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Lauterbach macht Corona-Zeugnis für Deutschland runter, das die Wirksamkeit der Maßnahmen checkt

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Von: Nadja Pohr

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Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach
In einem Podcast wurde Gesundheitsminister Karl Lauterbach auf den Beschluss des Experten-Gremiums angesprochen, das am 30. Juni veröffentlicht wird. © Sina Schuldt/dpa

Am 30. Juni erscheint ein Gutachten durch ein Experten-Gremium über die Wirksamkeit der Corona-Maßnahmen. Karl Lauterbach kann dem nicht viel abgewinnen.

Berlin - Die Corona-Zahlen sind in den vergangenen Wochen immer weiter gesunken. Auch die verschiedenen Maßnahmen wurden zum größten Teil aufgehoben, so ist unter anderem lediglich im öffentlichen Nahverkehr das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes noch Pflicht. Zurzeit scheint es so, als habe Deutschland die Lage rund um Corona also im Griff.

Die Entwicklung des Virus steht in allen Bundesländern jedoch weiterhin unter scharfer Beobachtung. Baden-Württemberg rüstet sich bereits für die nächste Corona-Welle, um nicht unvorbereitet zu sein, sollte der Ernstfall eintreten. Auch die Bundesregierung wappnet sich für eine neue Infektionswelle und lässt deshalb ein Gutachten von einem Experten-Gremium erstellen. Darin soll umfassend belegt sein, welche Maßnahmen wirksam waren und welche mehr Schaden als Nutzen gebracht haben. Ausgerechnet Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat dieses Gutachten nun kleingeredet.

Gesundheitsminister Lauterbach zieht über Ergebnisse des Corona-Zeugnisses her

Im Podcast „Apokalypse und Filterkaffee“ von Comedian Micky Beisenherz wird Lauterbach auf den Beschluss des Experten-Gremiums angesprochen, der am 30. Juni veröffentlicht wird. Lauterbach erklärt, dass man zunächst zwischen dem Corona-Rat und dem Experten-Gremium unterscheiden müssen.

Der Corona-Rat tage alle zwei Wochen und sei mit „Top-Leuten besetzt“. Im Gremium hingegen säßen „nur zwei Virologen drin, die restlichen Mitglieder waren eigentlich nur Juristen“, sagt der Gesundheitsminister. „Das war virologisch sehr schmal besetzt“, teilt Lauterbach weiter seine Einschätzung und kommt zu dem Schluss: „Die machen ihr Gutachten. Das werden wir uns anschauen - das wird mit Spannung erwartet - und dann dreht sich die Welt auch weiter.“ Auch andere Politiker wie die Grünen-Gesundheitspolitikerin Paula Piechotta nehmen dem Gutachten im Vorfeld den Wind aus den Segeln. Das Gremium sei „allenfalls Baustein auf dem Weg zu einem vollständigen Bild der Lage, nicht letzte Instanz“, schreibt sie auf Twitter.

Wie die Bild berichtet, ist das Gutachten allerdings alles andere als lediglich Handlungsempfehlung, sondern ein gesetzlicher Auftrag. Das bedeutet, die Regierung muss die Corona-Regeln in dessen Folge auf ihre Wirksamkeit überprüfen lassen - so schreibe es das Infektionsschutzgesetz vor. Lauterbach verspricht in der Folge des Podcasts aber auch, dass man die Fehler aus dem vergangenen Jahr in diesem Herbst nicht wiederholen werde.

Netz verurteilt Abwertung von Lauterbach und sieht großen Schaden in den Corona-Maßnahmen

Dass Karl Lauterbach und andere Kollegen das Gutachten der Kommission so abwerten, kommt bei den Bürgern auf den sozialen Medien nicht gut an. „Was soll das denn jetzt?“, fragt sich ein Twitter-Nutzer. „Er hat seinen Winterfahrplan schon lange in der Schublade liegen - Fakten sind nicht erwünscht“, glaubt eine Userin auf Facebook. „Er hat es nicht mal gelesen, aber kritisiert es, weil er weiß, dass es ein Armutszeugnis sein wird“, schimpft ein anderer. „Natürlich feuert er dagegen“, zeigt sich ein Nutzer weniger überrascht.

Für den Großteil der Facebook-Community ist das Ergebnis des Gutachtens längst klar: Die Corona-Maßnahmen hätten mehr Schaden als Nutzen gebracht. „Wenn man schon eine Evaluierung braucht, sollte sie von Fachleuten vorgenommen werden“, lautet hingegen eine der wenigen Stimmen zur Unterstützung des Gesundheitsministers. „Juristen sind nun wirklich nicht die richtigen Ansprechpartner, wenn es um die Beurteilung medizinischer Maßnahmen geht.“

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