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Lauterbach: Müssen uns auf den Corona-Herbst vorbereiten

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Karl Lauterbach
Karl Lauterbach auf der 17. Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft in Rostock. Hier diskutieren rund 300 Experten über die Aufarbeitung der Corona-Pandemie. © Jens Büttner/dpa

Corona mag den Sommer nicht, so war es zumindest im vorherigen Sommer. Doch der Trend der Ansteckungen zeigt nach oben. Der Gesundheitsminister will nun die Vorbereitungen für den Herbst anschieben.

Rostock - Deutschland befindet sich nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in einer schwierigen Übergangsphase der Corona-Pandemie.

Es gebe aktuell eine Sommerwelle, die von Experten auch so erwartet worden sei, sagte Lauterbach am Donnerstag bei der 17. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft in Rostock. Es müsse nun überlegt werden, wie die Vorbereitungen auf die kommenden Monate laufen könnten. „Wir können uns nicht noch mal einen Herbst leisten, wo wir so vorbereitet sind wie im letzten Herbst.“

So werde derzeit an Impfkonzepten gearbeitet, sagte Lauterbach. Es gebe einen engen Austausch mit den Herstellerfirmen über neue Impfstoffe. „Wir erwarten diese Impfungen Ende August, wahrscheinlich eher Mitte September“, kündigte der Minister an. Gleichzeitig gebe es sehr überzeugende Medikamente, die viel zu wenig eingesetzt würden.

Lauterbach sagte, es würden auch funktionierende Testkonzepte benötigt, mit denen nicht nur die Inzidenz ermittelt werden könne, sondern auch Infektionsketten unterbrochen werden könnten. Gleichzeitig müsse der Datenaustausch viel schneller ablaufen als bisher. Es könne nicht sein, dass Krankenhausdaten beispielsweise zur Bettenbelegung oder Personalversorgung mit langem Verzug bekannt gegeben würden. Im September, spätestens Oktober, werde ein System zur Verfügung stehen, in dem solche Informationen tagesgenau digital mitgeteilt würden.

Diskussion um Impfzentren

Der Deutsche Hausärzteverband hält das Offenhalten der Corona-Impfzentren im Sommer für verzichtbar. „Die Impfzentren stehen deutschlandweit leer“, sagte Verbandspräsident Ulrich Weigeldt den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. „Weswegen sie jetzt den gesamten Sommer weiterbetrieben werden sollen, erschließt sich überhaupt nicht.“ Das koste viel Geld, das woanders dringend gebraucht werde. „Die Hausärztinnen und Hausärzte haben bewiesen, dass die Impfungen in den Praxen am besten aufgehoben sind.“

Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen riet dazu, die Empfehlungen zu Boosterimpfungen zu überprüfen. „Ich halte es vor dem Hintergrund neuer wissenschaftlicher Daten für dringend erforderlich, dass wir in Deutschland die Empfehlungen zur zweiten Auffrischungsimpfung noch einmal prüfen und gegebenenfalls rechtzeitig ausweiten“, sagte Dahmen der „Rheinischen Post“.

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Stefan Schwartze, hält den Erhalt der regionalen Corona-Impfzentren über den Sommer auch bei derzeit geringem Andrang für sinnvoll. Es gebe stark steigende Infektionszahlen, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag in Berlin. Daher sei er vorsichtig damit, auf irgendetwas verzichten zu können.

Bessere Beratung gefordert

In der Corona-Krise sind aus Expertensicht klarere und einheitlichere Informationen wichtig, um Verunsicherung bei vielen Menschen zu vermeiden. Die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig eine zielgruppengerechte und auch für Laien verständliche Beratung sei, sagte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Stefan Schwartze, am Donnerstag bei der Vorstellung des Jahresberichts der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) in Berlin. Dies betreffe die Erkrankung, Impfungen aber auch sich oft ändernden Corona-Regelungen. dpa

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