1. bw24
  2. Politik

Mercedes-Fahrer schiebt Klimaaktivisten mit Auto von der Straße - „Was fällt Ihnen ein?“

Erstellt:

Von: Julian Baumann

Kommentare

Ein Autofahrer schiebt eine Klima-Aktivistin vor sich her.
Klimaprotest in Berlin: Ein Mercedes-Fahrer schiebt eine Aktivistin vor sich her. © Letzte Generation

Die Klimabewegung „Letzte Generation“ blockiert in ganz Deutschland Straßen und Autobahnzufahrten. Einem Mercedes-Fahrer riss in Berlin der Geduldsfaden.

Stuttgart/Berlin - Extreme Unwetter, Überflutungen und ungewöhnlich hohe Temperaturen: Die Folgen der Klimakrise machen sich auch in Deutschland immer deutlicher bemerkbar. Die Klimabewegung „Letzte Generation“ demonstriert in der ganzen Bundesrepublik und fordert von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Maßnahmen, um den Klimakollaps abzuwenden. Dabei greifen die Aktivisten zu Maßnahmen, die mitunter als relativ extrem eingestuft werden können. In Stuttgart klebte ein Klimaaktivist etwa seine Hand auf der Straße fest und auch in München sorgte eine ähnliche Aktion kürzlich für erheblichen Stau im Berufsverkehr.

Das Vorgehen der Klimabewegung „Letzte Generation“ trifft nicht nur auf Kritik. Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang nahm die Klimaaktivisten für Straßenblockaden in Schutz. Vor allem Autofahrer, die auf dem Weg zur Arbeit durch die Blockaden der Bewegung aufgehalten werden, zeigen aber immer öfter ihren Unmut. Bei einer Aktion unter dem Motto „Öl sparen statt Bohren“ in Berlin riss einem Fahrer eines Modells von Mercedes-Benz der Geduldsfaden. Er schob eine Aktivistin kurzerhand mit seinem Auto von der Straße, wie die „letzte Generation“ in einem Video auf Twitter dokumentierte.

Klimaprotest in Berlin: Mercedes-Fahrer schiebt Aktivistin vor sich her - „kann nicht zur Seite gehen“

Wenn die Klimaaktivisten die Hauptverkehrsstraßen von Städten wie Stuttgart, München oder Berlin blockieren, werden die Autofahrer unmittelbar mit dem Protest konfrontiert. Das ist zwar auch das Ziel der Bewegung, manch ein Autofahrer hat dafür aber weniger Verständnis. Am Dienstag, 21. Juni, blockierten Aktivisten der „letzten Generation“ die zehn Ausfahrten der Stadtautobahn A100 in Berlin, wie die Berliner Zeitung berichtet. Ebenfalls am Dienstag veröffentlichte die Bewegung ein Video auf Twitter, das offenbar eine Szene von einer dieser Protestaktionen zeigt.

In dem nur rund 20-sekündigen Video ist ein Autofahrer zu sehen, der mit seiner Mercedes-A-Klasse eine Klimaaktivistin mit oranger Warnweste vor sich herschiebt. Der Mann fährt offenbar nur im Schritttempo, die Kraft des Autos verdrängt die Aktivistin dennoch immer mehr von der Straße. Sie stemmt sich gegen die Motorhaube des weißen Mercedes-Modells und geht anschließend einige Schritte zurück. „Können Sie bitte kurz warten, ich kann nicht zur Seite gehen“, ruft sie dem Fahrer entgegen. „Was fällt ihnen denn ein!“ Der Mann hat offenbar einen dringenden Termin und deshalb wenig Verständnis für die Straßenblockade, wie er die empörte Klimaaktivistin wissen lässt.

Reaktion von Mercedes-Fahrer kein Einzelfall - auch in der Politik ist Vorgehen der Bewegung umstritten

Dass das Ziel der „letzten Generation“, den Klimakollaps mit allen Mitteln verhindern zu wollen, an sich wichtig ist, steht wohl außer Frage. Die Methoden der Bewegung treffen allerdings nicht nur bei Autofahrern auf Unverständnis. „Die Demokratie lässt sich nicht erpressen“, sagte Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) bereits im Februar dem Spiegel. Die Reaktion des Mercedes-Fahrers in Berlin, die Aktivistin kurzerhand mithilfe seines Fahrzeugs von der Straße zu schieben, mag zwar ebenfalls drastisch erscheinen, ist aber längst keine Seltenheit mehr. Als Aktivisten in München stundenlang eine Abfahrt blockierten, zückte ein wütender Mercedes-Fahrer einen Schlagstock.

Laut der Berliner Zeitung bleiben die Protestaktionen der Klimabewegung für die Aktivisten auch ohne wütende Reaktionen der Verkehrsteilnehmer nicht ohne Folgen. Am Montag seien in Berlin 75 Demonstranten, 51 Männer und 24 Frauen, vorläufig festgenommen worden. Manche von ihnen hatten sich mit Sekundenkleber auf der Straße festgeklebt. Auch in Baden-Württemberg sorgte das Vorgehen der Aktivisten bereits für Kopfschütteln in der Politik. „Ich finde, dass das nicht geht“, sagte etwa Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nach einer Protestaktion in Freiburg Mitte Februar. „Das sind schwere Rechtsverletzungen, die man nicht rechtfertigen kann.“

Auch interessant

Kommentare