Gesundheitsminister über Impfstand

Corona-Impfung: Spahn beschwört „Tage der Zuversicht“ und erklärt - „mehr als genug Impfstoff bestellt“

  • Philipp Fischer
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    Florian Naumann
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Alles im Plan? So sieht Jens Spahn die Impf-Lage in Deutschland. Die Kanzlerin sieht es offenbar anders - sie macht das Problem nun zur Chefsache.

  • Die Corona-Impfungen in Deutschland haben begonnen - doch der Impf-Fortschritt ist lange nicht so schnell wie erhofft.
  • Kritik gab es zuletzt auch an der Menge der über die EU bestellten Impfdosen. Gesundheitsminister Jens Spahn verteidigt sich.
  • Doch auch Kanzlerin Angela Merkel sieht offenbar Verbesserungsbedarf. Sie hat das Problem nun zur Chefsache erklärt.

Update vom 6. Januar, 13.23 Uhr: Die Pressekonferenz von Gesundheitsminister Jens Spahn ist beendet. Das Wichtigste in Kürze: Spahn wiederholte seine Beteuerungen, dass Deutschland genug Impfstoff bestellt hat. Die derzeit geringe Menge an Impfstoffen sei auf schwache Produktionskapazitäten zurückzuführen und nicht auf eine zu geringe Bestellmenge des Impfstoffes. Spahn rechnet mit der Zulassung des zweiten Impfstoffes von Moderna noch heute. Deutschland habe von Moderna über 50 Millionen Impfdosen bestellt, die noch dieses Jahr geliefert werden sollen. Dennoch könne man erst im Sommer der gesamten Bevölkerung ein Impfangebot machen „wir müssen große Teile der Bevölkerung um Geduld bitten.“

Update vom 6. Januar, 13.02 Uhr: Bezüglich der verhaltenen Impfbereitschaft von Pflegekräften meint Spahn, dass es hierfür keine handfesten Belege, sondern nur anekdotische Hinweise gibt. Auf dem gestrigen Corona-Gipfel sei man zu der Entscheidung gekommen, dass allen Bewohnern von Pflegeeinrichtungen bis spätestens Mitte Februar ein Impfangebot gemacht werden soll. Zudem erklärt Spahn, dass sobald Impfstoffe mit einer anderen Beschaffenheit verfügbar sind, es möglich sein wird, den Impfstoff in die Arztpraxen zu bringen. Dafür bedarf es aber eines Impfstoffes, der nicht bei minus 70 Grad gekühlt werden müssen.

Update vom 6. Januar, 12.49 Uhr: Spahn erklärt weiter, dass im Treffen mit der Kanzlerin vor allem die Kooperation mit der Pharmaindustrie ein Thema war. Es habe sich allerdings hauptsächlich um ein einfaches Abstimmungstreffen zwischen Fachministern gehandelt. Spahn verweist noch mal darauf, dass es keine Probleme bei der bestellten Menge von Impfstoffen, sondern bei den Produktionskapazitäten gibt. Spahn erklärt weiter, dass für Deutschland ausreichend Impfstoff bestellt wurde.

Update vom 6. Januar, 12.38 Uhr: Es werden jetzt Fragen von Journalisten beantwortet. Spahn erklärt, dass die EU sich von Anfang an nicht auf eine, sondern viele verschiedene Impfstofftechnologien gesetzt habe. Von dem Moderna Impfstoff werde Deutschland über 50 Millionen 2021 Impfdosen bekommen. Dennoch seien im ersten Quartal nur zwei Millionen Impfdosen zu erwarten, aufgrund geringer Produktionskapazitäten und vertraglicher Pflichten mit den USA. Erste Lieferpläne für den neuen Impfstoff sind bereits erarbeitet, Spahn möchte diese aber erst veröffentlichen, sobald alles fix sei. Mit der ersten Lieferung von Moderna werde nächste Woche gerechnet.

Bezüglich der Verbreitung der Virusmutation in Deutschland erklärt Spahn, dass es bereits erste Infizierte in Deutschland gibt. Die Corona-Maßnahmen hätten jedoch dazu geführt, dass sich diese Virusmutation noch nicht so stark in Deutschland verbreitet hat.

Update vom 6. Januar, 12.30 Uhr: Nach dem Fachministertreffen mit Merkel verfolgt die Bundesregierung das Ziel, dass Biontech bis Ende Februar eine weitere Produktionsstätte in Marburg eröffnen kann. Dieses Vorgehen solle zu einer erhöhten Verfügbarkeit von Impfdosen in Deutschland und Europa führen.

Update vom 6. Januar, 12.25 Uhr: „Wir können allen im Sommer ein Impfangebot machen. Wir haben genug mehr als genug Impfstoff bestellt, und zwar nicht von einem, sondern von mehreren Herstellern“. Darüber hinaus führt Spahn weiter aus, dass er mit einer Zulassung des Moderna Impfstoff noch heute rechnet. Damit würde Deutschland 130 Millionen Impfdosen erhalten. Spahn betont weiterhin die intensive europäische Zusammenarbeit und Hilfe für Impfstoffhersteller. Diese habe es gegeben, obwohl lange nicht klar gewesen sei, wie wirksam der Impfstoff von Biontech letzten Endes sei.

Update vom 6. Januar, 12.23 Uhr: Spahn spricht zunächst davon, dass die neuen Corona-Maßnahmen notwendig seien mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen und die Situation auf den deutschen Intensivstationen. Besonders wichtig seien hierbei die Kontaktbeschränkungen und Impfungen. Seitdem 27. Dezember seien fast 400.000 Menschen geimpft worden. „Wenn einmal die Pflegebedürftigen und die Ältesten geimpft sind, verliert die Pandemie einen großen Teil ihres Schreckens“.

„Die Tage des Impfstarts sind Tage der Zuversicht“, so Spahn. Deswegen verstehe er die Ungeduld und Kritik. Spahn weist darauf hin, dass der Impfstoff ein weltweit knappes Gut ist „Deshalb müssen wir große Teile der Bevölkerung um Geduld bitten“. Spahn meint weiter, dass von Anfang an klar war, dass zu Beginn nicht genug Impfstoff vorhanden sein werde. Schuld seien nicht zu wenig bestellte Mengen, sondern die zu geringen Produktionskapazitäten.

Update vom 6. Januar, 12.15 Uhr: Die Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Jens Spahn beginnt

Update vom 6. Januar, 10.35 Uhr: Nachdem die Pressekonferenz von Jens Spahn zunächst für 11:15 Uhr angesetzt wurde, soll sie jetzt eine Stunde später um 12:15 Uhr stattfinden. Grund für die Verzögerung könnten anhaltende Verhandlungen sein.

Update vom 6. Januar, 10.06 Uhr: Nach der Spitzenrunde mit Angela Merkel am Mittwochvormittag wird eine Pressekonferenz von Gesundheitsminister Jens Spahn gegen die Mittagszeit erwartet. Es wird damit gerechnet, dass Spahn neue Ansätze für die vielfach kritisierte Impfkampagne in Deutschland präsentiert. Vorab erklärte Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) im ARD-„Morgenmagazin“, dass man „alles dafür tun“ müsse, damit in Deutschland ausreichend Impfstoff produziert wird und vorhanden ist.

Neben Gesundheitsminister Jens Spahn sollen an der Beratung auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier und der Chef des Bundeskanzleramtes Helge Braun (alle CDU) sowie Scholz teilnehmen.

Erstmeldung vom 5. Januar, 12.37 Uhr: Berlin - Große - vielleicht zu große - Hoffnungen hat Deutschland in die Corona-Impfungen gesteckt. Seit Tagen wird über den langsamen Fortschritt der Immunisierung im Land gestritten. Auch wenn Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zuletzt breite Rückendeckung aus der eigenen Partei erfuhr: Kanzlerin Angela Merkel* (CDU) macht das Impfen nur zur Chefsache.

Ein Schritt, der durchaus als Kritik an Spahn verstanden werden könnte. Die geänderte Aufteilung sei eine Idee aus Merkels Kanzleramt, schreibt etwa die Bild. Von einem Beteiligten der Planungen will das Blatt gehört haben, es könne durchaus von einer „Entmachtung“ gesprochen werden. Bislang hatte der Gesundheitsminister beim Thema Impfungen weitgehend die alleinige Verantwortung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht mit Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit, im Bundestag.

Merkel macht Corona-Impfungen zur Chefsache - Knatsch zwischen Spahn und Scholz?

So oder so: Zunächst wird am Dienstag über die weiteren Maßnahmen im Lockdown gesprochen. Doch schon am Mittwoch (6. Januar) soll dann eine neue Spitzenrunde über Wege aus der Impf-Misere beraten. Die Leitung des Teams übernimmt Merkel selbst, wie die dpa berichtet.

Versammeln will die Kanzlerin bei den Beratungen neben Spahn auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und den Chef des Bundeskanzleramtes, ihren Vertrauten Helge Braun (CDU). Ziel sei es, zusätzliche Produktion in Deutschland möglichst zügig hochzufahren.

Möglicherweise ein strategisch günstiger Schachzug: Scholz und Spahn hatten zuletzt augenscheinlich zumindest in der Öffentlichkeit eher gegen- als miteinander gearbeitet. Der SPD-Kanzlerkandidat hatte dem Gesundheitsressortchef ein Papier mit kritischen Fragen zur Impf-Situation vorgelegt. Die Arbeitsgruppe mit Spahn, Altmaier, Scholz und Braun habe die Kanzlerin bereits am Montag eingesetzt, will die Süddeutsche Zeitung erfahren haben.

Angela Merkel: Kanzlerin will Impf-Produktion ankurbeln - womöglich mit Putins Hilfe

Merkels neuer Impf-Vorstoß beinhaltet offenbar auch eine internationale Komponente: Die Kanzlerin hat mit Russlands Präsident Wladimir Putin* über eine gemeinsame Impfstoff-Produktion gesprochen, wie der Kreml am Dienstag mitteilte. Hier soll nun wieder Spahn übernehmen: Die Gesundheitsministerien beider Länder und Spezialisten sollten die Gespräche dazu fortsetzen, hieß es. Details wurden zunächst nicht genannt.

Russland hatte Mitte August den Impfstoff „Sputnik V“ für eine breite Anwendung in der Bevölkerung freigegeben. Mittlerweile wurde ein zweiter Impfstoff registriert. In Russland laufen die Impfungen seit Anfang Dezember.

Corona-Krise in Deutschland: Impfstoff-Produktion nicht das einzige Problem - Beauftragter kritisiert Bundesländer

Allerdings ist die Impfstoff-Produktion und -Beschaffung nicht das einzige Problem, mit dem sich Merkel und ihre Minister werden auseinandersetzen müssen. Der Bundes-Pflegebevollmächtigte Andreas Westerfellhaus forderte von den Ländern einheitliche Regelungen für die Corona-Impfungen.

Westerfellhaus sagte im Deutschlandfunk, es brauche eine durchgängige Klarheit für alle Impfberechtigten*, wie sie an ihre Immunisierung kämen. Er kritisierte, dass in einigen Bundesländern die Menschen angeschrieben würden, in anderen müssten sie sich eigenständig um Termine bemühen. Probleme gab es zuletzt auch mit Hotlines zur Terminvereinbarung. An das Pflegepersonal appellierte der gelernte Krankenpfleger, sich immunisieren zu lassen. Das verlange das Berufsethos.

Harsche Kritik an der Impf-Strategie der Bundesregierung hatte es am Montag auch in einer Sondersendung des ARD-Talks „Hart aber fair“ gegeben*. (fn/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Hannibal Hanschke/dpa

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