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„Verfetten“ Kinder wegen lascher Erziehung? Boris Palmer weiß, was ihm damals guttat

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Von: Niklas Noack

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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat sich zur Bewegungsarmut von Kindern geäußert. Dabei verriet er, was ihm persönlich damals gutgetan hatte.

Tübingen – Es ist ein klassischer Vorwurf älterer Generationen gegenüber der Jugend: Kinder würden nicht mehr draußen spielen, stattdessen nur noch zu Hause vor der Playstation sitzen. Doch tatsächlich bewegen sich junge Menschen zu wenig, was sich durch die Corona-Pandemie noch verschlimmerte. So berichtete die Stuttgarter Zeitung zuletzt darüber, dass Kinder immer mehr an Übergewicht, motorischen Defiziten sowie Essstörungen leiden.

Diesen Text nahm jetzt Boris Palmer zum Anlass, um über seine eigene Jugend zu sprechen – und was ihm damals guttat. Unter der Überschrift „Arbeit oder Verfettung?“ schreibt er auf Facebook, wie er als Zehnjähriger seinem Vater auf dem Wochenmarkt geholfen und dort die Sommerferien verbracht hatte.

Boris Palmer hat Arbeit geholfen, um „nicht wegen jedem Wehwehchen zu plärren“

„Das war körperlich anstrengende Arbeit, deutlich mehr als die gesetzlich zulässigen zehn Stunden Höchstarbeitszeit. Mir hat es Spaß gemacht und rückblickend behaupte ich sogar, es hat mir gutgetan und dazu beigetragen, leicht mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Arbeitsethos zu entwickeln und nicht wegen jedem Wehwehchen zu plärren“, führt Palmer aus, der für die Arbeit auf dem Wochenmarkt um drei Uhr nachts aufstehen musste.

Oberbürgermeister Boris Palmer bei der Einweihung eines Spielplatzes
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer plauderte über seine Kindheit. © IMAGO/ULMER Pressebildagentur

Dinge, die aus rechtlicher Sicht schwierig sind. Das weiß auch Tübingens OB Palmer und sagt: „Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann ist das nach heutigen Sensibilitätsmaßstäben wahrscheinlich Menschenrechtsverletzung in Verbindung mit Unterschreitung des Mindestlohns und Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz.“

Im Netz geben viele den sogenannten „Helikopter-Eltern“ die Schuld für die wenige Bewegung

Allerdings zweifelt Palmer in seinem Post daran, wie genau man die Regeln nehmen sollte. Dazu schreibt er: „Wenn ich dagegen nun lese, wie viele Kinder daheim verfetten, unter bester Beachtung aller Vorschriften und Kinderrechten, dann frage ich mich schon, ob da nicht etwas grundlegend falsch läuft in unserer Gesellschaft.“

Äußerungen, für die Palmer im Netz viel Zustimmung bekommt. Jemand kommentiert: „Das Verfettungsproblem von Kindern fängt doch oft schon bei deren bewegungsarmen und bewegungsscheuen Eltern an, die ihre Kinder überall hinkarren und selbst ein Dasein vorleben, das sich zwischen Sofa, Fernseher, Auto und Esstisch bewegt.“ Ein anderer spricht ebenfalls von „Helikopter-Eltern“, die ihre „Sprösslinge ein paar hundert Meter weit in die Schule bringen.“ Derweil ist sich ein weiterer Facebook-Nutzer sicher: „Es hat noch nie einem Kind oder Jugendlichen geschadet, mitanzupacken.“

Ob die Lösung für die mangelnde Bewegung von Kindern jetzt wirklich Arbeit sein sollte, ist jedoch fraglich. Gesünder wäre es aber allemal, wenn Jugendliche statt zu schuften oder Playstation zu spielen, tatsächlich in den Wald gehen und ein Baumhaus bauen würden.

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