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Boris Johnson: Interne Kämpfe beginnen - wer tritt die Nachfolge an?

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Boris Johnson hat das Misstrauensvotum der eigenen Partei überstanden. Intern wird seine Ablösung aber bereits vorbereitet.

London ‒ Offiziell hat Großbritanniens Premierminister Boris Johnson das Misstrauensvotum aus seiner eigenen Partei überstanden. Jedoch soll es hinter den Kulissen bereits einige Parteifreunde geben, die sich auf den nächsten Ausrutscher Johnsons vorbereiten und das Amt des Premierministers übernehmen möchten. Wie ein hochrangiger Konservativer dem US-Nachrichtensender CNN erzählte, gibt es einige Konservative, die schon über ihre Visionen sprechen, was sie besser machen würden.

Vor allem Brexit-Gegner in der eigenen Partei wollen Boris Johnson loswerden. Wie ein ehemaliger Kabinettsminister CNN verriet, ist Jeremy Hunt einer von ihnen. Hunt zählt zu den erfahrensten Kandidaten aufseiten der Gemäßigten. Der Gesundheitspolitiker hatte bereits drei Kabinettsposten inne. Wie CNN berichtet, bereitet sich die oppositionelle Labour-Partei schon jetzt auf Angriffe gegen Hunt vor, sollte dieser auf Johnson folgen. Man könne ihm vorwerfen, dass es ihm in sechs Jahren als Gesundheitsminister nicht gelungen sei, das Land auf eine Krise wie die Corona-Pandemie vorzubereiten. Dies ist auch einem hochrangigem Konservativen bewusst.

Boris Johnson: Kandidaten bereiten sich auf Nachfolge vor

Weitere Kandidaten dieses Parteiflügels könnten Tom Tugendhat und Nadhim Zahavi sein. Tugendhat war früher Soldat und ist aktuell Vorsitzender des Außenausschusses. Er hat sich mit seinen Reden und Ansichten rund um die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hervorgetan. Zahavi ist britischer Bildungsminister. „Er ist noch nicht lang genug in der Regierung, um offensichtliche Fehler zu haben“, wie ein Konservativer verrät.

Außenministerin Liz Truss sieht die EU kritisch, obwohl sie 2016 noch für einen Verbleib in diesem Bündnis und gegen den Brexit gestimmt hatte. Sie soll für Johnsons Nachfolge sogar schon ein erfahrenes Team um sich herum versammelt haben. Wie eine Quelle CNN erzählte, führte Truss schon lange Gespräche mit Parlamentsabgeordneten. In diesen gehe es zwar offiziell um Nordirland, jedoch wolle Truss herausfinden, wer sie unterstützen würde, „sollte die Zeit kommen“. Truss selbst dementiert aber, Ambitionen auf das Amt der Premierministerin zu haben. Sie rief vor dem Misstrauensvotum zur Unterstützung Johnsons auf und stehe zu 100 Prozent hinter ihm.

Boris Johnson hat zwar das Misstrauensvotum seiner Partei überstanden, laut CNN bereiten sich aber Parteifreunde auf seine Ablösung vor.
Boris Johnson hat zwar das Misstrauensvotum seiner Partei überstanden, laut CNN bereiten sich aber Parteifreunde auf seine Ablösung vor. © Tejas Sandhu/imago

Öffentlich stärken die Parteifreunde Boris Johnson

Eine weitere Kandidatin ist Innenministerin Priti Patel. Wie eine konservative Quelle CNN mitteilte, arbeitet Patel schon seit etwa einem Jahr an der Ablösung Johnsons. Patel ist bei der Parteibasis sehr beliebt und gehört dem konservativen Parteiflügel an. Sie gilt als EU-Kritikerin und ist Hardlinerin in Sachen Einwanderungspolitik. Zwischenzeitlich machte sie sich sogar für die Wiedereinführung der Todesstrafe stark. Öffentlich unterstützt auch sie als Regierungsmitglied weiterhin Johnsons Politik.

Trotz der vielen möglichen Anwärterinnen und Anwärter auf Johnsons Position, könnte sich der Premierminister eigentlich sicher fühlen. Ein erneutes Misstrauensvotum ist nach Parteistatuten erst nach zwölf Monaten wieder möglich. Ausgeschlossen ist jedoch nicht, dass diese Regelung angepasst werden könnte. Am 23. Juni stehen Wahlen in zwei Wahlkreisen an. Sollten die Konservativen diese verlieren, könnte das möglicherweise Bewegung in diese Überlegung bringen. (Jan Oeftger)

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