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Ukraine-Krieg: Letzter Tag der Scheinreferenden – Besetzte Gebiete schon Freitag Teil Russlands?

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Von: Tobias Utz, Moritz Serif, Tim Vincent Dicke, Vincent Büssow, Lucas Maier, Jan-Frederik Wendt, Christian Stör, Sarah Neumeyer

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Russland kann die geplante Mobilmachung militärisch wohl nicht umsetzen. In einem Rekrutierungsbüro kommt es zu einem Attentat: die Lage im News-Ticker.

Update vom Dienstag, 27. September, 06.17 Uhr: In den von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine findet der letzte Tag der Scheinreferenden über einen Beitritt zu Russland statt. Die Ukraine und der Westen sehen in den Zwangsabstimmungen einen Völkerrechtsbruch. Es wird erwartet, dass die Gebiete annektiert und womöglich schon am Freitag von Putin zu russischem Staatsgebiet erklärt werden.

Ukraine-Krieg - Luhansk
Der Kreml geht bei den Scheinreferenden in den besetzten ukrainischen Gebieten von einem Ja für einen Beitritt zu Russland aus und hat eine rasche Annexion der Gebiete angekündigt. © dpa

News zum Ukraine-Krieg: Russland will laut Selenskyj Niederlage hinauszögern

+++ 22.45 Uhr: Mit der laufenden Teilmobilmachung der Streitkräfte will Russland Aussagen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge lediglich den Moment der eigenen Niederlage hinauszögern. „Sie haben gefühlt, dass sie verlieren werden. Und sie versuchen einfach, diesen Moment hinauszuzögern, um zumindest etwas Aktivität an der Front zu haben“, sagte Selenskyj in seiner Videoansprache in der Nacht zum Dienstag.

+++ 21.30 Uhr:  Die EU-Staaten suchen weiter nach einer gemeinsamen Linie im Umgang mit russischen Kriegsdienstverweigerern, die ihre Heimat verlassen wollen. Ein erstes Krisentreffen der 27 EU-Botschafter brachte am Montag keine Lösung. Man habe die EU-Kommission dazu aufgefordert, die jüngsten Leitlinien zur Visavergabe „unter Berücksichtigung der Sicherheitsbedenken der Mitgliedstaaten zu überprüfen, zu bewerten und gegebenenfalls zu aktualisieren“, teilte die derzeitige tschechische EU-Ratspräsidentschaft anschließend lediglich mit.

+++ 20.09 Uhr: In vier russisch kontrollierten Gebieten der Ukraine enden am Dienstag die sogenannten Referenden zur Annexion durch Russland. Am letzten Tag der Abstimmung in den Separatistengebieten Donezk und Luhansk im ostukrainischen Donbass sowie den südukrainischen Regionen Cherson und Saporischschja sollen dann auch die Wahllokale geöffnet werden. Bislang gingen pro-russische Behördenvertreter von Tür zu Tür, um Stimmen einzusammeln.

News zum Ukraine-Krieg: Mann zündet sich selbst an

+++ 18.50 Uhr: Ein Mann hat sich aus Verzweiflung über seine drohende Einberufung zum Krieg gegen die Ukraine in Russland selbst angezündet. Das Medium Nowaja Gaseta veröffentlichte am Montag (26. September) das Video einer Überwachungskamera, auf dem zu sehen ist, wie sich eine Person mit einer Flüssigkeit übergießt und kurz darauf am ganzen Körper brennt.

+++ 17.54 Uhr: Die fertiggestellte, aber wegen des Angriffs auf die Ukraine nicht in Betrieb genommene deutsch-russische Gaspipeline Nord Stream 2 hat offenbar ein Leck. Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte am Montag, vom Netzbetreiber Gascade über einen starken Druckabfall in der Leitung informiert worden zu sein.

Dänemark meldete später ein „gefährliches“ Gasleck südlich von Bornholm. „Im Umkreis von fünf Seemeilen um die gemeldete Position herum ist die Schifffahrt verboten“, erklärte die dänische Schifffahrtsbehörde. Eine Verbindung mit der Gasleitung stellte die Behörde zunächst nicht her.

+++ 17.00 Uhr: Russland verfolgt in den besetzten Gebieten offenbar einen perfiden Plan. Wie Jewhen Balyzkyi, von Russland im Gebiet Saporischschja als Bevollmächtigter eingesetzt, mitteilte, werde Russland die ukrainische Bevölkerung nach der „Annexion“ der Regionen in den Krieg schicken. Auf diese Weise könnten schwere Verluste kompensiert werden, was Russland bereits durch die Teilmobilisierung versucht. Balyzkyi sprach laut einem Bericht des Nachrichtenportals Kyiv Independent am Donnerstag von „Freiwilligen“. Dies lässt sich nicht unabhängig verifizieren.

News zum Ukraine-Krieg: Russischer Geheimdienst schickt Transportpanzer

+++ 15.45 Uhr: Der russische Geheimdienst FSB hat offenbar mehrere Transportpanzer an die Grenze zu Georgien geschickt, um dort zu verhindern, dass wehrfähige Männer das Land verlassen können, ohne vom Militär überprüft worden zu sein. Das berichtet die russische Zeitung RBK unter anderem auf Telegram. Der Geheimdienst FSB unternimmt die Maßnahme demnach, „falls Reservisten beschließen sollten, den Kontrollpunkt zu durchbrechen und das Land zu verlassen, ohne die Grenzübergangsverfahren zu durchlaufen“. Die Angaben des Berichts, auf welchen sich auch das Nachrichtenportal Meduza bezieht, sind nicht unabhängig prüfbar.

Wladimir Putin
Der russische Präsident Putin im Kreml. © Aleksey Nikolskyi / Imago Images

+++ 15.00 Uhr: Falls Wladimir Putin seine Drohung, im Ukraine-Krieg auf „alle Mittel“ zurückzugreifen – sprich: Atomwaffen einzusetzen, umsetzen sollte, rechnen Fachleute damit, dass dies auf bestimmte Weise geschieht. James Cameron, Experte am „Oslo Nuclear Project“, rechnet beispielsweise damit, dass Russland taktische Atomwaffen über dem Schwarzen Meer oder hoch über dünn besiedelten Gebieten der Ukraine einsetzen könnte. Das erklärte Cameron in einem Gastbeitrag der Washington Post. Auf diese Weise könne Putin der Ukraine drohen und eine Kapitulation fordern. Das bestätigt auch eine Analyse der Nachrichtenagentur AFP. Demnach könnte Russland Atomwaffen mit einer Sprengkraft zwischen 0,3 und 100 Kilotonnen einsetzen.

+++ 14.15 Uhr: Die ukrainische Luftwaffe hat mitgeteilt, dass das russische Militär derzeit vor allem iranische Drohnen einsetzt, um Raketen zu sparen. Die Drohnen, von welchem „mehrere hundert“ geliefert wurden, seien deutlich günstiger, als die Raketen. Das berichtet das Nachrichtenportal Kyiv Independent mit Verweis auf Aussagen des Chefs der ukrainischen Luftwaffe, Juri Inhat.

News zum Ukraine-Krieg: Russische Regierung räumt Verstöße bei Mobilisierung ein

+++ 13.30 Uhr: Die russische Regierung hat Verstöße gegen Mobilmachung eingeräumt. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bestätigte am Montag, dass es Zwangsmaßnahmen und Gewalt bei der Rekrutierung von Reservisten gegeben habe. „In der Tat gibt es Fälle, in denen gegen das Dekret verstoßen wird“, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Interfax Peskow.

+++ 12.45 Uhr: Russische Truppen haben mit Raketenangriffen insgesamt drei Menschen aus der Zivilbevölkerung getötet und elf verletzt. Das berichtete Gouverneur Pawlo Kyrylenko laut einem Bericht des Nachrichtenportals Kyiv Independent – und bezog sich dabei auf die Gebiete Charkiw und Donezk. Der Medienbericht ist nicht unabhängig verifizierbar.

News zum Ukraine-Krieg: „Putins Koch“ gibt „Wagner“-Gruppengründung zu

+++ 12.00 Uhr: Der russische Unternehmer Jewgeni Prigoschin, auch als „Putins Koch“ bekannt, hat die Gründung der „Wagner“-Gruppe im Jahr 2014 zugegeben. In einer Mitteilung erklärte Prigoschin, dass zu diesem Zeitpunkt „eine Gruppe von Patrioten“ geboren worden sei. Er habe die Gruppe gegründet, um die Kämpfer in den Donbass zu schicken, so der russische Unternehmer weiter.

+++ 11.15 Uhr: Laut Angaben des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU wurde im befreiten Dorf Lyptsi (Oblast Charkiw) eine weitere russische Folterkammer entdeckt. Dort wurden offenbar Gräueltaten an der Zivilbevölkerung durchgeführt. Allein in der Region Charkiw wurden laut SBU-Informationen bisher 18 solcher Folterkammern entdeckt. Die genannten Angaben sind nicht auf unabhängige Weise verifizierbar.

News zum Ukraine-Krieg: Mobilisierte Soldaten werden auf Krim ausgebildet

+++ 10.30 Uhr: Das russische Militär hat auf der Krim mit der Ausbildung mobilisierter Soldaten begonnen. Wie der ukrainische Generalstab mitteilte, seien davon insbesondere Männer aus dem Oblast Luhansk betroffen. Das berichtet das Nachrichtenportal Kyiv Independent. Die Angaben sind nicht unabhängig prüfbar.

+++ 10.00 Uhr: Laut Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wurden in Isjum weitere Massengräber entdeckt. Es gehe um „große Gräber mit Hunderten von Menschen“, so Selenskyj im Interview mit dem TV-Sender CBS News. Ukrainische Truppen hatten nach der Rückeroberung der Stadt bereits Massengräber gefunden. Selenskyj forderte im Interview zudem die Fortsetzung von Sanktionen gegen Russland: „Diese Sanktionen werden sowohl politische als auch finanzielle Auswirkungen haben.“

+++ 09.00 Uhr: In der russischen Stadt Ust-Ilimsk (Oblast Irkutsk) ist es am Montagmorgen zu einer Schießerei in einem Büro für militärische Registrierung und Rekrutierung gekommen. Wie das Nachrichtenportal Nexta mit Verweis auf lokale Medien berichtet, wurde der 25-jährige Schütze bereits festgenommen. Es soll sich um einen jungen Mann aus Ust-Illimsk handeln. Er schoss dem Bericht zufolge auf den Leiter des Wehrersatzamtes. Die Informationen sind nicht unabhängig verifizierbar.

Update vom Montag, 26. September, 08.30 Uhr: Das britische Verteidigungsministerium geht davon aus, dass die russische Armee vor der Herausforderung steht, die eingezogenen Männer kriegsbereit zu machen. Es fehle unter anderem an militärischen Ausbildern, um die Mobilmachung in der geforderten Eile umzusetzen, hieß es in einem Lagebericht. Die minimale Vorbereitung der Soldaten legen demnach weitere hohe Verluste im Ukraine-Krieg nahe. Die genannten Angaben sind nicht auf unabhängige Weise prüfbar.

Erstmeldung vom Montag, 26. September, 08.00 Uhr: Die USA haben Russland sowohl öffentlich als auch in vertraulichen Gesprächen vor „katastrophalen“ Konsequenzen eines Atomwaffen-Einsatzes in der Ukraine gewarnt. „Wir haben den Russen sehr deutlich öffentlich und auch unter vier Augen gesagt, dass sie das Geschwätz über Atomwaffen sein lassen sollen“, sagte US-Außenminister Antony Blinken in einem Interview mit den CBS News. Jeder Einsatz von Atomwaffen „hätte natürlich katastrophale Auswirkungen für das Land, das sie einsetzt, aber auch für viele andere“ und die USA hätten Pläne, entsprechend zu reagieren sagte Blinken.

Am Mittwoch (21. September) hatte Wladimir Putin bei einer Ansprache zur Teilmobilisierung der russischen Streitkräfte indirekt mit dem Einsatz atomarer Waffen gedroht. Russland werde alle „verfügbaren Mittel“ einsetzen, um sein Territorium zu schützen, sagte Putin. (vbu/jfw/tvd/cs/lm/sne/tu mit dpa/AFP)

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