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Ricarda Lang rechtfertigt Lützerath-Räumung, hofft aber dennoch auf „starke Klimabewegung“

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Von: Niklas Noack

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Nach der Räumung des von Klimaaktivisten besetzten Dorfes Lützerath (NRW) sind vor allem die Grünen in die Kritik geraten. Die Bundesvorsitzende Ricarda Lang verteidigte jetzt den Parteikurs.

Stuttgart/Berlin - Die Grünen blicken der Realität ins Auge. Man müsse anerkennen, „dass wir aktuell noch zu wenig Erneuerbare Energien in Deutschland haben, um heute sofort aus der Kohle auszusteigen. Der Ausbau wurde über Jahrzehnte verschlafen“, heißt es Ende Dezember in einem Statement der nordrhein-westfälischen Partei. Zudem habe der Ukraine-Krieg dem Land vor Augen geführt, wie groß die Abhängigkeit von russischem Gas sei.

Das sind zwei der Argumente, mit denen die Grünen, die in NRW sowie im Bund mitregieren, ihren Kurs rund um die Räumung des Dorfs Lützerath rechtfertigen. Seit Tagen kommt es dort zu Klima-Demonstrationen sowie Besetzungen, gerade durch Menschen, die den Grünen nahestehen. Doch längst sind viele enttäuscht, dass die Öko-Partei die Entscheidung, das Dorf für den Energiekonzern RWE durch die Polizei räumen zu lassen, mitträgt.

Ricarda Lang: Grünen-Chefin argumentiert bei Lützerath mit harten Fakten

Im Fokus der Kritik steht dabei vor allem Grünen-Chefin Ricarda Lang. Denn manch einer wirft ihr vor, sie hätte ihre eigenen Werte verraten, weil sie einst selbst noch mit den Menschen demonstrierte. Inzwischen muss Lang aus der Regierungsverantwortung heraus jedoch realpolitisch auf solche Themen blicken und bringt im ARD-Morgenmagazin die Fakten auf den Tisch. So verweist sie unter anderem darauf, dass RWE im Zusammenhang mit Lützerath eben einen Rechtsanspruch hätte, weshalb ein Kompromiss unausweichlich sei.

Dementsprechend verteidigt sie ihre Partei und ist sogar der Auffassung, dass es ohne die Grünen nicht bei Lützerath geblieben wäre. Vielmehr wären laut Lang „fünf weitere Dörfer, in denen 500 weitere Menschen noch leben“, ebenfalls „abgebaggert“ worden. Weiter verteidigt sie sich mit den Worten: „Wenn ich Entscheidung zwischen kein Klimaschutz und mehr Klimaschutz habe, werde ich mich für mehr Klimaschutz entscheiden, auch wenn es nicht 100 Prozent sind.“

Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang rechtfertigt die Räumung im nordrhein-westfälischen Lützerath.
Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang rechtfertigt die Räumung im nordrhein-westfälischen Lützerath. (Fotomontage) © Metodi Popow/IMAGO/Roberto Pfeil/dpa/Fotomontage/BW24

Grünen-Kompromiss wird Demonstrierende nicht zufriedenstellen

Schlussendlich hat sich die Grünen-Chefin dazu entschieden, „für diesen Kompromiss zu stehen“, wie sie sagt, womit sie ihrer Meinung nach der parlamentarischen Rolle gerecht werde. Doch neben politischen Parteien hält Lang auch weiterhin die Klimabewegung für wichtig, von der sie gar nicht erwarte, sich mit Kompromissen zufrieden zugeben. Man brauche nämlich „eine starke Klimabewegung in diesem Land, die auch mal Druck macht“, sagt die Grünen-Vorsitzende.

Mit diesen Worten wird Lang die Demonstrierenden in Lützerath nicht beruhigen. Inzwischen hat die Polizei das von Aktivisten besetzte Dorf geräumt, doch die Proteste halten weiter an. Der Kohleausstieg soll in Deutschland bis 2030 erfolgen.

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