Gemeinsames Treffen geplant

„Unverschämtheit“: Baden und Württemberg streiten wegen fehlender Einladung

Muhterem Aras (Bündnis 90/Die Grünen), Präsidentin des Landtags von Baden-Württemberg.
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Muhterem Aras (Bündnis 90/Die Grünen), Präsidentin des Landtags von Baden-Württemberg, will die Gemüter in Baden besänftigen.
  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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Die Badener sind sauer, weil sie nicht zu einer Veranstaltung zum 70-jährigen Bestehen von Baden-Württemberg eingeladen wurden. Auf Facebook hagelt es Kritik.

Stuttgart/Karlsruhe – Erhitzte Gemüter im badischen Teil von Baden-Württemberg: Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) hatte zu einer Veranstaltung zum 70-jährigen Bestehen von Baden-Württemberg am 27. April ausschließlich Teilnehmer aus dem württembergischen Teil und anderen Bundesländern eingeladen – badische Vertreter hatten keine Einlandung bekommen. „Eine Unverschämtheit“, schimpfte Professor Robert Mürb (89), Ehrenvorsitzender der Landesvereinigung „Baden in Europa“.

Kretschmann mit klarer Position – „gibt heute nur noch Baden-Württemberger“

Berichten der Bild zufolge war die Landesvereinigung in Karlsruhe empört, als sie die Nachricht erreichte. Und auch die Äußerung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann trug nicht dazu bei, dass sich die Gemüter beruhigten. Auf das heikle Thema angesprochen erklärte der Regierungschef: „Wer ist heute ein Badener? Heute gibt‘s nur noch Baden-Württemberger.“ In der Opposition, aber auch in der eigenen Partei, wurde daraufhin Kritik laut.

Wer ist heute ein Badener? Heute gibt‘s nur noch Baden-Württemberger.

Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg

Aras hat SWR-Berichten zufolge ihre Position noch einmal schriftlich bekräftigt und erklärt, dass der Landtag nur einer von vielen Kooperationspartnern der Veranstaltung sei. „Ich bedaure, dass wir nicht ausreichend differenziert haben zwischen dieser lokalen Tagung mit mittelbarem Bezug zum Jubiläum und dem Festakt des Landtags am 4. Mai zu 70 Jahre Baden-Württemberg.“ Dass die Badener aber auch gerne am 27. April mit dabei sein wollen, zeigt die Kritik bloß allzu deutlich.

Versöhnung geplant – Aras bietet Badenern persönliches Treffen an

Nach Informationen der Bild will Aras die Gemüter besänftigen, hat der Badener-Vereinigung geschrieben und ein persönliches Treffen angeboten. Auch an ihre Partei wandte sich Aras schriftlich und teilte mit, dass die Veranstaltung am 27. April eine „lokale Tagung mit mittelbarem Bezug zum 70-jährigen Jubiläum“ sei und die Badener zum eigentlichen Festakt am 4. Mai auch eingeladen seien.

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes leben in Baden-Württemberg rund 11,1 Millionen Menschen - allein 5,1 Millionen von ihnen in den badischen Regierungsbezirken Karlsruhe und Freiburg. Die weiteren sechs Millionen Bürger verteilen sich auf die zwei Regierungsbezirke Stuttgart und Tübingen. Die Landespolitik von Baden-Württemberg war zuletzt immer wieder prominentes Thema in den Medien, auch wegen der Wahlrechtsreform in Baden-Württemberg, die das Wählen ab 16 Jahren ermöglicht.

Wilde Debatte auf Facebook zum Streit mit Baden – „Spätzlefresser wollen Geld sparen“

Ebenfalls heftig diskutiert wurden in den sozialen Netzwerken die pro-russischen Autokorsos im Südwesten, die aus Sicht einiger Facebook-Nutzer von der Landesregierung hätten verhindert werden sollen. „Wir leben in einer falschen Demokratie“, beschwerte sich ein User. Auch der Konflikt zwischen Baden und Württemberg sorgte für erhitzte Gemüter. Eine wütende Badenerin auf Facebook: „Da wollten die Spätzlefresser halt einfach ein wenig Geld sparen, indem sie nicht so viele einladen.“

Eine weitere Userin sieht das anders, sie schreibt: „Hat Deutschland und die Welt aktuell nicht größere Probleme als so was?“ Wie auch bei der Facebook-Debatte über die pro-russischen Autokorsos gehen die Meinungen zum Streit zwischen Baden und Württemberg weit auseinander.

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