1. bw24
  2. Politik

„Verhandlungen unmöglich“: Selenskyj warnt vor Schauprozess gegen Kriegsgefangene

Erstellt:

Von: Tobias Utz, Karolin Schäfer, Nadja Austel, Sophia Lother, Christian Stör, Andreas Apetz

Kommentare

Erneut schießt die russische Luftabwehr auf der annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim auf Ziele am Himmel: der News-Ticker am Montag, 22. August.

+++ 08.00 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat vor einem Schauprozess gegen Soldaten in russischer Kriegsgefangenschaft gewarnt. Wenn Russland ein solches Tribunal gegen ukrainische Gefangene organisiere, dann sei das eine „Linie“, nach der keine Verhandlungen mehr möglich seien. Das sagte Selenskyj in seiner in der Nacht zum Montag verbreiteten Videobotschaft. Er bezog sich auf Medienberichte, nach denen in der von moskautreuen Separatisten und russischen Truppen in der eingenommenen Hafenstadt Mariupol ein solcher Gerichtsprozess geplant werde. Selenskyj kritisierte das Verfahren als „ekelhaft und absurd“ und als Verstoß gegen alle internationalen Rechtsnormen. „Russland schneidet sich selbst von den Verhandlungen ab“, sagte er.

Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj warnt im Ukraine-Krieg vor Schauprozess gegen ukrainische Kriegsgefangene. © -/kyodo/dpa

Update vom Montag, 22. August, 06.05 Uhr: Über der Krim ist laut Behördenangaben ein ukrainischer Angriffsversuch abgewehrt worden. Die russische Flugabwehr habe „Objekte“ getroffen, die im Anflug auf den Militärflugplatz Belbek bei Sewastopol gewesen seien, schrieb der Verwaltungschef der Stadt, Michail Raswoschajew, auf Telegram. Auf der völkerrechtlich zur Ukraine gehörenden, aber von Russland annektierten Krim kam es zuletzt immer wieder zu teils schweren Explosionen, darunter in einem Munitionslager. Die Ukraine hatte das mit Genugtuung aufgenommen, allerdings nicht die Verantwortung für die Detonationen übernommen.

News zum Ukraine-Krieg: Charkiw in der Schusslinie

+++ 22.38 Uhr: Charkiw gerät abermals in die Schusslinie im Ukraine-Krieg. Russland bombardierte am Sonntagabend offenbar erneut die einstige Millionenstadt im Osten des Landes. Das teilte der Bürgermeister der Metropole, Ihor Terechow, am Abend bei Telegram mit. „Raketenangriff auf das Kyivskyi-Viertel“, schrieb Terechow. Insgesamt drei Raketen hätten die Stadt getroffen, in zwei Gebäuden sei ein Feuer ausgebrochen, darunter ein Wohnhaus.

Auch in der Region Dnipropetrowsk gingen die Kämpfe weiter. Russische Soldaten griffen Selenodolsker Hromada, eine fusionierte Gebietsgemeinschaft, an, schrieb Mykola Lukaschuk, Ratsvorsitzender der Region, bei Telegram. Eine 59-jährige Frau starb bei dem Angriff, sechs Personen wurden verletzt, darunter auch ein Kind. „Die russischen Besatzungstruppen terrorisieren weiterhin unsere Hromada“, zitiere das Nachrichtenportal pravda.com Lukaschuk. Dabei würde Russland Raketensysteme mit mehreren Abschüssen verwenden. Infolgedessen wurden offenbar mehrere Wohngebäude und ein Kindergarten beschädigt.

+++ 20.05 Uhr: Ukrainischen Medienberichten zufolge sollen in zwei Städten Explosionen auf der von Russland besetzten Krim gemeldeten worden sein. Dabei handele es sich der Nachrichtenagentur Kyiv Independent zufolge um die Städte Jewpatorija und Saky. Einheimischen ordneten die Explosionen der russischen Luftverteidigung zu.

Ukraine-News: Russland erhöht Zahl der Raketenträger im Schwarzen Meer

+++ 18.15 Uhr: Vor dem ukrainischen Unabhängigkeitstag am 24. August hat Russland die Zahl der Raketenträger im Schwarzen Meer erheblich erhört, teilte die ukrainische Journalistin Natalia Humeniuk in einer TV-Sendung mit. „Wir beobachten, dass sie die Zahl der Raketenträger im Schwarzen Meer erheblich erhöht haben“, so Humeniuk. Fünf Träger mit Kalibr-Marschflugkörpern an Bord, darunter U-Boot-Träger, seien im Wasser unterwegs, berichtete das Nachrichtenportal pravda.com unter Berufung auf Humeniuk. Der ukrainischen Regierung zufolge seien das letzte Mal fünf Raketenträger Anfang August im Schwarzen Meer registriert worden.

Zudem rechnet Humeniuk damit, dass vermehrt russische Truppen an den Frontlinien von Mykolajiw und Cherson stationieren werden würden. In Panik solle man aber nicht verfallen.

+++ 15.08 Uhr: Bewohnerinnen und Bewohner von Sewastopol auf der Halbinsel Krim sollen am Sonntagmorgen gegen 6.33 Uhr offenbar erneut eine Explosion gehört haben, berichtete das Nachrichtenportal pravada.com. Der Nachrichtenagentur Krym.Realiya zufolge hätte es aber keine Anzeichen für eine Luftabwehr gegeben, auch Rauch sei nicht zu sehen gewesen. Die russische Agentur Meduza teilte stattdessen mit, dass nach ihren „vorläufigen Daten“ die Luftabwehr funktioniert habe.

News zum Ukraine-Krieg: Russische Armee zerstört angeblich „HIMARS“-Raketenwerfer

+++ 14.15 Uhr: Das russische Militär hat offen ein Waffenlager der ukrainischen Streitkräfte, in dem sich unter anderem Mehrfachraketenwerfer vom Typ „HIMARS“ befunden haben sollen, zerstört. Das Lager befand sich laut Angaben des russischen Verteidigungsministeriums im Gebiet Odessa. Vonseiten der Ukraine gibt es dazu bislang kein Statement. Die Informationen aus Moskau sind nicht unabhängig überprüfbar.

+++ 13.30 Uhr: Bisher gab es offenbar drei Einsätze von „Kinschal“-Raketen durch die russische Armee im Ukraine-Krieg. Das erklärte Verteidigungsminister Sergej Schoigu im staatlichen Fernsehen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Schoigu bezeichnete die Raketen als „brillant“. Bei allen drei Abschüssen seien „hochwertige Ziele“ getroffen worden. „Kinschal“-Raketen sind Hyperschallwaffen. Sie sind Teil des von Wladimir Putin im Jahr 2018 vorgestellten Arsenals an russischen Raketen. Die Angaben des Verteidigungsministers sind nicht unabhängig prüfbar.

+++ 12.30 Uhr: Igor Girkin, ehemaliger Geheimdienstoffizier und russischer Hardliner, hat den Kurs von Wladimir Putin im Ukraine-Krieg scharf kritisiert. Er veröffentlichte am Freitag (19. August) einen Beitrag, in welchem er sogar seine Bewunderung für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dessen Kurs ausdrückte. Er stellte dies der Situation der russischen Armee gegenüber, wo „am Ende des sechsten Kriegsmonats wie zuvor [die russischen Streitkräfte; Anm. d. Red.] Panzerbiathlons spielen und Festivals mit Militärkapellen veranstalten“. Der Panzerbiathlon ist Teil der Militärparade, die vergangene in Moskau stattfand.

Das britische Verteidigungsministerium reagierte überrascht auf die deutliche Kritik von Girkin an Putin. Das wurde damit begründet, dass Girkin im Jahr 2014 an der illegalen Annexion der Halbinsel Krim beteiligt war und als einer der Anführer der selbsternannten Volksrepublik Donezk gilt: Es handelt sich somit um Kritik aus den eigenen Reihen. Aus dem Kreml gab es bislang keine Reaktion dazu.

+++ 11.45 Uhr: Russland hat einer Statistik des ukrainischen Generalstabs zufolge mehr als 45.000 Soldaten im Ukraine-Krieg verloren. Im Vergleich zum Vortag (Samstag, 20. August) kamen rund 300 Gefallene hinzu. Zudem sind fast 2000 Panzer und fast 200 Helikopter der Streitkräfte zerstört worden. Die Daten im kompakten Überblick.

+++ 10.15 Uhr: Der Leiter des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes (SBU) in der Region Kirowohrad (Zentralukraine), Oleksandr Nakonechny, wurde tot aufgefunden. Das Nachrichtenportal Ukrajinska Prawda berichtet, dass er eine Schusswunde hatte. Nakonechny leitete den Sicherheitsdienst dem Bericht zufolge im Gebiet Kirowohrad seit Januar 2021.

News zum Ukraine-Krieg: Russland verlegt Luftabwehrsysteme nach Belarus

+++ 09.45 Uhr: Laut Angaben des ukrainischen Militärs verlagert die russische Armee ihre Luftabwehrsysteme nach Belarus. Dennoch bestehe weiterhin die Gefahr von Raketenangriffen, auch von belarussischem Territorium aus, heißt es im Lagebericht des Generalstabs am Sonntagmorgen. Die Informationen sind nicht unabhängig prüfbar.

+++ 09.15 Uhr: Russische Truppen haben in der Nacht auf Sonntag abermals die Region Odessa angegriffen. Insgesamt fünf Raketen seien eingeschlagen, berichten lokale Behörden am Sonntagmorgen. Unter anderem wurde demnach ein Getreidesilo getroffen. Dies lässt sich nicht unabhängig verifizieren.

+++ 08.45 Uhr: Die USA wollen der Ukraine offenbar präzisionsgelenkte Munition des Typs „Excalibur“ liefern. Das berichtet das US-Magazin Politico mit Verweis auf eine Quelle, die Teil der Beratungen zum Hilfspaket der Biden-Regierung war. Als Zeitpunkt wurde allerdings lediglich „irgendwann in der Zukunft“ genannt. „Excalibur“-Munition kann laut Bericht mit einer Reichweite von bis zu 70 Kilometern abgefeuert werden.

News zum Ukraine-Krieg: Explosionen in Mykolajiw

+++ 07.45 Uhr: In Mykolajiw sollen sich Explosionen am Sonntagmorgen ereignet haben. Das teilte der Bürgermeister der Stadt, Oleksandr Sienkevych, mit. Er forderte die Bevölkerung auf, sich in Sicherheit zu bringen. Weitere Details nannte er nicht, wie das Nachrichtenportal Kyiv Independent berichtet. Die Informationen sind nicht auf unabhängige Weise prüfbar.

News zum Ukraine-Krieg: Erneut Detonationen rund um Krim gemeldet

+++ 07.00 Uhr: Im Meer vor der Halbinsel Krim soll es in der Nacht zu sechs bis sieben Explosionen gekommen sein. Das berichtete ein Sprecher der Krim-Tartaren, einer ethnischen Minderheit auf der Halbinsel. Es sei Rauch zu sehen gewesen, erklärte Refat Chubarov in einem Statement auf Facebook. Seine Angaben sind nicht unabhängig verifizierbar.

+++ 06.15 Uhr: Russland hat die Ukraine beschuldigt, in der von russischen Truppen besetzten Region Saporischschja zahlreiche russische Soldaten vergiftet zu haben. Am 31. Juli seien mehrere Soldaten mit Vergiftungserscheinungen in ein Militärkrankenhaus gebracht worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Bei ihnen sei das Gift „Botulinum-Toxin“ Typ „B“ festgestellt worden. Das russische Verteidigungsministerium sprach von „Chemieterrorismus“ der Ukraine. Das ukrainische Innenministerium nannte hingegen verdorbenes Dosenfleisch, in dem dieses Gift oft auftrete, als mögliche Vergiftungsursache. In russischen Truppen habe es zahlreiche Klagen über Fleischkonserven mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum gegeben, erklärte ein Berater des Ministeriums. Alle genannten Informationen sind nicht unabhängig verfizierbar.

News zum Ukraine-Krieg: Selenskyj-Berater kündigt neue Angriffe auf Krim an

Update vom Sonntag, 21. August, 05.30 Uhr: Alexei Arestovich, präsidialer Berater von Wolodymyr Selenskyj, hat neue Angriffe auf die illegal annektierte Halbinsel Krim angekündigt. Einem Bericht des Nachrichtenportals Nexta sagte er, dass zwar nichts Wesentliches getroffen worden sei. Das bedeute jedoch keineswegs, „dass es morgen keine Verluste geben wird“, so Arestovich. Am Samstag hatte eine Drohne das Hauptquartier der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol angegriffen. Bislang gibt es keine Belege, dass die Ukraine dahinter steckt, was Russland behauptet.

News zum Ukraine-Krieg: Russland bombardiert Region Sumy in der Nacht

Erstmeldung vom Sonntag, 21. August, 05.00 Uhr: Russische Truppen haben in der Nacht auf Sonntag wohl die Region Sumy, Nordosten der Ukraine, beschossen. Das teilte der Gouverneur des Oblasts, Dmytro Zhyvytskyi mit, wie das Nachrichtenportal Kyiv Independent berichtet. Demnach seien Mörser und Artillerie eingesetzt worden. Die Informationen sind nicht unabhängig verifizierbar. (aa/tu/slo/cs/na/kas mit AFP/dpa)

Auch interessant

Kommentare