Mehr als 200 Festnahmen

Zehntausende gegen Lukaschenko: Neue Proteste in Belarus - trotz Gewaltandrohung

Demonstranten mit Mund-Nasen-Schutz und alten belarussischen Nationalfahnen nehmen an einem Protest der Opposition in Minsk teil.
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Demonstranten mit Mund-Nasen-Schutz und alten belarussischen Nationalfahnen nehmen an einem Protest der Opposition in Minsk teil.

Seit Wochen laufen Massenproteste in Belarus - trotz Herbstwetter und Gewaltandrohung der Behörden. Viele Menschen lassen sich nicht einschüchtern. Wie reagieren die Sicherheitskräfte?

  • Auch mehr als zwei Monate nach der Präsidentenwahl in Belarus gehen die Proteste gegen Staatschef Alexander Lukaschenko weiter.
  • Trotz Gewaltandrohung der Polizei gingen am 18. Oktober zehntausende Menschen auf die Straßen.
  • Das Innenministerium sprach von mehr als 200 Festnahmen. Offenbar wurden auch Journalisten inhaftiert.
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 18. Oktober, 20.10 Uhr: In Belarus sind bei den Massenprotesten gegen Staatschef Alexander Lukaschenko am Sonntag mehr als 200 Menschen festgenommen worden. Obwohl die Behörden zuvor mit Schusswaffeneinsatz gedroht hatten, gingen erneut zehntausende Anhänger der Opposition auf die Straßen. Wie eine Sprecherin des Innenministeriums der Nachrichtenagentur AFP sagte, habe die Polizei Gummigeschosse gegen die Demonstranten eingesetzt, als diese Steine auf sie warfen. Die meisten der Festgenommenen seien in der Hauptstadt Minsk in Gewahrsam genommen worden.

Belarus: Zehntausende gegen Lukaschenko: Neue Proteste in Minsk - trotz Gewaltandrohung

Erstmeldung: Minsk - Zehntausende Menschen haben in Belarus bei einem neuen Protestmarsch gegen Staatschef Alexander Lukaschenko demonstriert. Sie zogen am Sonntag begleitet von einem großen Aufgebot von Polizei und Militär durch die Hauptstadt Minsk. Auch in anderen Städten gab es Aktionen. Dabei rief die Menge „Es lebe Belarus“ und „Lukaschenko in den Gefängniswagen“.

In Minsk und anderen weißrussischen Städten: Protest gegen Lukaschenko - trotz Gewaltandrohung

Bei der als „Partisanenmarsch“ bezeichneten Demonstration wurden mehr als 100 Demonstranten festgenommen. Wie eine Sprecherin des Innenministeriums der Nachrichtenagentur AFP sagte, sei dies „bisher“ der Stand. Tausende Anhänger der Opposition gingen am Sonntag erneut gegen Lukaschenko auf die Straßen, obwohl die Polizei zuvor mit einem Schusswaffeneinsatz gedroht hatte.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation „Wjasna“ wurden Demonstranten nicht nur in Minsk festgenommen, sondern auch in anderen Städten des Landes. Örtliche Medien berichteten zudem, dass auch ihre Journalisten festgenommen worden seien.

Lukaschenko unter Druck: Gegner demonstrieren erneut zu Tausenden

Aus Minsk gab es wieder Bilder von vielen Militärfahrzeugen und Gefangenentransportern, die im Nachrichtenkanal Telegram veröffentlicht wurden. Der Machtapparat brachte erneut Wasserwerfer in Stellung. Die Sicherheitskräfte sperrten Straßen mit Stacheldraht und schwerem Gerät im Zentrum ab. Zudem gab es Berichte, dass Sicherheitskräfte Gummigeschosse in die Luft gefeuert hätten, als Demonstranten Steine geworfen hätten.

Anders als bei den früheren Sonntagsdemonstrationen der Opposition zogen die Lukaschenko-Gegner diesmal nicht durch das Stadtzentrum von Minsk, sondern demonstrierten auf einer Hauptverkehrsstraße im Süden der belarussischen Hauptstadt, wo zahlreiche Fabriken angesiedelt sind.

Belarus: Wieder Proteste gegen Lukaschenko - Metro-Stationen geschlossen, mobiles Internet blockiert?

Metro-Stationen wurden geschlossen, damit die Menschen nicht einfach ins Zentrum gelangen konnten. Zudem funktionierte das mobile Internet zeitweise nicht. Die Behörden wollen damit verhindern, dass sich Demonstranten etwa über Telegram verabreden und Videos von Festnahmen schnell verbreitet werden. Dennoch fanden einzelne Sequenzen den Weg in das Internet.

Es ist das mittlerweile zehnte Protest-Wochenende in Folge. Die Aktionen an den Sonntagen haben besonders großen Zulauf. Die Sicherheitskräfte hatten zuletzt ihre Gangart gegen Demonstranten verschärft. Das Innenministerium drohte offen mit dem Einsatz von Schusswaffen und scharfer Munition. Die Opposition ruft dagegen stets zu friedlichen Protesten auf und verurteilt Gewalt.

Weißrussland: Zehn Protestwochenende in Folge - Tichanowskaja kündigt Fortsetzung an

Bereits am Samstag waren landesweit Hunderte Frauen und Studenten gegen Lukaschenko auf die Straße gegangen. Dem Innenministerium zufolge gab es dabei fast 60 Festnahmen.

Seit der Präsidentenwahl am 9. August gibt es in Belarus regelmäßig Proteste. Das Land steckt in einer schweren innenpolitischen Krise. Lukaschenko hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen nach 26 Jahren an der Macht erneut zum Sieger erklären lassen. Die Opposition sieht dagegen die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja als wahre Gewinnerin an. Sie war ins EU-Exil in Litauen geflohen.

Bekannt wurde zudem, dass der Anwalt der inhaftierten Protestführerin Marija Kolesnikowa* in Hausarrest entlassen wurde. „Dass Ilja Salej zuhause und nicht in Untersuchungshaft ist, ist eine gute Nachricht, und das ist das Resultat unseres friedlichen Drucks auf das Regime“, erklärte Tichanowskaja. Die Proteste würden jedoch weitergehen, bis alle politischen Gefangenen frei seien und es Neuwahlen gebe.

Sind die Schicksale Alexander Lukaschenkos und Wladimir Putins miteinander verknüpft? Mehr erfahren Sie in dieser Analyse bei Merkur.de*. (dpa/AFP/fn) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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