Antrag auf französische Staatsbürgerschaft

Zum Brexit: Ausgerechnet dieser Mann will Europäer bleiben - Boris Johnson schweigt

Der britische Premierminister Boris Johnson bei einer virtuellen Pressekonferenz in der Downing Street 10 am 30. Dezember 2020.
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Boris Johnsons Vater will nach dem Brexit Franzose werden.
  • Kathrin Reikowski
    VonKathrin Reikowski
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Boris Johnsons Vater, Stanley Johnson, stimmte gegen den Brexit. Nun hat er sich offenbar entschlossen, die französische Staatsbürgerschaft zu beantragen.

London -„Ich werde immer ein Europäer sein, soviel ist schon mal klar. Man kann den Briten nicht einfach sagen: Ihr seid keine Europäer. Weiter eine Verbindung zur Europäischen Union zu behalten, das ist wichtig.“ Diese Worte stammen von einem Brexit-Gegner aus Großbritannien. Doch nicht irgendeinem. Es ist Boris Johnsons* Vater, Stanley Johnson, der sich so äußerte, wie die Nachrichtenagentur Reuters via Twitter verkündet.

Stanley Johnson,Vater von Boris Johnson mit einem „Remain“-T-Shirt: Der 80-Jährige will nun Franzose werden

Zum Gongschlag des Big Ben um Mitternacht in London ist es soweit: Die Übergangsphase endet, Großbritannien tritt endgültig aus der EU aus. Premier Boris Johnson feierte die zuletzt geglückten Verhandlungen zum Brexit als einen großen Erfolg - für sich und seine Mitstreiter. Doch innerhalb seiner Familie sieht es wohl ganz anders aus: Sein Vater will sogar Europäer werden.

Zum Brexit: Boris Johnsons Vater stimmte „Remain“ - und zieht jetzt Konsequenzen

„Wenn ich es richtig verstehe, bin ich Franzose“, sagte Johnson, der im EU-Parlament saß und öffentlich sagt, er habe gegen den Brexit und für ein „Remain“ gestimmt. „Meine Mutter wurde in Frankreich geboren, ihre Mutter war französisch, genauso ihr Großvater.“

Johnson habe sich deshalb entschieden, eine französische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Damit würde er Europäer bleiben. Dies sagte er auf Französisch. Und fügte dann hinzu, wie er seine Entscheidung verstanden wissen will. „Für mich geht es darum, zu behalten, was ich habe. Und das macht mich sehr froh“, bestätigte der 80-Jährige.

Zum Brexit: Auch Sohn Boris Johnson schlägt neue Töne an - „Wir werden eine durch und durch europäische Gesellschaft bleiben“

Noch ist nicht bekannt, was sein Sohn Boris über die Entscheidung seines Vaters denkt. Doch auch der hatte, als Gesicht der Brexit*-Bewegung, zuletzt moderatere Töne angeschlagen. Er sprach unter anderem vom Beginn „wunderbarer neuer Beziehungen.“

Auch am Mittwoch ließ er beinahe melancholische Worte verlauten: „Das ist nicht das Ende von Großbritannien als europäisches Land. Wir sind auf vielerlei Weise eine durch und durch europäische Gesellschaft - und wir werden das auch weiterhin sein.“

Noch in der Nacht zum Freitag beginnen die Grenzkontrollen in Großbritannien. Besonderes Augenmerk von internationalen Beobachtern richtet sich dabei auf den Hafen von Dover und die dortigen LKW-Abfertigungen - die ersten Brexit-Schilder sind bereits errichtet. (kat) *Merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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