternheit. Wer auf Bling Bling steht, der ist beim Volvo V60 falsch. © Volvo

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Diesel fahren, so lang man Diesel fahren kann

Wir haben uns für den Diesel entschieden – wir fahren Diesel, solange es Diesel noch gibt. Macht ja auch Spaß, wenn der Motor kernig schnurrt und das Drehmoment von unten heraus wuchtig anschiebt. Da kann man es auf den Straßen immer entspannt angehen. Und wenn es notwendig ist, dann genügt ein leichter Druck auf das Gaspedal und der Tiger spurtet los. Ob Stadtverkehr oder Autobahn – der Diesel ist eine kommode Sache. Sollte er eigentlich auch beim Verbrauch sein. Aber vielleicht hat das Gasgeben bei unserer Testfahrt einfach zu viel Spaß gemacht, denn mit den prognostizierten sechs Litern sind wir nicht ausgekommen, es war mit knapp acht Litern deutlich mehr. Vielleicht lag es aber auch am relativ hohen Autobahnanteil. Wenn es der Verkehr hergab, haben wir die von Volvo freiwillig gedeckelte Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h voll ausgeschöpft. So eine Selbstverpflichtung, sei es aus Sicherheitsgründen oder weil man damit eine hohe publizistische Aufmerksamkeit erreichen wollte, ist ja grundsätzlich kein Problem. Die Momente, in denen man sich frei auf einer deutschen Autobahn bewegen kann, sind ja rar. Kritiker fühlen sich damit aber an das Oberlehrer-Image erinnert, das früher an Volvo pappte wie warmer Teer. Apropos: Wer diesen V60 sein Eigen nennt, kann selbst das Tempolimit bestimmen, wenn er sein Auto an Familienmitglieder oder Fahranfänger verleiht. Mit dem orangefarbenen Care Key wird das Tempo so getoppt, wie man das will.

Volvo V60 Cross Country Seite hinten
Ein Kombi für Förster, Waldarbeiter oder für Menschen, die es in der Freizeit in die Wildnis zieht - das will der Cross Country sein. © Volvo

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V60 - sicher, auch wenn es steil und rutschig wird

Das Fahrwerk des V60 ist typisch Volvo. Am liebsten, komfortabel aber keineswegs so weich gefedert, dass man sich wie die sprichwörtliche Prinzessin auf der Erbse fühlt. Der Cross Country will gemütlich bewegt werden, das ist ein Langstreckenläufer mit Geländefähigkeiten. Wenn es sein muss, huscht er auch flott um die Kurven, die eher unwirsche Rückmeldung der Lenkung zeigt jedoch, wie ungern er das tut. Mit dem intelligenten Allrad-Antrieb, der die Kräfte je nach Bedarf zwischen den Achsen verschiebt und der größeren Bodenfreiheit dürfte der Volvo für die Durchschnittsanforderung europäischer Nebenstrecken durchaus geeignet sein. Und wenn es mal rutschig und steil werden sollte – dann hat der Cross Country auch noch die serienmäßige Bergabfahrhilfe an Bord.

Volvo V60 Cross Country Detail Lautsprecher
Stoff, Aluminium, Leder - das Interieur des Volvo V60 besteht aus Grau- und Schwarztönen. © Volvo

V60 Cross Country: Und das sind die Kritikpunkte

So weit so solide – zwei Punkte haben uns am V60 Cross Country am Ende gestört. Die Digital-Architektur ist zwar von der Hardware völlig in Ordnung mit dem zentral angeordneten 12,3 Zoll-Display. Von der Größe her völlig ausreichend, allerdings von der Bedienung her wirkt das alles ein wenig angestaubt und bieder. Digital Natives dürften in diesem System nicht daheim sein. Dazu ist es zu wenig verspielt. Es hat, was man braucht. Mehr aber auch nicht. Beispiel: Gespielter Titel und Bandname beim Digital-Radio – Fehlanzeige. Und auch bei der Sprachassistenz hapert es. Da muss man schon hart gesotten sein, wenn die herrische und missmutige Damenstimme aus dem Lautsprecher tönt. Für devote Zeitgenossen vielleicht ein Spaß, für alle anderen ist das abgehackt klingende Organ eine Zumutung. Zumindest funktioniert die Spracherkennung in aller Regel, hier hat sich bei Volvo zumindest bei der Software einiges verbessert.

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Lademeister oder doch nur Vizemeister?

Zweiter Kritikpunkt: Beim Kofferraum muss der Cross-Country im Vergleich zu anderen Kombis wie Audi A4 oder VW Passat Federn lassen. Mit dem Avant aus Ingolstadt liegen die Schweden in etwa gleichauf, mit leichten Vorteilen für Audi (1510 Liter und damit 70 Liter mehr im umgeklappten Zustand). Gegen den Variant von VW hat der Volvo keine Chance. Hier stehen mit 650 rund 120 Liter mehr zur Verfügung, umgeklappt wächst der Abstand um über 340 Liter zum Klassenprimus. Wer also viel zu transportieren hat, muss sich überlegen, ob der V60 die richtige Kragenweite hat.

Technische Daten Volvo V60 Cross Country B 4 Mild Hybrid Diesel AWD

Rudolf Bögel *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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