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Vertrauter Flur, bekanntes Amt: Petra Olschowski neue Ministerin

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Staatssekretärin Olschowski
Petra Olschowski wird Baden-Württembergs Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst. © Christoph Schmidt/dpa

Theresia Bauer hat sich für einen Amts- und Ortswechsel entschieden. Die langjährige Wissenschaftsministerin will Heidelberger Oberbürgermeisterin werden. Ihre Nachfolgerin Petra Olschowski hatte bereits ausreichend Gelegenheit, Bauer über die Schultern zu schauen.

Stuttgart (dpa/lsw) - Um ihr neues Büro zu beziehen, muss Petra Olschowski nur wenige Meter den Flur des Wissenschaftsministeriums hinunter laufen. Seit sechs Jahren hat die Grünen-Politikerin als frühere Staatssekretärin Anschauungsunterricht nehmen können. Nun steigt sie auf der Karriereleiter hinauf und tritt in die großen Fußstapfen ihrer Parteifreundin, der langjährigen Ministerin Theresia Bauer. Keine Überraschung: Die 57-Jährige hat das richtige - das grüne - Parteibuch für den Job, sie ist vom Fach, mit dem Ressort bestens vertraut, sehr gut vernetzt und eine logische Nachfolgerin an der Spitze des Ministeriums.

Bauer will im November Oberbürgermeisterin in ihrer Heimatstadt Heidelberg werden - ohne «Rückfahrschein», wie sie damals betonte. Nun kommt also ihre Staatssekretärin zum Zug: Nach ihrer Ernennung 2016 zunächst vor allem in Kunstdingen unterwegs, hat Olschowski in den vergangenen Jahren Aufgaben und Einfluss Stück für Stück ausgebaut. Die Stuttgarterin, 1965 als österreichische Staatsbürgerin geboren, trat zuletzt zunehmend souveräner auf, sie ist eine führende Stimme geworden in der Debatte um Raubkultur aus der deutschen Kolonialzeit, hat die baden-württembergischen Kultureinrichtungen mehr recht als schlecht durch die Corona-Pandemie gesteuert und kommt stärker als Generalistin daher als zu Beginn.

Auch im Plenum hat die gebürtige Stuttgarterin Einfluss, sie sitzt seit der jüngsten Landtagswahl mit Direktmandat im Parlament. Gleich ihren ersten Wahlkampf hat sie erfolgreich gemeistert. Die studierte Kunsthistorikerin gewann 2021 ihren Wahlkreis im Stuttgarter Osten mit 35,6 Prozent der Stimmen.

Theresia Bauer
Baden-Württembergs ehemalige Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Theresia Bauer will Heidelberger Oberbürgermeisterin werden. © Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Kultur in Stuttgart, das ist von Beginn an der rote Faden in Olschowskis Karriere, eine Herzensangelegenheit. Nach dem Abitur entschied sie sich zunächst für eine Lehre als Einzelhandelskauffrau im Kunsthandel, später studierte sie Kunstgeschichte und Germanistik in Stuttgart und arbeitete mit ihrem später abgelegten Adelsprädikat «von Olschowski» als freie Journalistin, danach auch als Redakteurin. Erfahrungen sammelte sie auch als freie Lektorin für einen Kunstbuchverlag und für die Bundeskunsthalle in Bonn, als Dozentin für Kostümkunde und Kunstgeschichte sowie als Kuratorin von Ausstellungen.

Im Jahr 2002 wechselte Olschowski von der «Stuttgarter Zeitung» als Geschäftsführerin an die Kunststiftung Baden-Württemberg, um dort Förderprogramme zu entwickeln. Acht Jahre später folgte der nächste Schritt: Olschowski wurde erste Rektorin der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Dann kam der Ruf ins Ministerium, dem die Seiteneinsteigerin Mitte 2016 folgte.

Kunst und Wissenschaft, das wollten Bauer und Olschowski von Beginn an zusammenbringen. Die 57-Jährige vereint das als frühere Rektorin und Kunstexpertin in einer Person. Ihre Vorgängerin wird ihr allerdings «große Schuhe» hinterlassen: Seit 2011 im Amt, wurde Theresia Bauer von den Wissenschaftlern im Deutschen Hochschulverbandes viermal zur Wissenschaftsministerin des Jahres gewählt. Als neuer Staatssekretär soll der bisherige Regierungssprecher Arne Braun Zeichen setzen.

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